DgSH – Lovesongs: „Ewigi Liäbi“ – ausser bei Mash!
Text: Ko:L
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Das Verdikt am Ende der dritten Sendung „Die grössten Schweizer Hits“ (DgSH) war klar: Mehr als ein Viertel aller Voting-Teilnehmer gab seine Stimme „Ewigi Liäbi“ und katapultierte die Nummer damit zum haushohen Sieg in der Sparte „Lovesongs“. Komponist und Mash-Sänger Padi Bernhard war nach der Sendung denn auch sichtlich stolz – und hungrig nach mehr. „Jetzt haben wir eine Chance, ‚Alperose’ zu schlagen’“, meint er selbstsicher, schränkt dann aber trotzdem ein: „Letztes Mal machte ‚Träne’ zweiter und ‚Ewigi Liäbi’ fünfter – wobei wir heuer die Jodler mit an Bord haben. Hmm… Sagen wir ‚Träne’ gewinnt und wir werden zweiter!“ Die Freude war dem Sänger anzusehen und der Schalk stand ihm in den Augen. „Ich freue mich wahnsinnig, dass wir in der letzten Sendung noch einmal nominiert sind und auch auftreten dürfen –ich habe auch Francine Jordi schon ein Duett angeboten.“ Einer Francine übrigens, die auch in der dritten Sendung einmal mehr zum an*****en aussah – wenn das auf einer Musik-Plattform einfach mal so erwähnt werden darf…
Geschlagen geben mussten sich für einmal Gotthard. Während es sich die Hardrocker eigentlich gewöhnt sind, Erfolg an Erfolg zu reihen, mussten sie sich im Publikumsvoting in heimischen Landen mit Platz zwei für „Heaven“ zufrieden geben. „Ich finde es richtig, dass ein Mundartsong zum Schweizer Hit gewählt wird“, erklärt ein zufriedener Gotthard-Fronter Steve Lee nach der Show, „für ein breites Publikum und vor allem für ein Schweizer Publikum.“ Gotthard dagegen sei sehr international ausgerichtet – und daher „sehr überrascht und sehr happy über diesen zweiten Platz.“ Und dann wagt der Tessiner mit der Powerstimme noch einen kurzen soziopolitischen Exkurs: „Oftmals ist man Schweizer, wenn’s gerade passt. Und wenn’s mal grad besser ist, nicht Schweizer zu sein, ist mans nicht…“ Sagts, lacht – und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Und überhaupt ist Platz zwei perfekt. Hätten wir gewonnen, hätten wir die Deutschland-Tour, die noch bis Weihnachten dauert, unterbrechen müssen.“
Eigentlich waren die beiden Erstplatzierten, aber auch Züri Wests „I schänke Dir mis Härz“ auf dem dritten und Patent Ochsners „W.Nuss vo Bümpliz“ so logisch und unausweichlich, wie das Amen in der Sonntäglichen Predigt. Etwa in diesem Rhythmus startete die dritte Ausgabe von DgSH 2007 auch – als gemütliche Plauderstunde über alte Zeiten und erste Liebeleien. Selbst die üblichen Schlüpfrigkeiten des Plauderquartetts Jordi, Epiney, Kilchsperger und Turnherr am Rande der politischen Korrektheit – aber natürlich immer schön schweizerisch diesseits der Grenze des guten Geschmacks – vermochten lange nicht wirklichen Drive in die musikalisch bisher weitaus gehaltvollste Folge der Sendereihe zu bringen. Spannend wurde die Sendung, wenn Francine Jordi die tragische Geschichte von Tommy in Monica Morells Klassiker „Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an“ erzählte oder wenn Kurt Maloo, einst als die eine Hälfte von Double („Captain of her heart“)in der ganzen Welt erfolgreich, jetzt alleine unterwegs ist und Soloshows mit altem und neuem, eigenem Material spielt, von seinen Erfahrungen und Wünschen berichtete. Kleines aber feines Highlight war zudem Patent Ochsners Büne Huber, der sich die Freiheit nahm, die simpel einfältigen Fragen, die er gestellt erhielt, entsprechend einfältig zu beantworten. Ansonsten drohte die Sendung zwei Stunden lang latent in einen zwanghaft lustigen Stadl-Schunkel-Groove abzudriften. Dass das Publikum zu „Ich fange nie mehr was…“ aufgefordert wird, tröge mitzuklatschen ist ungeschickt. Dass es brav mitmacht, als würde rhythmisches Applaudieren in eine Abdankung passen, ist dämlich. Dasselbe Attribut gilt für die „spontane“ Idee des Plauder-Quartetts, Gölä live aus der Sendung anzurufen…
Aber Show ist halt eben Show, das hat auch dieser Sonntag wieder eindrücklich gezeigt – und gleichzeitig eines der wenigen Beispiele mit in die gute Stube gebracht, das zwar seit 30 Jahren mit von der Partie ist, sich aber dem Show-Wahn zum Teil bewusst verweigert – oder ihm zumindest aus dem Weg geht. „1989 waren wir letztmals im TV“, erinnert sich Frontmann Steff. Und auch wenn Gitarrist Chris anfügt, sie hätten sehr wohl Lust auf mehr, dürfte dieses „mehr“ wohl kaum für mehr Fake und mehr Playback stehen. Vielmehr für mehr Musik. Nachdem Irrwish erst gerade ihr Jubiläumsalbum „Wizard for a Day“ zum 30-jährigen Bestehen veröffentlicht haben, hecken sie schon wieder neue musikalische Ideen aus. „Das wird ein grosses Projekt“, stellt Chris in Aussicht, „mit Streicherensemble und so“. Vom Druck, 3’30’’ und fürs Radio und das breite Publikum zu produzieren, haben sich die Herren mit der Dame im Kreis schon länger verabschiedet. „Wir haben ein eigenes Label gegründet, ein eigenes Studio aufgebaut und vertreiben unsere CD selber“, erklärt Steff und Chris führt aus: „In all den Jahren hat sich dieser Weg als jener herauskristallisiert, der für uns der beste ist. Wir haben eine tolle Band, können spielen, wann wir wollen und haben niemanden, der uns sagt, ‚Es wäre mal wieder Zeit für eine CD’.“
Und während Irrwish wohl auch inskünftig den Schweizer Musikmarkt „subversiv“ bereichern werden, macht sich Mash-Frontmann Padi derzeit ernsthafte Gedanken über seine musikalische Zukunft. „Wir hatten Anfang Jahr eine Mash-Pause vereinbart – und jetzt haben wir gemerkt, dass diese Pause immer länger wird“, sagt. Dabei hat der Hype um „Ewigi Liäbi“ dieses Jahr bisher nicht gekannte Dimensionen angenommen. „Ich durfte das Lied mit den Jodlern am Hoch-Ybrig singen, war zur Musical-Premiere von ‚Eigi Liäbi’ eingeladen und jetzt sitzen wir alle hier und … ich glaube ich spinne. Ich habe doch gar nichts gemacht“. Dabei möchte er doch so gerne wieder was machen: „Es kribbelt“, gesteht Padi, „und ich überlege die ganze Zeit, wie ich nächstes Jahr auf den Hochybrig könnte, um aufzutreten.“ Notiz am Rand: Padi trat bisher jedes Jahr am Hochybrig auf. „Jeder von uns ist so engagiert im Job oder mit der Familie, dass es gar nicht möglich schient, regelmässig wieder was zusammen zu machen“, erzählt Padi, „und wir haben gemerkt: ‚Das ist fertig; es muss echt was passieren, dass wir uns wieder finden.’“ So kam es, dass Padi „aus dieser Not hinaus“ ein paar Kollegen fragte, ob sie mit ihm nicht ein wenig jammen möchten. „Und das tun wir jetzt seit drei Monaten – und es ist einfach schön.“ Wohin das führen wird, weiss heute noch niemand. So ist da halt, wenn man frisch verliebt ist…