Tasteless – Empty Buildings Standing Still (Saiko Records/Irascible)
Text: DasSchaf
Bild: Cover
Als ich die neue, dritte Studioplatte der Fribourger Band Tasteless in den Laptop schiebe, stürzt die Kiste gleich mal ab. Das ist ja ein gutes Omen, denk ich mir, und durchstöbere während des Neustarts gleich mal das Booklet der im Artwork ganz schlicht dunkel, schnörkellos, schwarz gehalteten CD. Einmal aufklappen, und das dominierende triste Schwarz macht saftigem Grün Platz. Ich überfliege so gut es rein optisch geht die in die Mitte des Blattes gepferchten Lyrics – poetische Sache, kein banales Geplänkel, spielerische Wortwahl. Macht Appetit auf mehr, vor allem für die unter uns, die gerne auch genauer hinhören, was der Sänger da so erzählt. Und Sänger Mario Weiss hat doch einige spannende Geschichten in petto. Gut, aber was wir jetzt hören wollen, ist die Musik. Tasteless konnten mit ihren zwei Vorgängeralben bereits über die Landesgrenzen hinaus Erfolge feiern – Frankreich, Deutschland und Österreich mögen die Musik der Fribourger Combo sehr. Wie so üblich hält sich das Schweizer Publikum bei einheimischen Künstlern eher zurück. Einmal mehr zu Unrecht. Denn diese Band liefert wirklich hörenswerte Musik. Ein fulminanter Auftakt mit dem Song „Revelations“, ein mitreissender zweiter Song „Enemy“ (sehr empfehlenswerter Track!), und schon bin ich gefangen im still stehenden, leeren Tasteless-Gebäude. Irgendwie fällt mir beim Hören Muse ein; diese Mischung aus Rock, Alternative, Progressive und ab und an etwas Psychedelisches. Verzerrte Stimme, satte Gitarren, melancholische Stimmung. Seit der letzten Platte hat sich die Besetzung der Band geändert, was doch merklichen Einfluss auf die Musik hat: das omnipräsente Cello fällt weg, der Sound somit weniger vom Streichinstrument überladen, geradliniger und mit mehr Platz für die Gitarren und Mario Weiss‘ Stimme. Tut der Band gut, gibt der Musik Entfaltungsmöglichkeiten. Melodiöser Sound, geprägt von Sythesizer und E-Gitarre, temporeich, bretternd und dann wieder mit Zurückhaltung, einen Hauch Elektro, präzise produziert, eine anklagende, fordernde, mal gequälte und wieder triumphierende Stimme; er nistet sich in die Gehörgänge ein. Wer Muse & Co. mag, findet bestimmt auch Gefallen an der Musik der Fribourger Jungs. Und nein, nur weil das Schweizer Jungs sind, ist die Platte lange nicht weniger gut als die der Konkurrenz ausser Landes. Das wollte ich schon immer mal sagen und hier passts so schön. Wunderbar: der Abschluss des Albums mit der Ballade „This Time“.