Samurai: Hip Hop gegen Gewalt
Text: Eve
Bilder:
musicbild.li
Am Openair Frauenfeld habe ich die Ehre, ein paar Worte mit den Musikern Samora Bazarrabusa (Samurai) und P. Moos (Gleiszwei) zu wechseln. Als ich mich zur Vorbereitung auf das Interview mit der aktuellen CD ‚Sam Oibel 1’ auseinandergesetzt habe, fiel mir auf, dass Samurais Album ziemlich frustriert daherkommt. Zwar nicht ohne Lichtblicke, aber vorwiegend desillusioniert. „Es ist ein Spiegel vom letzten Jahr. Es gibt schon Sachen die mich nerven, aufregen, aber so frustriert bin ich eigentlich nicht. Ich habe auf der CD einfach Sachen zum Ausdruck gebracht die mich nerven, Sachen, welche die Leute in meinem Umfeld nerven oder betreffen. So habe ich irgendwodurch auch für meine Freunde geredet“, sagt Samurai. Für ihn sei Musik auch eine art Therapie. „Dort kann ich zum Ausdruck bringen, was in mir vorgeht, kann mich erklären und mit anderen meine Meinung teilen.“ Er spielt mit Wörtern, mischt Englisch und Deutsch und baut spielerische Sätze. Woher er das nimmt, weiss er schnell zu beantworten „Meine zweite Muttersprache ist Englisch und mit meiner Mutter rede ich ausschliesslich Englisch. Daher kommt eben auch der Mix. Wenn ich mit ihr rede und mir ein Wort auf englisch nicht gerade einfällt, kommt es halt auf deutsch und so auch umgekehrt. So ergibt es sich, dass ich englische Wörter in den normalen Sprachgebrauch einbaue.“
Da das Konzert schon am Mittag war und die Lichtshow noch nicht so wirken konnte wie sie es bei Nacht tut, interessiert mich, auf was es wirklich ankommt. Text? Musik? Gleiszwei-Altmeister P. Moos, der das Album produziert und sich auch musikalisch daran beteiligt hat, ist sich sicher, dass nur das Zusammenspiel von beidem eine gute Show ausmacht. „Das Verhältnis von Musik und Text ist etwa 50/50, also zur Hälfte der Beat und zur Hälfte der MC. Ein guter Beat macht noch keinen guten Song und umgekehrt auch. Beides zusammen macht es am Ende aus.“ Dennoch ist auch Licht und Stimmung auf der Bühne wichtig, ergänzt Samurai. „Man kann extrem viele Stimmungen rüberbringen mit dem ganzen Licht und den Farben. Aber es ist nicht so schlimm, wenn es nicht da ist. Dann müssen eben wir um so mehr aus uns herauskommen. Aber das machen wir ja gerne.“
Wo ich wohl nie ganz durchblick werde, ist bei den ganzen Featurings beim Hip Hop. Die beiden versuchen ihr Bestes, mir das zu erklären: „Man trifft eben oft Leute, andere Rapper oder Produzenten mit denen man auf der gleichen Wellenlänge ist und findet, mit denen möchte man einmal was machen. Dann probiert man halt, daraus etwas aufzubauen, ein Lied oder so. Ich kann zum Beispiel nicht singen, da probieren wir halt einen Sänger dazuzuholen“, sagt Samurai und lacht. P. Moos legt es folgendermassen dar: „Das gehört irgendwie dazu, dass man einander featured. Das ist etwas Kollegiales.“ Auch Kommerzielle Ideen stecken natürlich dahinter. Wenn man die Möglichkeiten hat, mit einem noch bekannteren Musiker zu singen, bringt das den eigenen Namen weiter - aber es sei nicht so, dass sie nur auf das aus seien, versichern die beiden. "Aber es kann schon mal vorkommen.“
Was Hip Hop genau ist, ist Ansichtssache. Für die einen ist es Musik, für andere Lärm und für dritte Kunst. Für Samora sieht das so aus: „Es ist eine Lebenseinstellung. Eine Subkultur die aus einem Notstand entstanden ist. Weil die Gewalt vorherrschend war und man einen Weg gesucht hat, sich anders zu messen - ohne das gerade Blut fliesst. So ist Breakdance aufgekommen, Rappen, DJ-ing; die Frage, wer besser scratchen kann, wer besser rappen, tanzen und so weiter.n So hat man angefangen, sich so zu messen. So haben sich auch die ganzen Crews gebildet - und so macht man auch Songs gemeinsam. Zum Solidarisieren. Es ist ein Lebensinhalt. Ich für mich lebe das jeden Tag durch und durch.“
Samurai ist zwar in der Schweiz geboren, doch mit schwarzer Haut. Wie sich das auf sein Leben und den Hip Hop auswirkt ist sehr unterschiedlich. „Im Hip Hop selber kommt Rassismus überhaupt nicht vor. Da ist alles offen und es spielt keine Rolle welche Hautfarbe man hat, wer man ist und woher man kommt. Ausserhalb der Musik erlebe ich dieses Rassen-Denken leider tagtäglich. Überall wo ich hingehe, etwa im Migros an der Kasse, wo sie mich von Anfang an in gebrochenem Deutsch ansprechen. Die Leute gehen einfach davon aus, dass ich sowieso die Sprache nicht verstehe und auch sonst nicht kapiere worum es geht - nur weil ich anders aussehe. Ich bekomme das sehr oft zu spüren.“ Der Rapper verarbeitet solche Erlebnisse, indem er darüber redet, Erlebtes mit Freunden teilt und eben Musik macht. „Ein Track wie ‚Affroswisskings’ geht genau in diese Richtung. Bei dem thematisiere ich, dass es eben Leute gibt die zwar pechschwarz sind, aber die nichts anderes als zum Beispiel ein krasses Berndeutsch können, kein Suaheli, kein gar nichts. Die werden dann oft in einen Topf geworfen mit den schwarzen Schafen aus anderen Ländern, die Unsinn machen und von denen es in jedem Land, jeder Kultur welche gibt“, ärgert sich der Musiker. „Das ist schon etwas hart, aber wenn man sich gegenseitig hilft, dann geht’s schon“, Meint er und festigt seine Aussage, indem er mir erklärt, dass seine Musik ja auch da sei, zum wachrütteln. „Das ist ein Anliegen von mir. Ich mache meine Songs und hoffe, dass möglichst viele Leute der gleichen Meinung sind wie ich. Ich will die Leute zum nachdenken anregen.“