Samurai – Sam Oibel I. (Nationmusic)
Text: Bäumli
Bild: Cover
Sechs Jahre sind vergangen, seit Samurai seine erste 12“ in die Regale der Schweizer Plattendealer gestellt hat. Vier Jahre sind passé, seit er zusammen mit Rokator den Longplayer „Roirschachtescht“ released hat. Und nun ist er also zurück. Im Gepäck hat er ein Album, wie es die Schweiz von einem einheimischen Act noch nicht zu hören bekommen hat. Das Zauberwort ist Crunk. Ein Rap-Subgenre, das dank grosser Erfolge von Protagonisten wie Lil Jon, T.I., Chamillionaire, Pitbull oder den Ying Yang Twins vom Süden der Vereinigten Staaten aus seinen Siegeszug in die Clubs rund um den Globus angetreten hat. Dröhnende Subbässe, Claps anstelle der Snaredrum und einfach gestrickte Syntisizer-Melodien sind die Charakteristika des Crunk-Sounds. Und die MCs wissen dank ihren überaus flinken Zungen, oder anders gesagt, dank ihren schnellen Doubletime-Raps zu überzeugen. Auf diesen Schnellzug versucht nun Samurai mit seinem Solodebüt Sam Oibel I. aufzuspringen. Nur will ihm das nicht wirklich gelingen. Denn Sam Oibel I. hat zwei grosse Mankos. Zum einen klingt ein Grossteil der Beats wie schon mal gehört. Und zum anderen bekundet Samurai Mühe, mit seinen Flows den Tracks die gewisse Würze zu verleihen. Auf Songs wie „Afroswiss Kings“ oder „Leaders“ fällt dieser Kritikpunkt weniger ins Gewicht, da die Tempi betreffender Beats eher dem Hip Hop-Normalfall (Snare auf der Zwei und der Vier) entsprechen, als Crunk-typisch langsamen Rhythmen (Clap auf der Drei und der Sieben), wie man sie auf Songs wie „So frisch“ oder „Down Ass Chick“ zu hören bekommt. Aber genau diese Doubletime-Raps sind zusammen mit den Syntis und den Subbässen das Gütesiegel dieses Genres. Aus diesem Grund sind Tracks wie eben genannte, „Hine im Club“ oder „Stahn uf“ zusammen mit dem missglückten Reaggeton-Ausflug „Dale fuego“ und den beiden Skits die Schwachpunkte von Samurais erstem Soloalbum. Aber wo es Schatten hat, kann auch Licht nicht weit sein. So ist der Lichtblick von „Sam Oibel I.“ der Track „Machäd Stuzz“, auf dem Sam mit seinem Flow, dem Wechsel von schnell und langsam, zu überzeugen weiss. Und auch der Beat gefällt dank überaus smoother Bassline und Echolot-Melodie im Refrain. Ebenfalls zu den guten Tracks gehören die Vorabsingle „Keinä wiä ich“, die das Potential hat, die Clubs der Eidgenossenschaft zum Beben zu bringen, der Track „Lauf mit mir“, der sich dank hypnotisch-orientalischer Syntisizer-Melodie im Gehörgang festzubeissen weiss, und der Song „Guete Ziite“ wo Samurai eben diese Revue passieren lässt („Ohhh jo, das sind die guete guete Ziitä, voräm Usgang no diheimä mit dä Mueter schtriitä, ohhh jo, i mir läbt dä Bueb no wiitär, s’isch wiä’s isch s’git nüt wo ich muäss bewiisä, ohhh jo, das sind di guete guete Ziitä, mitäm Sack Weed dunä as Seeufer ligä, ohhh jo, äs isch eifach vom feinschtä gsi, was söll ich sägä s’isch eifach vom feinschtä gsi“) und Crunk-Rhythmen auf Funk treffen. Alles in allem ist „Sam Oibel I.“ kein schlechtes, aber eben auch kein wirklich geglücktes Erstlingswerk von Samurai. Den Weg in die Clubs wird Sam mit diesem Album wohl finden. Ob es in die CD-Regale der Schweizer Jugend reicht und ob „Sam Oibel I.“ die Zuhörerschaft auch an Konzerte zu locken vermag, muss sich erst zeigen.