Samael - Back in Black
Text/Bilder: MonthyChristo
Interview: Ko:L
Die Beschallung von der Bühne war mit einem Wort gewaltig, orchestral, ist man versucht zu sagen - Eine sehr innovative Mischung aus Metal und Electro, laut und doch für jede Gehörgangwindung etwas dabei. Hatte man Samael noch anhand von "Passage" 1996 das Prinzip des zelebrierten Gegensatzes zwischen Gitarren und Programming angedichtet, bekräftigt Vorph: "Das war nicht unsere Absicht. Wir haben einfach erst mit der Zeit besser verstanden, die beiden Elemente abzumischen."
Der auf der Bühne erfurchtgebietende PowerRanger Vorph überrascht im anschliessenden Interview mit einem ruhigen und charmanten Wesen. Total entspannt erzählt er zwischen Gig und Essen das Funktionieren von Samael in mittlerweile ziemlich festen Strukturen. Jeder einzelne hält sich musikalisch selbst fit: "Die Zeiten gemeinsamen Uebens sind längst vorbei. Wir üben nur noch vor grösseren Konzerten gemeinsam und wenn wir ins Studio gehen." Das nennt man dann eingespielt: "Wir kennen uns doch schon länger..." Jeder weiss genau, was er zu bringen hat, sei dies musikalisch oder in einer übernommenen Zusatzfunktion. So kümmert sich der Bassist beispielsweise auch um die Lichtanlage. "Es ist wichtig, Abwechslung zu haben, damit man als Musiker nicht frustriert wird."
Auch der mittlerweile schon neunmal durchlaufene Prozess des Songwritings hat sich dieser Arbeitsweise angepasst. So diskutiert man vorab, wie etwas tönen soll, schickt sich hernach mal ein Tape zu, aber lässt doch jeden tun, was er tun muss. Schliesslich trifft man sich vor den Studio-Sessions und übt das Halbfertige ein. "So kann ich meine Texte verfassen, ohne dass mir jemand dreinredet. Wenn´s mal nicht passt, kann man natürlich jederzeit darüber reden, aber normalerweise wird es akzeptiert." Man kennt das ja von Industrial-Bands: "Die Arbeit ist so unabhängig voneinander möglich und deutlich effizienter."
Nach dem Abschluss der Tour Ende Monat in Norwegen werden Samael sich im Oktober ins Studio zurückziehen, um bald einen Nachfolger ihres diesjährigen DVD-Releases "Black Trip" ins Feld zu führen. Der Entwicklung der Band zufolge, darf man Grosses erwarten. Nur dass Samael künftig öfter in der Schweiz spielt, bleibt wohl ein frommer Wunsch...
Die aus Sion stammende Band hatte das Heimspiel, das eigentlich keines war, genutzt um Aufklärung in Sachen Hardcore zu betreiben. Ihre seit 1990 und dem Debut "Worship Him" vorangetriebenen Bemühungen blieben in der Heimat dann doch nicht ganz unbemerkt und führten standesgemäss zu deutlich gesteigerter Security-Präsenz im Fotograben. Ständig kam wieder einer angesegelt, nur um von den endlich einmal körperlich geforderten Broncos aufgefangen und abtransportiert zu werden. Dann auf ein Neues!
Es hatte Mut gebraucht, diese Frage zu stellen. Das hatte ich Ko:L schon angemerkt, als er dazu ansetzte: "Ist es nicht frustrierend, Schweizer zu sein..." - "Nein", fiel Samael-Leadvoice Vorph der noch nicht fertigen Frage ins Wort, worauf wir alle ob der irgendwie typisch schweizerischen Situation lachen mussten. Im zweiten Anlauf kam dann die ganze Frage rüber zur Rückkehr in die Schweiz, wo Samael deutlich weniger bekannt sind, als in Deutschland, im Ostblock und eigentlich in ganz Europa. "Es ist nicht frustrierend, weil wir gehen wollten. Auch als deutsche Band würden wir in England, Spanien oder Frankreich spielen wollen. Das ändert nichts." Schweizer zu sein, hat damit nur bedingt zu tun, als dass die hiesige BlackMetal-Szene einfach zu klein ist, um Bands wie Samael zu tragen. Der Weg zu internationaler Grösse ist von der Schweiz aus gar nicht gangbar. "Während du hier mit unserer Musik fünfzehn Konzerte im Jahr spielen kannst, bringst du es in Deutschland auf über einhundert..."