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Samael - stehen "Drüber"

Text: Monthy
Bilder: Samael.info
Cover der neuen Samael-CD Above
"Reign of Light", "Solar Soul", "Above" - "Herrschaft des Lichts", "Sonnenseele", "Darüber" - Mit ihren letzten drei Albumtiteln scheinen mir Samael irgendwie ständig im Himmel zu hängen. Ich konfrontiere Sänger Vorph mit meiner Feststellung. "Yeah, yeah...", meint dieser mit einer für einen Metaller erstaunlich jugendlichen Frische in der Stimme, "Musik machen dreht sich auch ums Träumen. In dieser Welt kannst du Inspiration finden. Das gibt es sehr wohl eine Verbindung. Allerdings ist es bei diesem Album eigentlich anders..." Vorph spricht darauf an, dass der Titel "Above" weniger auf eine spirituelle Welt dahinter verweist als die beiden vorherigen Alben dies taten. Vorph: "Wir haben das Projekt von Anfang an 'Above' genannt. Ziel war vor allem eine schnelle und aggressive Form des Metals zu finden und doch uns selbst zu bleiben. Die Texte suchen irgendwie nach einer Richtung in unseren Leben." - Aufwärts finde ich da prinzipiell immer gut. Ich will das Thema aber noch etwas vertiefen und verweise auf die Elemente und die entsprechenden Eigenschaften, die man via Tierkreiszeichen den Menschen zuordnet. Luftmenschen gelten gemeinhin als Träumer, tragen den Kopf in der Luft und sind - in Dialekt - "Luftibusse"... Trifft das auch auf die Bandmitglieder von Samael zu? Keyboarder Xy lächelt vielsagend: "Ich fühle mich definitiv irgendwie so - da ist ein bisschen was von einem Träumer in mir..." Vorph streitet es auch nicht ab. Genauso wichtig ist ihm aber zu betonen, dass Samael auch noch ein ganz reales Leben führen. "Du würdest lebendig aufgefressen, wenn du nur in dieser Traumwelt lebtest... Wir sind uns bewusst, dass es Dinge gibt, wo du einfach durch musst. Aber Träumen ist wichtig im Leben! Besonders für eine Kreativperson."
Promofotos von der Samael-Homepage
Das letzte Album "Solar Soul" eröffnete Samael die Möglichkeit, ihren Sound in den Staaten zu präsentieren. Mit "Above" steht nun alsbald ebenso eine US-Tour an. Hat man das Album deshalb auch gleich auf den amerikanischen Markt ausgerichtet? Oder ist es einfach das nächste Album der "Höllenhunde"? Vorph: "Nicht einfach das nächste Album, nein... Wir haben es von Beginn an als Projekt gesehen mit der Idee, schnellen, energetischen und aggressiven Metal zu produzieren. Nur so zum Spass. Als wir dann tiefer in die Materie eindrangen, wurde es immer interessanter. Weniger gedankenlastig, mehr instinktiv... Erst als es fertig war, beschlossen wir überhaupt, dass wir es aufnehmen wollten. Einige Songs waren einfach so gut, dass wir sie live spielen wollten. Und der einzige Weg dahin führte über eine Platte. Also haben wir unsere Plattenfirma letzten November damit überfallen und sie waren begeistert. So kam das..." Es mag also Zufall sein, dass Samaels neuestes musikalisches Kleidchen ziemlich gut zur amerikanischen Hardcore-Szene passt, vor allem zur New Yorker Art von Knochenbrechersound. Ungelegen kommt es wohl trotzdem nicht... Vorph: "Wir hatten das nicht konkret im Sinn. Wir werden nächste Woche mal 'Black Hole' live ausprobieren. Bis zum Release in den USA dauert es ja noch einen Monat. Dann werden wir schon sehen, ob das tatsächlich so gut passt." Xy bemerkt, dass zwar der Hauptact der US-Tour, die wiedervereinigten Carcass, eher unterschiedlich seien, aber andere der mit tourenden Bands aus genau diesem Hardcore-Bereich kommen würden.
Vorph - charismatischer Samael Fronter
Die USA sieht Xy aber keineswegs als gelobtes Land. Jedenfalls bleibt er stoisch, als ich ihn nach der Bedeutung frage, die Musik in die Staaten tragen zu können. - "Es ist natürlich schön für uns. Aber es ist nicht unser erklärtes Ziel, uns dort durchzusetzen. Das ist es vielleicht für andere... Das Paket stimmt. Wir wurden von Carcass eingeladen, was wirklich cool ist. Wir spielen in der Mitte eines fünf Band starken Lineups in guter Position. Und es ist immer gut, die Musik einem verschiedenartigen Publikum zu präsentieren. Auf dieser Tour werden viele Leute kommen, die keine Ahnung von unserem Sound haben. Das ist auch die Herasuforderung." Carcass als Headliner - hilft das Samael in den Staaten bekannt zu werden? Braucht man irgendeinen Katalysator, wenn man dort Fuss fassen will? - Vorph: "Letztes Mal waren wir mit Amorphis unterwegs, die wir gut kennen, die sich aber beträchtlich von uns unterscheiden. Das ergab mehr ein gemischtes Publikum, aber auf einer Clubtour sozusagen. Dies hier ist mehr ein herumtourendes Festival. Manchmal werden bis zu 10 Bands antreten. Es ist deutlich grösser als alles, was wir in den Staaten bisher gemacht haben."
Promofotos von der Samael-Homepage
Beim Reinhören in "Above" war ich erfreut, dass Samael trotz gesteigertem Tempo und Aggressivität immer noch Samael geblieben sind. Eine Frage aber drängte sich mir auf - Wie viele BPM bringt man eigentlich in so einen Samael-Song? Gibt es überhaupt Limiten in Sachen Schnelligkeit? - Vorph: "Mit der Drummaschine können wir eigentlich so schnell wir wollen. Aber der Song soll ja auch noch interessant sein. Wenn du zu sehr übers Limit gehst, verlierst du den Effekt..." Trotzdem muss es irgendwo eine Grenze zwischen Musik und reinen Oszillationen geben, oder? Xy: "Die Entwicklung der Musik pusht diese Limits ständig weiter hinaus. Heutzutage ist Metal deutlich schneller als 'in the old days'. Irgendwo muss da aber ein Ende sein, ja..." Da stellt sich dann also eigentlich die Frage, ob die Limits Samael pushen oder Samael die Limits? - Vorph: "Ich empfinde es eher so, dass ich mit den Limiten konfrontiert werde. Hier war's schon etwas anderes. Wir haben hier wirklich versucht, weiter zu gehen. Aber es ist ja nicht nur schnell, sondern hat auch den Energie-Faktor..." Und genau dieser ist es, der mich sagen lässt, dass sich die Band trotzdem treu geblieben ist. Der Spirit in den Songs entspricht ziemlich genau dem, der "Reign of Light"-Songs. Sie sind einfach extrem übersteigert. Ich habe mich in der Interview-Vorbereitung dazu verleiten lassen, eine kleine Rechnung zu machen. Nehmen wir mal 200 bpm Durchschnittsgeschwindigkeit an, das Ganze aufgerechnet auf ein Konzert mit 60 Minuten Spielzeit. Das ergibt satte 12'000 Beats. Klar muss die nicht einer alle anschlagen - aber wie hält man sowas auf der Bühne überhaupt aus? Ist es nicht krass anstrengend? - Xy: "...das ist eine eindrückliche Zahl... Da sind wir wohl irgendwo in der Nähe des 'menschlichen' Limits. Es sollte ja auch noch spielbar sein. Körperlich ist es nicht so krass, weil ich ja nicht Drum spiele. Und die Frage, wer von uns am meisten Anschläge hat, ist eine gute. Gitarre und Bass knallen doch auch ganz schön rein... Anstrengender finde ich, eine Stunde als Headliner zu spielen. Und es kommt sehr aufs Publikum an. Die Anstrengung an einem Konzert ist vielmehr mental als physisch. Eine gute Atmosphäre gibt auch Energie zurück."
Promofotos von der Samael-Homepage
Ich nenne die Elemente von Samael 2009 mal Schnelligkeit und Geborgenheit. Die Harmonien hinter der Wand drücken für mich eine gewisse Wärme, im besten Sinn Heimat aus. Natürlich ist das mein privates Empfinden. Den Gegensatz spüren aber eigentlich alle, auch wenn sie ihn vielleicht anders benennen würden. Erstaunlich ist, dass sich die beiden Elemente nicht widersprechen. Samael hören mir interessiert zu. Schliesslich warten sie ja momentan auf ein Feedback auf ihr neuestes Werk. Vorph: "Es ist immer schwierig, von innen zu beurteilen, was man da erschaffen hat. Ich bin mit dem Cover sehr glücklich, das finde ich knackig. Auch sonst versuchen wir immer zu erreichen, stolz auf das Geschaffene zu sein. Schliesslich will man beispielsweise Merchandising-Artikel, die man selber auch tragen würde. Das ist das Visuelle. Mit der Musik verhält es sich ähnlich..." Über die letzen Jahre habe ich Samael auch aus persönlichen Interessen verfolgt. Dabei habe ich das Wort Projekt öfter gehört - ist das eine Arbeitsweise, die die Unterwallisser besonders schätzen? - Vorph: "Eigentlich nicht besonders. Der Unterschied für uns ist wohl, dass eine CD für uns perfekt sein muss. Ein Projekt hat etwas mehr Freiheiten. Es ist zwar nicht experimentell von der Musik her, weil wir damit aufwuchsen, aber irgendwie eben doch ein Experiment." Und lässt auch danach die Freiheit, wieder etwas anderes zu machen - was man will... Xy: "Immer! Wir brauchen das auch, um unsere Grenzen zu verschieben. Era One, das letzte Projekt war sehr dunkel und elektronisch. Das hier war mehr ein Bedürfnis von uns. Dazwischen gibt es die regulären Alben. Einschränkungen wie die althergebrachten Einteilungen in diese oder jene Art von Metal kennen wir nicht." Da stehen Samael "Drüber" - ganz besonders in diesen Tagen...

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5/24/2012 6:12:43 PM Administrator
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