Steph fliegt hoch
Text: Ko:L
Bilder: stephmusic.ch
„Sehr hoch“, sei sie geflogen, als sie das fertige Album in Händen hielt, gesteht Steph. Dabei macht sie gar nicht den Eindruck, als sei sie leicht zum Abheben zu bringen. Steph ist so bodenständig, wie ihr Sound und man glaubt ihr, wenn sie sagt: „Ich mache meinen Sound, weil es eben mein Sound ist.“ Eine Mischung aus Country, Folk und Singer Songwriter, mit welcher die Bernerin sich nirgends zu fest auf die Äste hinaus lässt. Americana eben. Dafür konzentriert sie sich aufs Wesentliche: Eingängige Melodien und Musik, die Bilder vermittelt. Bilder von Weite, trockener Wüste und unendlicher Strasse. Und vielleicht weit weg, versteckt hinter einem Hügel ein Wasserloch, um welches es spriesst und grünt. Wie kommt eine Frau, die ein Leben lang im idyllischen, überschaubaren und grünen Bernbiet gelebt hat, dazu, Musik zu machen, die Einöde, Staub und Weite suggeriert? „Vielleicht geht es da ja um eine Gefühl und nicht um tatsächlich Erlebtes“, sagt Steph mit einem vielsagenden Lächeln. Was wohl soviel heissen dürfte, wie: In ihr brennt dieses Feuer, das vom Gefühl der Einsamkeit und der Lust auf Weite entzündet wird – und den Sauerstoff der frischen Schweizer Luft zum brennen braucht. Soviel zu den Klischees...
Scheuklappen mag die Bernerin nicht. Während der Zeit an der Jazzschule hat sie nicht nur ihre Stimme gebildet; sie hat die Gitarre fest im Griff – auch wenns mal slidet. Und wenns sein muss, kann sie auch noch auf Sax oder Klavier zurück greifen. Dass sie ihre Stimme an einer Top-Schule hat ausbilden lassen, und jetzt „nur“ schlichte Folk-Tunes singt, steht für Steph denn auch nicht im Widerspruch: „Ich kann sehr viel, was ich damals gelernt habe, nutzen.“ Werkzeuge seien es, die sie an der Jazzschule mit auf den Weg bekommen habe. „Wenn ich einen Nagel einschlagen will und keinen Hammer habe, nehme ich ein Scheit oder einen Stein. Wenn ich aber den Hammer habe, geht es wesentlich einfacher.“ Punkt.
„Flying High“ ist zwar das Debut-Album der Bernerin. Steph deswegen als Newcomerin zu bezeichnen, wäre aber fatal. „Sie ist alles andere als eine Newcomerin, die so nebenbei und eher hobbymässig ein bisschen Musik macht. Sie ist mit ganzem Herzen bei der Sache“, heisst es im Promo-Text. Und dieses Gefühl, dieses Strahlen beim Sprechen über die eigenen Songs, das Leuchten in den Augen, wenn sich das Gespräch um Kompositionen, die ganz in Eigenregie entstanden sind, dreht, das ist, was Steph ausmacht: Ehrliche und echte Musik. Und gelernt hat sie von den Besten: Röbi Aeberhard, Matthias Stamm und Andreas Michel runden ihre Band ab, mit ihr im kreativen Zentrum steht Mario Capitanio, Hank Shizzoe ist Gast und Oli Hartung hat „Flying high“ produziert. „Ich würde sofort wieder mit den gleichen Leuten zusammenarbeiten, wenn ich noch einmal von vorne anfangen müsste“, sagt Steph überzeugt. „Viel lernen“, habe sie von den gestandenen Mannen können. „Aber die Jungs haben mir meine Freiheit gelassen und mich machen lassen“, betont sie. „Am Ende lag der Entscheid bei mir, ob bei einem Lick oder einer Bridge mein Ansatz umgesetzt wird, oder ob wir einen anderen Vorschlag weiter verfolgen.“
„Extrem kreativ“ und „faszinierend“ sind Worte, die Steph benutzt, um die Zeit der Aufnahmen zu „Flying High“ zu beschreiben. Und „bereichernd“. Ja, sie geht sogar soweit, dass sie sagt: „Ich habe noch nie eine so intensive und wundervolle Zeit erlebt. Ich bin fast ein wenig süchtig geworden und möchte am liebsten gleich noch einmal einen solchen Schaffensprozess durchmachen!“ Und dabei wird das Strahlen in ihren Augen zu einem Funkeln... Doch zuerst gehts jetzt auf die Bühnen. Gefragt, worauf sie sich jetzt wo das Album fertig und in den Läden sei, am meisten freut, blitzt das Funkeln wieder auf: „Aufs spielen!“ Grosse Bühnen mit Band, aber auch intime Gigs im Duett sollen es sein. Und im nächsten Sommer ein paar Festivalbühnen. „Das wäre mein grosser Wunsch. Am liebsten natürlich auf einer Gurten-Bühne.“