DgSH II - Der Sofa-Report, Teil 3
Text: Ko:L
Bilder: SF/Daniel Ammann
„Herz & Schmerz“ war in der dritten Ausgabe der grössten Schweizer Hits 2008 das Motto. Bo Katzmann und sein Chor eröffneten, „Gilberte de Courgenay“, „E gschänkte Tag“, „E Vogu ohni Flügu“, „Alls was bruchsch“, „Annemareili“, „Angelheart“, „Söui, söui nid“, „Irgendeinisch fingt z'Glück eim“, „Wänn nid jetzt, wänn dänn“ und „Taking your love“ waren nominiert – oder anders gesagt: Adolf Stähli versus Peter Reber versus Kuno Lauener versus Lovebugs und so weiter... Mit der Aufzählung der Nominierten war klar, dass das Publikum einmal mehr die schwierige Aufgabe haben würde, Äpfel mit Birnen zu vergleichen – fast wie Benis lichter werdendes Haar mit Francines neuer Frisur.
Mit dem ersten Video-Block kündigte sich der Auftritt der Bieler Funpunker QL an. Sie hatten bereits im Vorfeld der Sendung „s Margritli“ zusammen mit Pepe Lienhard neu aufgenommen und zum Download angeboten. Von Skapunk zu schreiben wäre doch zuviel des guten – aber die Bieler setzen auf Altbewährtes: Treibendes Drum, schreiende Gitarren, klarer Gesang zum Mitgröhlen; dieses Mal einfach noch mit einer flotten Bigband kombiniert. Nach zwei Kurzinterviews mit Nominierten gings gleich weiter mit der ausführlichen Präsentation der ersten drei Nominierten – und gleich danach kam Peter Reber zu Wort. Sollte das ewige Moffeln etwa geholfen haben und Musik bei DgSH plötzlich einen grösseren Stellenwert erhalten, als es bei den ersten zwei Ausgaben der Fall war?
Schön wärs, wär die Erkenntnis zwanzig Minuten später. Ex-Botschafter Borers oder Lady Di's Hochzeit, Die Kummerbuben oder Motel. Blablabla... Alles, ausser Musik. Und während Beni, Francine, Roman und Sven in gewohnt familiärem Rahmen über Serien-Themes quasselten ziehe ich mir Kurt Felix' Abhandlung zu DgSH und den Stellenwert von Schweizer Musik im Radio rein. Kurt Felix, seines Zeichens profunder Kenner zeitgenössischen Schweizerischen Musikaschaffens, erklärte in epischer Breite – zwei Seiten im Sonntagsblick Magazin – dass Jodeln und Mundart dank DgSH endlich wieder salonfähig wurde. DgSH als Heilsbringer für die Schweizer Musikszene? Katy Winter mit „Stronger“, My Name is George mit „Mary Jane“ und Aextra mit „Himu & Höll“ bestritten den nächsten Showblock – und widerlegten Felix flux. Moderne Schweizer Musik mit viel Groove, guten Vibes und Hitpotenzial gibts auch von unter 35-Jährigen. Gölä, Sina, Polo Hofer oder Natacha, wie Kurt Felix vorschlug, sind beileibe nicht die trendigsten Songwriter der Szene im Schweizer Musik-Jahr 2008.
Arlette Zola – ich gestehe: bis dahin nie gehört – muss dann wohl etwas wie die Paola der französischen Schweiz sein. Zuerst präsentierte sie mit „Amour on t'aime“ ihren Hit von 1983, dann gab sie zusammen mit Toni Vescoli ihre Nummer „Combien d'amis“. Letzter hat den Song auf seinem aktuellen Album „66“ neu interpretiert und ihm einen irisch-texanischen Touch verpasst. Doch das wars dann auch schon wieder mit Musik bei DgSH, in der Folge war wieder viel Sauglattismus mit den vier Pausenclowns angesagt; es heiss Antreten zum Tanzkurs. Die Erlösung hiess Sina. „Hinner diär“ war schliesslich eine gerne gehörte Zusage. DgSH im Wissen ansehen, dass da jemand hinter einem steht und einem den Rücken stärkt, macht manches leichter...
Am Ende hatte der durchschnittliche SF-Zuschauer gerichtet; im Publikumsvoting siegte Peter Rebers „Vogu ohni Flügu“ obenaus, vor „Alles was bruchsch“ und „Gilberte de Courgenay“ . Sie wurden nach einem weiteren Blick ins SF-Archiv der Musiksendungen bekannt gegeben; ein Blick, der den einen oder anderen Schmunzler provozierete – aber gleichzeitig die Frage wieder mal aufwarf: Warum blickt man in dieser Sendung immer wieder zurück und nur höchst selten nach vorne? Immerhin endete die dritte Sendung von DgSH mit einem musikalischen Lichtblick: Dada (ante portas) durften ein Medley ihrer grössten Hits vorstellen – und damit Kurt Felix gleich noch einmal seine Unkenntnis der Materie unter die Nase reiben ;-)