DgSH II – Der Sofa-Report, Teil 2
Text: Ko:L
Bilder: SF/Daniel Ammann
„Man wähnte sich mehr in einer nostalgie Sendung zu 100 Jahr SF denn in einer Musiksendung.“ - „Also frag ich mich scho, was die Sendig eso bezwäckt? Compilations verchaufe? SMS Voting Gelder verteile?“ - „Leute, die Schweiz, und das sage ich als Niederländer, hat echt mehr zu bieten!“ Das nur einige Aussagen in der Trespass.ch – More swiss music Gruppe auf Facebook nach der letzten Sendung von Die grössten Schweizer Hits. Die erste Sendung von DgSH 2008 lockte zwar 933'000 Leute vor die Glotze – doch die Urteile waren alles andere, als berauschend. Ist es wirklich der Sinn einer Schweizer Musiksendung, den Schnurri der Nation zu verkuppeln... Und zu Recht taucht mittlerweile die Frage auf: Wie kommt es, dass „Ewigi Liäbi“, letztes Jahr noch auf Platz 2 in der Publikumsgunst, heuer den Sprung in die Top50 und damit in die Sendung nicht geschafft hat. Welche Rolle spielt die so genannte Fachjury bei der Nomination der Songs – und nach welchen Kriterien beurteilt sie? Wir werden versuchen, es rauszukriegen...
Auch die Songs, die bei der dritten Ausgabe zur Auswahl standen, hauten weiss Gott keinen aus den Socken. „Jung & Alt“ lautete das Motto. Drei Songs von sieben fallen in die Sparte Pop – wenn man Mani Matter in den Pop-Top werfen will. Und damit wäre DgSH das perfekte das Abbild der Bevölkerungspyramide – 70 Prozent Senioren und 30 Prozent Junge. Aber nein, nein!!! Keine Sorge, wir schmeissen den Trespass-Bettel nicht hin. Schliesslich wäre das ja ganz was neues, wenn wir plötzlich mehrheitsfähig wären...
Item: Folge 2 von DgSH II war gerade mal 20 Minuten alt, als das erste Mal die Furcht aufkam, dass das Pulver verschossen war: Es war der Rückblick auf Roman Kilchspergers Piratenauftritt im Meteo... Aber dann Merssi schön: Pingu, Dominik Dachs, Ted Scapa, Franz und René – was soll das, Mann?!!! Immerhin: Nach weiteren zwanzig Minuten war wieder verschnaufen auf hohem Niveau angesagt: Die Kummerbuben präsentierten ein Medley aus ihrem aktuellen Album „Leibi u anderi Verbräche“ - und brachten einen Hauch von Rock'n'Roll à la Tom Waits in die beste Schweizer TV-Sendezeit. Und das ist, wie bereits letzte Woche geschrieben, gut so. Und mit Hits a Gogo, Hitparade oder Downtown wurde endlich – nach anderthalb Sendungen – auch mal in die musikalische Vergangenheit des Schweizer Fernsehens geworfen.
Und schwups – nach gut 60 Sendeminuten, davon 50 Minuten lang Blabla – wurde der TV-Abend plötzlich richtig kreativ und schon fast sowas wie independent: Greis, auch wenn er Polit-Rapper ist, so doch immerhin einem breiteren Publikum bekannt; Bandit derweil, eigentlich Teil von Luut&Tüütli, gerade erst dabei seine Solo-Karriere zu lancieren präsentierten ihre Interpretationen klassischer Mani Matter-Nummern. So kam die zweite Ausgabe von DgSH II mit Greis, Bandit und Producer Claud völlig unverhofft und vor allem unerwartet zu einem echten kulturellen Highlight, das auch dem Musik-uninteressierten Publikum eindrücklich zeigte, welches Potenzial in aktueller Schweizer Musik steckt. Und wer den nächsten Hänger überstand, konnte sich nach weiteren 20 Minuten – scheint, als wäre alles flott getimt ;-) - an einem Medley von Adrian Stern, Redwood, Fusion Square Garden FSG, laben; kurz bevor er vergessen hatte, dass es bei DgSH ja eigentlich um Musik gehen würde...
Stern kehrte einige Minuten später zurück um zusammen mit Ritschi „Die woni hübsch find“ zu besingen – und dann war bald auch schon geschehen. „Das Feyr von der Sehnsucht“, neu interpretiert vom Jodlerklub Wiesenberg und Francine Jordi herself brachte vor der Bekanntgabe des Voting-Siegers nach viel musikalisch-kreativen Elementen noch eine flotte Portion Bodenständigkeit in die Bodenseearena in Kreuzlingen. Und schliesslich war es mit 24,9 Prozent der Zuschauerstimmen Baschis „Bring en hei“ - vor Michel Villas totem Teufel und dem „Tröimli der Bossbuben -, der sich neben Oesch's den Dritten mit ihrem Ku-Ku Jodel fürs Finale vom 30. November qualifizierte.