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MS Guitars - Really handcrafted

Text: Ko:L
Bilder: Ko:L/Unisono
Tinu Schafer baut seit drei Jahren Gitarren. „Ein Lehrling, der an einer spanischen Klampfe rumbastelte, brachte mich auf die Idee“, erzählt er. „Ich dachte ‚Warum nicht mal selber eine Gitarre bauen?’, deckte mich Literatur ein und baute mir so nach und nach das nötige Grundwissen auf.“ Er pickte sich aus all dem Wissensfundus raus, was wer für erfolgversprechend hielt, und begann, nach diesem „Rezept“ zu arbeiten. „U i würd säge, bis iz hets eigentlech rächt guet verhaa“, meint Schafer bescheiden. So hat er bis im Sommer 05 acht Gitarren gebaut, zwei weitere hat er eben vollendet – bisher alle für sich, wie der Künstler, der in seinem Atelier Bild um Bild malt, bevor er mit einer Ausstellung an die Öffentlichkeit tritt. Dieses „Going public“ will Schafer nun nachholen. Am 21. Oktober 2005, wenn Zäppu Teile seines Unisono vorübergehend ins Museum für Kommunikation zügelt, werden auch Teile von Tinu Schafer dabei sein.
Martin Schafer mit 3 seiner Gitarren
Sein Material – ausser dem Holz – bezieht Schafer aus den USA (Stewart-MacDonald) und Deutschland (Rockinger), „je nachdem was ich brauche“. Und weil Schafer ein „Gitarren-Junkee“ ist, berappt er bis heute den ganzen Spass aus dem eigenen Sack. Eine qualitative Einschätzung seines Gesamtwerkes mag Schafer aber dennoch nicht machen. „Ich kann dir auch keinen Preis für meine Gitarren nennen, jedes Instrument ist ein Unikat.“ Auch auf den Vergleich mit einer Marke lässt er sich nicht ein. Wohl beobachtet er die Entwicklung der grossen genau, aber 1:1 ein Instrument nachbauen ist nicht sein Ding. „Ok, das Body der Fender Telecaster hat’s mir angetan“, gibt Tinu zwar zu. „Aber der Hals ist schon wieder völlig unterschiedlich.“ Am Ende ist jedoch der Preis einer Schafer-Gitarre aber auch zweitrangig. Denn dieser Preis wird nie und nimmer mit einem international renommierten Massenprodukt konkurrenzieren können. Wenn ein Vergleich, dann der mit anderen Shops oder Produzenten im selben Segment, die ebenso Unikate herstellen, wie Schafer. Naheliegend ist, dass Schafer sich mit seinen Instrumenten vor allem an Profis richtet. „Wenn jemand zu mir kommt, muss er mir sagen können, was er will. Er muss das Universum Gitarre kennen.“ Oder er sei Sammler, ein Freak, der einfach um jeden Preis etwas Spezielles will. Denn am Ende ist klar: „Der Aufwand ist massgebend für den Preis.“
Martin Schafer mit einer seiner Gitarren
Sein Hobby ist ausgefallen – er baut Gitarren. Und weil das Gitarrenbauen „nur“ sein Hobby ist, bringe jedes neue Instrument, „alles, das entsteht“, wieder ein neues Aha-Erlebnis, sagt Martin Schafer. „Grundsätzlich ist alles möglich“, sagt der gelernte Schreiner. „Aber je nach Wunsch ist der Aufwand grösser.“ Schafer möchte zum Beispiel mit jedem Kunden individuell abklären, welche Tönhölzer oder welche Hardwareteile wie Brücke und Pick-Ups er eingebaut haben möchte, oder wie der Hals genau sein sollte. „Da kann man unendlich ins Detail gehen.“ Und wie gesagt: Machbar ist alles – und dank seinem Beruf als Schreiner bringt Schafer das nötige Know-How mit, das es braucht, um ein Instrument nicht nur zum klingen zu bringen, sondern schön zum klingen zu bringen. Doch Schafer gibt auch unumwunden zu, dass Gitarrenbauen „eine spezielle Angelegenheit“ ist. „Du kannst wohl auf Grund der verwendeten Komponenten annehmen, in welche Richtung der Klang des Instruments gehen wird. Haarpräzis planen lässt sich das allerdings nicht.“ Immerhin: Schafer musste noch nie eine Gitarre wieder zerstören, weil sie den Qualitätsansprüchen nicht genügte. Wenn ein Projekt scheiterte, dann an seinen eigenen Ansprüchen...
Martin Schafer in der Ausstellung im Museum für Kommunikation
Bevor Schafer mit dem Bauen von Gitarren angefangen hat, war das Gitarrenspiel. Ein Kurs bei einer renommierten Klubschule floppte und ein Kumpel machte ihn aufs Unisono in Steffisburg aufmerksam. „Dort versuchte ich mich dann zweieinhalb Jahre als Gitarrenschüler – ohne allerdings je grosse Ambitionen zu haben. Ich bin wohl zu alt, um das noch zu erlernen.“ Gleichzeitig kam die Züglete im Geschäft in eine neue grössere Werkstatt, ausgerüstet mit modernsten Maschinen. Und als Schafer seinen Stift und die spanische Klampfe beobachtete, wars um ihn geschehen. „Bald nachdem ich angefangen hatte, mich einzulesen, kamen mir die ersten Ideen, die ich zu Papier brachte. Und rasch merkte ich, dass zum Beispiel allein das Schneiden und Bearbeiten eines hochkomplexen Teils wie des Gitarrenhalses auf der computergesteuerten CNC-Maschine eine Herausforderung für sich ist.“ So war von Beginn weg neben der Faszination „Gitarre“ auch der Ehrgeiz, die das Maximum aus den Maschinen rauszuholen treibende Kraft hinter Schafers Schaffen. „Und als das Instrument zum ersten Mal tönte, ging mir das durch Mark und Bein...“, erinnert sich der Gitarren bauende Schreiner. Die Folge: „Ich bin ein richtiger Freak geworden! Ich versuche immer wieder neues und anderes und mehr, die richtigen Hölzer mit den richtigen Pick-Ups zu kombinieren. Ich will die Instrumente verstehen und begreifen, welcher Eingriff oder welche Änderung welche Folgen nach sich zieht.“ Sein einziges Ziel: „Besser werden. Wenn du ganz am Anfang gestartet bist und nach und nach Schritt um Schritt gemacht hast, dann begegnet dir hier etwas, das du verbessern könntest oder dort ein Werkzeug, das dir die Arbeit erleichtern könnte – und alles immer mit dem Ziel, besser zu werden.“
Martin Schafer mit Slädu in der Ausstellung im Museum für Kommunikation
„Ich komme vom Rock“, sagt Schafer klar. Dass seine Instrumente deshalb vor allem für Rockbands gedacht sind, ist nahe liegend. Tinu weiss jedoch, dass er auch einem Jazzer, der ein Instrument nach seinem Gusto möchte, eine passende Gitarre bauen kann. Bis es soweit ist, und die Gitarre von der Idee zum spielbaren Instrument ist, braucht Schafer rund dreieinhalb Monate. „Da bin ich natürlich nicht nonstop dran – schliesslich baue ich die Instrumente in meiner Freizeit.“ Spezielle Arbeitsschritte, wie etwa das Lackieren brauchen zudem eine bestimmte Zeit, die sich nicht beeinflussen lässt. Besondere Vorsicht – und damit auch besonderer Zeitaufwand – ist etwa auch beim Hals geboten, „dem heikelsten Teil“, wie Tinu sagt: „Du musst dich dort nach der Lebensweise des Holzes richten. Etwas forcieren zu wollen, wenn das Holz noch nicht bereit ist, bringt nichts.“ Was nichts anderes bedeutet als geduldiges Warten bis das Holz auch wirklich trocken und frei von Spannungen ist.

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5/25/2012 1:27:19 AM Administrator
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