Samael haben in Amerika einiges nachzuholen
Text/Bilder: Andrea/Chris
Der Auftritt am Rocksound in Huttwil ist für Samael der erste Gig seit dem am 1. Juni 2007 neu erschienenen Album «Solar Soul». Für Sänger Vorph beginnt nun eine strenge Zeit – zahlreiche Festivals im In- und Ausland sind gebucht. «Aber wir freuen uns, das neue Album zu promoten. Wir sind sehr zufrieden damit – können sogar sagen, dass es inhaltlich sowie musikalisch die beste Scheibe ist, die wir je herausgebracht haben», sagt der Walliser nicht ohne stolz. Die Rückmeldungen seien durchs Band positiv, sagt der Metal-Virtuose. Auf diesen Begriff angesprochen stutzt er: «Metal-Virtuose? Wer bezeichnet uns so?», fragt Vorph. «Das hab ich in einem Interview gelesen», bemerke ich. «Nein, so würde ich mich nicht bezeichnen», entgegnet er. «Aber wenn das jemand über mich sagt, macht mir das sicher nichts aus.» Samael soll keine normale Metal-Band sein. «Die Grundlage liegt sicher auf dem Metal. Allerdings lassen wir sehr viel aus unserem eigenen Stil in die Songs einfliessen; sei das Elektro oder gar klassische Elemente. Wir wollen die Musik, die wir gerne hören auch zu unserer eigenen Musik machen.» Dementsprechend sei man sicherlich virtuoser geworden. Also doch ein Metal-Virtuose!
So richtig geklappt mit dem Songwriting und dem Komponieren habe es erst ab der zweiten Scheibe – das war nach «Blood Ritual» im Jahr 1992. Und im 1994 erschien dann «Ceremony Of Opposites» – das erste Album mit Konzept. «Davor habe ich die Musik geschrieben, musste aber merken, dass ich absolut kein Profi darin bin», so Vorph. «Xy hat diesen Part übernommen und ich habe mich auf die Lyrics konzentriert – und das passt viel besser, denn Xy ist ein Naturtalent, kann fast alle Instrumente spielen.» Dieser Wechsel habe die ganze Zusammenarbeit harmonisiert und einiges erleichtert. «Wir hatten ein System gefunden, dass wirklich funktioniert und ideale Arbeitsbedingungen schafft.» Doch Samael ging seinen Weg weiter – Stillstand war in dieser Band ein Fremdwort. «Wir waren ständig auf der Suche nach Neuem – wollten neue Klänge reinbringen.» Deshalb habe man das Schlagzeug zu digitalisieren begonnen. «Wir gingen soweit, das Drum abzuschaffen und programmierten stattdessen einen Drumkit, den Xy einzusetzen wusste. Von diesem Zeitpunkt an gab es für uns wieder eine neue Spielwiese, auf der wir uns von Album zu Album mehr und mehr austoben konnten. Für uns ist verdammt wichtig, dass wir uns nicht selbst wiederholen.» Ebenso bei den Lyrics: Zur Inspiration hat Vorph früher hauptsächlich alternative Bücher gelesen und die Erfahrungen und Geschichten daraus in seine Songs gepackt. «Heute ist das anders», sinniert er. «Ich bin reifer geworden und fühle inzwischen den Inhalt meiner Songs in mir selber und in meinem Leben.»
Mit ihrem neuen Album «Solar Soul» haben Samael einiges vor: Die Europa-Tour führt durch Deutschland, Polen und macht auch Halt in Portugal. «Wir sind stolz, dass wir an grossen Festivals gebucht werden und möchten natürlich möglichst viele Menschen von unserem neuen Werk überzeugen.» Obschon Samael mehr Erfolg im Ausland verbuchen kann, merken sie, dass auch in der Schweiz eine Bewegung statt findet. «Wir dürfen zum Beispiel a, Rock Oz’Arènes in Avanches spielen – einem grossen Gig mit bekannten Namen. Das werten wir als sehr positiv.» Seit sie von Label Musikvetrieb Unterstützung hätten, also seit dem Album «Reign of Light» 2004 – sei wirklich ein positiver Trend in der Schweiz spürbar. «Die haben einen geilen Job gemacht, wirklich», unterstreicht Vorph. Nach den Gigs in Europa werden Samael nach Amerika reisen. «Wir waren bereits in den Jahren 1994, 1999 und im 2003 dort. Und wir freuen uns sehr auf diesen Abstecher. Denn Samael hat aufzuholen, schliesslich können wir nicht nur ‚Solar Soul’ sondern auch ‚Reign of Light’ präsentieren – mit diesem Album haben wir noch nicht in Amerika gespielt.»