VA - Heavy Metal Nation 7 - Shares for Bears (Quam Libet Records)
6.4.2011; Text: Monthy, Bild: Cover
Mit dem nunmehr siebten Sampler zur Lage der Nation darf das herausgebende Label Quam Libet Records mit gutem Gewissen behaupten, nicht nur den komplettesten sondern auch den beständigsten Überblick über Schweizer Metal zu bieten. Und der ist nicht nur hinsichtlich Qualität bemerkenswert sondern noch viel mehr betreffend Abwechslung. Nun hat sich in den letzten Jahren der Metal-Sound stark verändert - die Einteilung von früher ist aber geblieben und orientiert sich nach wie vor hauptsächlich am gefahrenen Tempo. Heutige Metalbands lassen sich aber häufig nicht eindeutig einer dieser althergebrachten Kategorien zuteilen. Auf die Idee, dies mal anders zu machen, haben mich nun auch die HMN-Macher gebracht, die ihre Anspieltipps in zwei Kategorien aufgesplittet haben - sowohl für "normale" Heavys als auch für Freunde des Extremen. Das kann ich toppen - und zwar um die beiden weiteren Unterarten Mystic Metal, wo alle Gothic- und Opera-Styles Platz finden, und Modern Metal für das neumodige Zeugs. Vielleicht noch ein Hinweis in eigener Sache - man möge berücksichtigen, dass ich hier einzelne Songs einteile und nicht die Bands als solches.
Classic / Heavy Metal
Classic deshalb weil diese Bands tönen wie eh und je. Zumeist liegt dies nicht am Können, sondern am Wollen. Man mag sie Nostalgiker nennen - ihrer Meinung nach braucht Metal aber nicht besser und anders gemacht zu werden als in der guten alten Zeit, sprich von 1980 - 1990. Auf HMN 7 profilieren sich beispielsweise Broken Fate oder Radwaste in dieser Art. Am überzeugndsten bringen es für mich aber Legend 69 mit dem punkigen "Deadline Day" auf den Punkt.
Mystic Metal
...hiess ganz früher einmal Doom Metal. Dann aber begannen Gothic-Bands aus dem Hardrock in den Metal einzudringen. Dazu haben sich neue Kombination ergeben. Pagan Metal (Death Metal mit Folk) ist typischerweise Mystic sowie alles was in Richtung Oper geht. Es ist ganz sicher das lebendigste Gefäss mit dem grössten Innovationspotential aber auch mit der grössten Streuung. HMN 7 offenbart ganz verschiedene Varianten. Von den eher hardrockigen November-7 über die operettenhaften Legenda Aurea oder die verspielten Trophallaxy bis hin zum Trail-of-Wisdom-Heuler "Euphoria & Melancholy", der ganz genau das bietet, was er verspricht. Die ganz leicht angerauhte männliche Leadstimme und ein elfenhaftes weibliches Pendant im Duett im geschmachteten Chorus, dazu ein Keyboard, das einen auf "The Show must go on" macht - da ist Hühnerhaut nicht mehr weit...
Modern Metal
Im Gegensatz zum Hardrock-Genre Nu-Metal fasse ich hier die Bands zusammen, die es früher einfach nicht gegeben hat. Vertrackte Beats und Computereffekte sind erst in jüngster Vergangenheit überhaupt denkbar im Metal. Auch Industrial-Bands gehören hierhin. Auf HMN 7 drücken etwa die Crossover-lastigen Zero Spin, Pertness, Chapter II oder Morphist in diese Richtung. Hervorheben möchte ich aber einen ganz speziellen Song. "Sex is a Drug" von Kissin' Black wird mit einer Western-Gitarre (!) akustisch dargebracht, erinnert fast mehr an The Boss Hoss oder Slam & Howie und rechtfertigt die Aufnahme auf dem Sampler eigentlich nur mit ein paar wenigen Halskröten. Falls sie das in weiteren Songs kultivieren und entwickeln möchten, wäre dann wohl der Begriff "Bastard-Metal" eines Tages angebracht.
Extreme Metal
...umreisst mehr oder weniger die früheren Unterarten Speed und Trash-Metal. Wobei man heute auch ohne Lichtgeschwindigkeit eine taffe Band sein kann. Das beweisen auf HMN 7 unter anderen Emerald, In Love your Mother, Confector oder Contorsion. Nicht nur wegen ihren bisher unveröffentlichten Tracks stechen aber Arcturon mit "The Dissenter" und Minsk Security mit "The Prostration" heraus. Erstere durchwegs bööööse , Letztere mit Kneipp-Bäder-Taktik - sprich zur einen Hälfte sehr eingängigen und zur anderen Hälfte sehr kratzigen Vocals.
Ausser Konkurrenz ist der Song "New Life", der von der eigens für die Tour zum Sampler zusammengestellten Band "Shares for Bears" vorgetragen wird. Dahinter verstecken sich die drei weiblichen Stimmen Natalie Chandra von Chapter II, November 7's Annamaria Cozza und Simone Christinat von Legenda Aurea. Mit dem Song weisen sie auf das laufende Charity-Projekt "Shares for Bears" hin. Alle Bands und das Label haben sich auf die Fahnen geschrieben, Tanzbären in Osteuropa ein besseres Dasein zu ermöglichen. Deshalb spenden sie zugunsten der Organisation "Vier Pfoten", die zum Teil auch auf der anstehenden HMN7-Tournee mit einem Infostand präsent sein wird.