Swiss Music Award: Die üblichen Verdächtigen
Text: Monthy
Bilder: Photopress
Wenn das so weitergeht, können sich die Swiss Music Awards bald umtaufen lassen - in Stress Music Awards. Der unwiderstehliche Romand erhält im dritten Jahr die vierte und die fünfte Auszeichnung und stellt die Frage nach einem Star-Vakuum in der Schweizer Szene. Überhaupt stösst die urbane Färbung des Events langsam an Grenzen. Nicht nur, dass Urban neben Pop/Rock und Dance das einzige Genre ist, das eigene Awards vergibt. Der momentane Trend spült auch massenweise urbane Acts in die Pop/Rock-Gefässe. Die Auswahl des besten National Songs bestand deshalb beispielsweise aus drei urbanen Acts - mit dem bekannten Gewinnersong von Stress "Tous les mêmes". Sein grosser Antipode 2009 übrigens, der Aargauer Soul-Sänger Seven, ging total leer aus.
International gehörten erwartungsgemäss Lady Gaga und die Black Eyed Peas zu den Prämierten. Eher überraschend dagegen, dass Pink beim besten Album die englische Übermacht von Robbie Williams und Muse durchbrechen konnte und mit "Funhouse" abräumte. Hitparadenstürmerin Gaga übersprang anlässlich ihrer Auszeichnung quasi den Newcomer-Award und schnappte sich mit "Poker Face" den besten Song. Der Newcomer ging dafür an Milow.
Die Ehre des Schweizer Newcomers fiel Pegasus eigentlich für ihren langen Atem zu. Wo das Wort Durchbruch nämlich suggeriert, der ginge schnell, sind die Bieler seit gut zwei Jahren dran. Wirklich schade fand ich, dass die Mitstreiter aus zwei Hiphop-Acts bestand, die wahre Konkurrenz Heidi Happy aber im Spezial-Gefäss Jury Preis nominiert wurde. Die musikalisch vergleichbaren Pop-Acts hätten einen spannenden Showdown geliefert. Überhaupt stellt der Jury Preis mehr Fragen, als dass er Antworten gibt. Hätte man nicht besser einen Mundart-Award eingeführt, damit auch diese einheimische Sparte eine Prämierung erhalten könnte? - Einzig Rap schaffte es 2009 mit dem Dialekt an die SMA. Im Jury Preis trafen mit Heidi Happy, Filewile und Big Zis drei Acts aufeinander, die so gar keine Gemeinsamkeiten aufweisen, dass nicht ganz klar ist, warum nun Big Zis den Preis erhielt.
Der Outstanding Achievement Award für Yello dagegen war überfällig. Beim diversifizierten Wahlverfahren bleibt aber unklar, wie sie die Lovebugs ("The Heighest Heights") im besten nationalen Album ausstechen konnten. Haben die Schweizer Take That aus Basel etwa ein Imageproblem? Gewonnen hat ein "Touch Yello" - und es ist eigentlich erfreulich, dass hier nicht einfach ein Ausschnitt aus der Jahreshitparade 2009 präsentiert wurde. Was war noch? Ach ja, DJ Antoine ist der beste Tanzmusiker. Und wieder stellt sich die Frage, warum der Indie-Act Filewile nicht gegen ihn antreten durfte und mit einer Nominierung für den Jury Preis "belohnt" wurde - als eigentlich einziger querer Acts an den etwas sehr straighten SMA. Eine Zusammenfassung ist heute Abend auf Pro7 zu sehen. Im nächsten Jahr drängt sich bei den "Stess Music Awards" dann hoffentlich ein neues Motto auf - Relax...