Tatanas Herz schlägt schneller
16.11.2011/Text: Ko:L, Bilder: Promo
Tief einatmen. Ausatmen. Einatmen. Den Herzschlag fühlen – und fühlen, wie er schneller wird. Tatana, ist das Intro zu deinem neuen Album „Heart“ ein sprichwörtliches Lebenszeichen. „Ja“, sagt sie und strahlt beim Mittagessen in Bern. „Aufwachen, das Leben spüren und aufbrechen. Das ist, was das Intro darstellen soll.“ Drei Jahre hat die erfolgreichste Schweizer DJane und Produzentin musikalisch nichts von sich hören lassen, man las von Depressionen und Burnout. Jetzt serviert sie ein Album mit 15 Tracks, alles Album-Versionen, ungemixt und vielseitig. „Ich hoffe, die Leute haben mich nicht vergessen“, sagt Tatana, „schliesslich sind drei Jahre im DJ-Business eine halbe Ewigkeit.“ In der Tat zeigt auch der Blick in ihre Discographie, dass auch mit eigenen Alben, Compilations und Auftrags-Compilations bis zu sechs Release im selben Jahr an den Start schickte.
Die Chancen, dass Tatana – das Präfix „DJ“ ist irgendwann auf der Strecke geblieben – beim Publikum in Vergessenheit geraten ist, sind freilich klein. Zu omnipräsent ist sie in den Medien – und vor allem ist ihre Über-Hymne „Words“ immer noch zu präsent auf Floors und in den Ohren der Fans. Wo andere sagen, Trance sei tot, sagt Tatana. „Hey, ich liebe Trance. Trance ist mein Leben, meine Musik. Ich brauche dieses Hymnen-artige.“ Und so sind sie auch auf „Heart“ zu finden, diese monumental anmutenden Tracks wie „Parade“ oder „Tatanized“ mit epischen Sound-Gebilden, die in gewaltiger Grösse über den Hörer hineinbrechen – und ihn wie eine Welle gefangen nehmen und nie mehr loszulassen drohen. Doch auch Tatana hat die Zeichen der Zeit erkannt und sagt: „Man kann nicht immer nur das selbe machen.“ Sie nimmt das Wort „Langeweile“ nicht in den Mund, aber es wird klar, dass sie eben diese vor allem beim Publikum verhindern will. Und sie sagt: „Sogar DJ Tiësto hat mittlerweile gemerkt, dass man nicht mehr einfach ein Set lang mit 140bpm durchbrettern kann.“
So nimmt Tatana auch mal Tempo raus und platziert eine Ballade. „Ich habe immer mal wieder langsamere Tracks auf meinen Alben gehabt“, betont sie. Und trotzdem mutet „Fears“ an, als wäre der Track ins falsche Kleid gesteckt geworden. „Wir hatten auch Gitarren-Elemente eingebaut – in verschiedenen Tracks“, sagt Tatana. „Aber wir haben sie praktisch überall wieder über Bord geworfen. Sie wären zu viel des Guten gewesen.“ Ja, man könne solche Entscheide unter dem Blickwinkel der künstlerischen Freiheit ablegen. Tatana wagt sich auf „Heart“ auch in Gefilde wie Electro mit „By myself“ oder macht mit „Time & Time again“ eine Zeitreise in die 80er. „Wir haben uns bei der Produktion des Albums bewusst nicht eingrenzen wollen“, sagt Tatana. „Wenn etwas nach 80ies getönt hat und passte, dann haben wir’s einfach gemacht... Wenn das Gefühl stimmt, dann ist alles andere zweitrangig.“ So wird der Closer „The Power“ am Ende zur sprichwörtlichen Essenz der 14 vorangehenden Tracks – und lässt womöglich einen kleinen Blick in Tatanas musikalische Zukunft zu: Episch, emotional und vielschichtig.
Hatten die Vocals bei Tatana schon immer einen hohen Stellenwert, so scheint es, sie rückten auf „Heart“ noch einmal mehr ins Zentrum. In der Tat sagt die DJane: „Ich hatte zum ersten mal praktisch alle Instrumentals im Kasten und diese dann verschiedenen Vocalists zur Auswahl gegeben.“ Das habe zwar da und dort fast zu Komplikationen geführt – „Prompt entschieden sich zwei für den selben Track, den sie einsingen wollten“ – aber am Ende habe sich dieses Vorgehen bewährt, ist Tatana überzeugt. „Viele haben ihre eigenen Texte geschrieben und so genau das in Worten und Emotionen ausdrücken können, was sie beim Anhören des Tracks gefühlt haben. Ich glaube, ‚Heart’ ist so zum emotional stärksten meiner Alben geworden.“