7 Dollar Taxi auf dem Weg nach oben
Text: Ko:L
Bilder:
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Also los, bemühen wir mal wieder ein uraltes Klischee: Wenn Pegasus aus Biel die „braven“ Beatles sind, sind 7 Dollar Taxi aus Luzern die „bösen“ Rolling Stones. Röhrlihosen, enge Hemden, wilde Performance – wer 7 Dollar Taxi am Rock oz Arènes in Avenches gesehen hat, konnte sich gedanklich gut Ende der 60er irgendwo in einem birtischen Spunten wiederfinden. 1, 2, 3 los lautet ihre Devise, keine grossen Worte, dafür einfach drauflos rocken. Tizian (git, voc), Christoph (git), César (bass) und Simon (dr) haben den Rock ganz offensichtlich im Blut – und zwar in der Ausprägung „very british“. Mit „etwa drei Minuten“ pro Song rechnen die Luzerner, wenn sie ein Liveset zusammenstellen. Zwischen 15 und 20 waren es denn auch, die sie in Avenches präsentierten. Für Blabla bleibt da nicht mehr viel Zeit. „Das machen wir schon länger so. Am Anfang versuchten wir exzessiv, zwischen den Songs zu unterhalten, manchmal sprachen wir zwei, drei Minuten lang. Also, wir können tatsächlich sprechen. Aber mit der Zeit lässt man lieber die Songs sprechen.“
CD in Japan veröffentlicht, Single und CD in England – wer träumt nicht davon. Da liegt die Frage nach dem Erfolgsrezept nahe. „Ich weiss auch nicht“, sagt Frontmann, „wir hatten einfach Glück und trafen zur richtigen Zeit die richtigen Leute.“ Der England-Rlease etwa sei völlig durch Zufall zustande gekommen. „Da war einer von einem Plattenlabel im Publikum, der den Headliner des Abends sehen wollte. Am Ende nahm er dann aber uns und nicht die Hauptband.“ So einfach könnte es also sein... „Eigentlich recht cool“, fährt Tizian fort, „da hatten wir wirklich Glück.“ Und so kommt voraussichtlich in einem Jahr das zweite Album nach „Come and figure it out“ ebenfalls in England raus; die Single ist nach der aktuellen Planung bereits für den Frühling 2009 vorgesehen.
Nun ist es aber mit fertigen Alben immer so eine Sache: Die Songs sind ready, die Scheibe in der Pipeline, aber bis wirklich alles abgeschlossen ist und der Tag des Releases da ist und das Material endlich rausgehen kann, sitzen die Musiker wie auf Kohlen. Nicht so 7$T: „Wir spielen die neuen Songs bereits“, erklärt Tizian, „weil wir mit den alten gar nicht ein stündiges Set füllen könnten.“ Soviel zum Thema abwarten und Däumchen drehen. „Und wir sind natürlich schon wieder dran, neue Songs zu schreiben, ein paar haben wir schon wieder ready.“ Es sei gut möglich, dass der eine oder andere jetzt noch als B-Seite für das neue Album aufgenommen werde.
Was sich hier liest, wie ein jahrelanger Kampf um etwas Ruhm und Anerkennung, ist am Ende schlicht das Produkt einer „nur“ fünfjährigen Bandgeschichte. Dabei hat die Geschichte der vier Luzerner als reines Hobby und ohne grosse Ambitionen angefangen, als Christoph und Tizian eine Band für ein gemeinsames Theater zusammenstellten. „Dann fanden wir, wir könnten noch ein wenig weiter machen.“ Schon wieder: So einfach könnte es gehen. „Dass international etwas machbar wäre, merkten wir erst, als wir vor zwei Jahren unsere Myspace-Seite aufbauten.“ Es folgten umgehend nicht nur positive Feedbacks, sondern auch Radio Airplay an College-Radios in den USA und in Australien. „Da merkten wir 'Hoppla, da läuft ja was'.“ Und zwar ohne Support, sprich Management oder Label. Im Juni 07 folgte der erste Gig in England – ausgelöst durch einen Bericht in der wöchentlichen Musik-Bibel New Musical Express. So wurden 7$T zu einer weiteren Schweizer Band, die es schaffte, im Ausland für gewisses Aufsehen zu sorgen, ohne in der Schweiz wirklich wahrgenommen zu werden.
„Der Markt in der Schweiz ist halt ganz anders und vor allem winzig“, sagt Tizian, „wenigstens im Vergleich mit England.“ So richtig traurig über möglicherweise fehlende Anerkennung in der Schweiz ist Tizian denn auch nicht: „Eigentlich ist das ganz ok. So waren wir sehr früh gezwungen, uns aufs Ausland zu konzentrieren.“ Und finanziert wird die Sache mit den Gagen für die Gigs in der Schweiz. „Wir bezahlen die nicht aus, sondern werfen sie in einen Pot, aus welchem wir dann wieder Ausland-Trips finanzieren – quasi als Ferien“, erklärt Tizian mit einem Lachen im Gesicht. Fragt sich, ob so ein Trip den wirklich Ferien sei: „Ja!“, antwortet Tizian wie aus der Kanone geschossen. Da gibts dann also zwei Shows in fünf Tagen in Barcelona, oder deren neun in elf Tagen England. „Meistens kommst du am Mittag in die Stadt, checkst im Hotel ein und hast den Nachmittag, um die Stadt anzuschauen, bevor am Abend Soundcheck und Show anstehen.“ Und nach der Show kommt in der Regel noch die grosse Party – wie richtig: „Unser Mann beim Label ist ziemlich durch in der Szene und hat gute Kontakte, sodass wir das ganze Programm hatten: VIP-Logen in den Posh-Clubs, gratis Wodka die ganze Nacht, Models kennen gelernt... wie es sein müsste.“ Sagts und lacht herzhaft.