Maurice, der stille Naturmensch
„Es ist reiner Zufall“, sagt Maurice nach dem Konzert am Snowpenair auf der Kleinen Scheidegg. Er wähle für seine Auftritte nicht unbedingt nur wunderschöne Kulissen aus. Der blaue Himmel und die verschneiten Berge hier oben, lassen sich in die Fünf-Stern-Kategorie einstufen. Genau wie die Thuner Seespiele, mit der Bühne direkt auf dem See. Dort hat sich Maurice den Namen als Musical-Darsteller erspielt. Auch bei der Berner Band Lunik wirkte der Künstler mit, als Background-Sänger. Nun hat er sein eigenes musikalisches Drehbuch geschrieben. Es ist einzureihen in der Sparte mystische Popmusik: Gitarrenklänge, arrangiert mit gekonnten technischen Nuancen, ein Keyboard und sogar Streichinstrumente umspielen seine gewaltige Stimme. Maurice singt nun nicht nur die Hauptrolle, sondern führt auch gleich Regie. „Jetzt kann ich wirklich mich selber sein und meine eigenen Gefühle transportieren“, erklärt er den Unterschied zu seinem vorherigen Schaffen und präzisiert: „Es ist aber nicht die Rolle eines Rockstars, sondern eher das Ausleben meiner introvertierten und melancholischen Seite - mit meiner eigenen Musik.“
Der Berner, der in Interlaken aufgewachsen ist und die Berge wie seine eigene Hosentasche kennt, hat letzten Sommer sein erstes Album veröffentlicht. Der Titel ist eine Mitteilung, die man eigentlich von ganz anderen Situationen her kennt: „Lifevest under my seat“. Die Anschrift ist Maurice im Flugzeug aufgefallen und er gibt zu, dass er Flugangst hat. Irgendwie habe der Hinweis dort zu seinen Gefühlen gepasst und so ein Rettungsanker sei auch sein Musikschaffen. „Wenn ich einen Moment, der mich beschäftigt oder belebt, mit meiner Musik verarbeiten kann, ist das der Weg“, sagt der Musiker. Und doppelt nach: „Ich finde den Halt oft in der Musik!“
Auf der ersten CD von Maurice werden die Lieder nicht nur Englisch gesungen, sondern auch Französisch und eines sogar auf Berndeutsch. Der Musiker will damit nicht etwa ausprobieren, was besser ist für ihn, sondern er will die Sprachen bewusst mischen. Sein erster Song, der sich sogar in der Hitparade platzierte, heisst „Stärneklar“ und war 2004 der Reisser vom Qutside-Festival in Dielsdorf. Die Plattenfirma verlangte damals einen Mundartsong. Er sei jedoch nie so davon überzeugt gewesen und findet, dass andere Bands dies besser können. Maurice liess sich jedoch diese Chance nicht entgehen. Die Berndeutsche Folgesingle „Härz us Stei“ sei nun ein Bonus-Track auf der CD geworden. „Ich habe aber gemerkt: Mundart ist nicht mein Ding“, stellt Maurice fest und weiss auch, wieso er welsch singt: „Weil mir die Sprache viel bedeutet, und sie zum Singen sehr klingend ist.“ Die Band arbeitet übrigens bereits an einer neuen CD. „Das Ziel ist, auf diesem Album noch mehr mich selber zu sein“, verrät der Italo-Berner. Die 2007 veröffentlichte Scheibe „Lifewest under my seat“, wurde nämlich schon zwei Jahre vor dem Erscheinen aufgenommen. Damals habe er sich noch zu stark von anderen Leuten beeinflussen lassen.
Maurice eröffnet sein Konzert am Snowpenair mit seinem Song „Silent Dreamer“. Er erobert damit nicht etwa das Feier-Volk, sondern jene Menschen, die gerne musikalisch mitschweben und sich dabei in ihren eigenen Fantasien verlieren und sich so auftanken. „Ja, ich bin ein stiller Träumer“, gesteht der Musiker. Der gegen aussen charmant und kommunikativ wirkende Maurice sei im Innersten eigentlich eher still und zurückhaltend - seine ganze Person sei so. „Ich lebe halt viel in meiner eigenen Welt“, verrät der Sänger weiter. Musikalisch träume er davon weiterzumachen, wie es bis jetzt begonnen habe. Er sei sich durchaus bewusst gewesen, dass seine Pop-Karriere trotz seiner Vergangenheit und dem Bekanntheitsgrad als Musical-Star, eine ganz andere Schiene sei. Doch bis jetzt laufe es viel versprechend. Momentan ist er mit seiner Band – seine Musiker kommen aus Deutschland, weil Maurice einige Zeit dort gelebt hat – auf Tour.
Wenn man sich auch mit den anderen Texten von Maurice beschäftigt, erlebt man aussergewöhnliche Wortspiele, die immer irgendwie eine Verbindung mit der Natur finden. Da ist eine Mitternachtssonne, die da war und gleichwohl nicht schien. Oder der Regen, dem einmal mehr die Schuld gegeben wird: „Please don’t blame the rain“. Auch die sieben Meere werden besungen. Maurice erklärt: „Das ist bewusst so gewählt. Für mich spielt die Natur eine grosse Rolle, ich bin ein Naturmensch.“ Seine Augen blinzeln Richtung Sonne und er schwärmt: „Für mich gibt es nicht Schöneres, als auf dem Meer zu sein! Aber auch durch den Regen zu laufen, kann je nach Stimmung genial sein.“