Les Trois Suisses - massentauglich auf der Waldbühne
Text: Monthy
Bilder:
PartyGuide.ch
Sie waren nicht die einzigen drei Schweizer auf dem Gurten in diesem Jahr. Genauer auf der wieder heimgekehrten Waldbühne, wo sich am Jubiläumsgurten die nationalen Acts die Klinke in die Hand gaben. Wie die komischste Popband beziehungsweise der musikalischste Comedy-Act des Landes dies erreicht hat, erklärt Pascal Dussex lapidar mit: "Es wurde nach 16 Jahren Bandgeschichte wohl einfach Zeit, auf dem Hausberg zu spielen..." Die Ansiedlung der Trois Suisse an den Schnittstellen von Musik und Comedy ist natürlich von den drei Kleinkünstlern selbst gewählt. Thomas Burgmeister verweist anstelle einer Prognose auf das Konzertende um halb Elf: "...dann wissen wir, ob das hier oben gepasst hat." Pascal gesteht gerne zu: "Es ist schon ein Experiment. Aber es gibt ja immer mehr Festivals, die auch solches abdecken und eine kleine Bühne haben, wo auch das passieren kann. Für uns ist es ein gewisses Wagnis. Viele der Theater-Sachen in unserem Programm können wir hier nicht machen. Deshalb haben wir auch ein spezielles Gurten-Programm geschrieben." Und ein Farbtupfer sind die drei sowieso. Resli Burri findet aber noch einen Grund, weshalb es gut ausgehen wird: "Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Es ist am Schluss und somit ziemlich freiwillig. Wer es gerne sehen will, geht hin. Die anderen nehmen die Bahn oder laufen gemütlich runter. Es ist nicht so, dass das Publikum auf einen Hiphop-Act warten würde. Das ist, denke ich, ein guter Moment."
Favez' Chris Wicky sagte vor kurzem einmal: "Was sagst du zu 10'000 Leuten? Das ist viel schwieriger als bei einem kleinen Club-Publikum." Zwar fasst das natürliche Amphitheater der Waldbühne lange nicht so viele. Ein Unterschied zum normalen Publikum dürfte aber bei Les Trois Suisses spürbar geworden sein. Pascal gibt die sonstigen Verhältnisse an: "Wir spielen sonst oft in Kleintheatern vor etwa 80 bis 350 Leuten." Resli erzählt, wie sich die drei auf den Auftritt vorbereitet haben: "Wir sind tatsächlich bei unseren Vorstellungen von einer riesigen Bühne und einem riesigen Publikum ausgegangen. Das haben wir dann auch mit unserem Regisseur besprochen, um das Ganze publikumswirksamer zu machen, die Theater-Teile zu straffen und mehr in Richtung Ansagen zu arbeiten. Da haben wir uns wirklich was überlegt bei und hoffen, dass es nun auch funktioniert." Les Trois Suisses wurden also gewissermassen massentauglich gemacht für den Gurten. Ein neues Gefühl? - Thomas lacht und insistiert: "Wir SIND massentauglich... Es kommen so viele verschiedene Leute an unsere Konzerte, alt und jung, Intellektuelle oder Büezer. Wir wissen noch nicht, wie das an einem Openair funktioniert, wo ja hauptsächlich Party sein soll. Aber wir versuchen mit unserem Comedy-Musik-Mix genau in diese Richtung zu gehen und Party zu machen."
Resli hatte mir mal anvertraut, er sei gar nicht so ein guter Musiker. Die musikalische Substanz schreibt er auch jetzt, als er von mir darauf angesprochen wird, hauptsächlich seinen Mitmusikern zu. - "Zum Glück sind die anderen beiden so gut, dass sie mich aus der Sauce ziehen... Und wir machen in einer Art schon eher rudimentäre Musik, keine hochvirtuosen Sachen. Wir operieren im Pop-Genre, mit den Gabel-Griffen und den einfachen Beats... Wieviele Griffe hast du, Pascal? Etwa fünf...?" Der angesprochene wehrt sich lachend. Resli lass ich das Understatement ja noch durchgehen, aber Pascal... Dussex' Name habe ich erstmals auf dem Matterrock-Sampler gelesen - ,it Assita Hamidi und dem "Dällebach Kari". Er gibt denn auch zu: "Wir sind schon alle gute Musiker, sagen wir zumindest mediokre... wir können gut grooven. Manchmal hab ich trotzdem etwas Angst um uns. Wir haben einfach nur so Popel-Instrumente - akustische Gitarren, ein halbes Drum, ein Harmonium... solchen Plunder. Als ich gestern hier oben war, sah ich die anderen Bands mit ihren massiven Amps. Sowas wird bei uns kaum möglich sein. Technisch gesehen eine Umstellung für die Leute..." Auf der anderen Seite gibt es ja auch einen Akustik-Trend, bemerke ich und Resli erklärt mir schlagfertig: "Den haben eigentlich wir erfunden, den Akustik-Trend. Es hat jetzt diverse Leute, die uns das nachmachen. Auch die ganzen Unplugged-Geschichten... Wir versuchen eher schon wieder, etwas aufzubürsten, vielleicht mal ein Effekt-Gerät dazu zu nehmen."
Die wirkliche Kunst an der Sache, spekuliere ich, steckt wohl in den komischen Teilen des Programms. Denn wie will man genau abschätzen, was beim Publikum ankommen könnte? Thomas: "Es ist schon so, dass wir so einfache Musik machen, damit wir den Kopf für die Komik frei haben. Die Musik ist das Transportmittel, das im Autopilot läuft. So hast du den Kopf frei für die komischen Momente. Da liegt viel mehr Fokus drauf als zum Beispiel beim musikalischen Improvisieren." Das Timing muss denn nicht nur bei den Tönen spielen, sondern genauso bei den Pointen. Resli: "Die Geschichten, die wir dazwischen erzählen, sind eigentlich auch fast Songs. Sie haben ihre Rhythmik und ihr Tempo. Das erfordert ein sehr präzises Timing. Das besprechen wir auch nach den Auftritten, damit es so bleibt, wie wir es wollen. Das ganze ist also sehr installiert - wie ein Popsong." Dazu kommt dann noch die Spontaneität, die Pascal für den Auftritt auf der Gurten-Waldbühne für ganz besonders wichtig hält. - "Normalerweise haben wir ein fix ablaufendes Programm. Da ist sehr wenig Spontanes drin. Vielleicht mal eine Anspielung auf den Ort oder die Halle, in der du auftrittst. Hier oben werden wir aber sehen müssen, wie das Publikum reagiert. Da wird dann die Spontaneität gefordert. Unsere Komik ist vielleicht etwas fein. Mit Gestik oder Mimik - das kann bei den Distanzen schwierig sein. Da sieht man kaum, ob der auf der Bühne jetzt lacht oder weint..."
Zusammenfassend kann man das Programm von Les Trois Suisses also wie eine Radiosendung sehen - sie sollte tönen, als ob alles dem Moment entspringt, ist aber eigentlich auf die Sekunde geplant. Resli: "Genau - die Leute stellen sich oft vor, wir würden uns das aus dem Ärmel schütteln und sind dann erstaunt, wenn sie wieder kommen und es immer noch so ist. Dann schauen sie aber oft an anderen Orten hin und erleben es doch wieder ganz neu. Manchmal kommen Fans zu uns und sagen: 'Ihr habt so viel verändert...' und wir sagen: 'Nein, eigentlich gar nichts...' Es ist oft sehr davon abhängig, wo man uns gesehen hat oder was man genau mitgenommen und wo man hingehört hat." Pascal hält das irgendwie auch für die hohe Schule: "Es ist doch besonders schön, wenn die Leute das Gefühl haben, die Band hätte dies und jenes nur an diesem Abend und exklusiv für sie gemacht. So ist das Konzert eben etwas ganz Besonderes. Das ging mir gestern Abend beim Züri West Konzert irgendwie auch durch den Kopf."