Die grössten Schweizer Hits: Klamauk und die Sauterelles
Text: Ko:L
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Wenigstens war der Sieger von „Die grössten Schweizer Hits – Specials“ ein versöhnlicher: Les Sauterelles räumten mit ihrem Heavenly Club ab – und liesen Halligalli-Nummern von Halligalli-Acts wie XXL feat. Peter „Cool Man“ Steiner, Harry Hasler, Peach Weber oder Nöggi hinter sich. Wobei zumindest beim Videodreh zu „Heavenly Club“ auch eine ziemlich gelöste Stimmung geherrscht haben muss, mit einem Promille-Level, das jenem in einer durchschnittlichen Schweizer Festhütte zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ziemlich nahe kommt. „Wir konnten das Video nur drehen, weil die Equipe, die für Mäni Webers Hochzeit im Einsatz stand, für uns zwei Stunden früher anfing“, erinnert sich Sauterelles-Gitarrist Toni Vescoli. „Wir hatten am Abend zuvor ein Konzert in Grindelwald und kaum geschlafen – und zum Zmorge gabs schon wieder Weisswein.“ Die Folgen waren entsprechend: „Mir sind so zue gsi, dasmer gar nüm rächt gwüsst händ, wasmer mached.“
Das Schwelgen in Erinnerungen macht Toni Vescoli denn auch sichtlich Spass: „Das war immer ein wenig ein Teil von mir; schon 1990, als wir '25 Jahre Schallplatte' feierten oder später bei den Arbeiten für Sam Mumenthalers Buch zu unserem 40. Jubiläum.“ Und er betont, dass er mit der Vergangenheit sehr wohl im Reinen sei: „Ich trage nicht einen Rucksack mit mir. Die Vergangenheit ist ok, ich trauere ihr nicht nach. Aber ich schaue nach vorne und mache mein Zeug. Und heute bin ich so privilegiert, dass ich mit den Sauterelles die alten Sachen spielen kann und gleichzeitig auch mein eigenes Material präsentieren kann.“ Und schliesslich ist Toni Vescoli auch dankbar für die Plattform, die „Die grössten Schweizer Hits“ bietet – selbst wenn sie sich primär für sein gestriges Schaffen interessiert und nicht für das aktuelle. „Diese Zeit wird auch noch kommen“, sagt er und lächelt. „Am 11. Januar kommt mein neues Album – ein ernstes Album, aber eines das für mich stimmt und das glaube ich gut ist.“
Doch das sagte Toni Vescoli erst nach der Sendung, als die Scheinwerfer erloschen und die Kameras ausgeschaltet waren. Denn für Ernstes gabs in den „Specials“ kaum Raum. Praktisch restlos jede Peinlichkeit, welche sich die Schweizer Musik-, vor allem aber Promi-Szene leistete wurde ausgegraben. Grosse Ereignisse wie die ersten musikalischen Schritte von Stephan Eicher im Duo „Grauzone“ oder Yellos bahnbrechende Revolution der elektronischen Musik, die noch bis heute nach hallt, wurden dabei neben Schunkeln mit dem Trio Eugster und Salvo fast ein wenig an den Rand gedrängt. Und ganz einfach nur schade war, dass trotz der Nomination ihrer „Tubeltrophy“ niemand von den früheren Baby Jail den Weg ins Maag-Areal fand – etwa um aus erster Hand von den wilden 80ern mit Bands wie Kleenex zu berichten. Denn Boni oder Bice hätten bestimmt mehr dazu zu sagen gehabt, als Roman, der „damals erst zehn war und nicht raus durfte.“
Lichtblicke waren am Sonntag Abend die Auftritte von Stiller Has, Wurzel 5 und Gimma. Ersterer nahm sich die Freiheit, am heiligen Schweizer Sonntag Fernsehabend, kaum ist die Trauerzeit für Lüthi & Blanc abgelaufen, „Gruusig“ in ein Medley zu packen. Die bösen Buben des Bärner und des Bündner Raps gaben derweil zu einen ihre eigenen Hits „Für Di“ (W5) und „Superschwiizer“ (Gimma) zum besten; zum anderen präsentierten sie eine Adaption des letztjährigen Siegersongs „Alperose“als Party mit „eme haube Rosé“ und „Ungerhose, wo im Höi gläge si“ hoch in den Alpen. Politisch vielleicht nicht ganz korrekt – aber möglicherweise ehrlicher als das Original. Und: Sowohl der Has, als auch die Rapper bestanden darauf, ihre Songs live zu performen. Nix Playback, dafür viel echter Druck.