Sent - Nassilia (Profimusic)
25.1.2012; Text: Monthy, Bild: Cover
Die Charakterisierung als Konzeptalbum ist bei Musikern, wenn es um ihr eigenes Werk geht, üblicherweise nicht sehr beliebt. Es hat irgendwie so einen Touch. Als ob man stur auf dem beharrt hätte, was man ursprünglich im Kopf hatte. Musik machen ist aber auch heute noch ein Kompromiss, den man vielleicht mehr und öfter eingehen muss, wenn man eine Band hinter sich hat. Rapper Sent oder bürgerlich Stefan Fischer - behaupte ich jetzt aber mal - hat wohl nichts dagegen, dass ich es in vorliegendem Fall mache. Erstens hat der Mann nicht nur ein Theologiestudium gemacht sondern auch noch beim Rappen Prinzipien und zweitens - welches Album sollte ich sonst so nennen, wenn nicht "Nassilia"? Der Titel entspricht einem imaginären Ort, an dem Sent eine virtuelle Gesellschaft aufbaut, die er in seinen Songs mit starken Argumenten kritisiert. Ein Schelm wer das Utopia jetzt auf uns alle münzt... Die Punchlines von Sent sind für einen Pastoren richtig wütig und wer nun denkt, so einer müsse doch pseudo sein, dann empfehle ich warme Kleider . Ohne den Hiphop nun wieder als oberflächlich zu verschreien, ist es aber eben doch mutig, sich so nahe an der Moralisierungs-Grenze herum zu treiben. Besonders kontrovers dürften in dieser Hinsicht die Skits sein, die in Radioform gesprochen werden. Dort wird kräftig am Bild gemalt und dieses Bildnis hat mir persönlich zu viel von Bibel, auch wenn man das jetzt gar nicht etwa auf den Inhalt anwenden soll. Dieser ist jederzeit neutral. Die Songs, die im Gegensatz zu den Skits gar kein Blatt vor den Mund nehmen, ermutigen insbesondere, seinen eigenen Weg zu gehen und thematisieren Individuum und Gesellschaft, das Finden seiner Rolle. Die Ansichten in den Songs lassen oft nicken, manchmal schmunzeln und insgesamt ist es einfach schön, dass jemand so viel zu sagen hat. Irgendwie erscheint der Eindruck, dass der in Baden im Aargau lebende Sent keine Sekunde verschwenden will. Würde man mit ihm diskutieren, man wäre wahrscheinlich schnell beim Weltuntergang angelangt. Und unter Philosophen ist das auch kein Verbrechen... Vielleicht ist "Nassilia" deshalb auch kein gesellschaftskritisch morarilisierendes sondern ein ironisch philosophisches Album, das uns aber trotzdem einen leichten Schubs in die richtige Richtung geben will.