Tasteless - über Geschmack lässt sich streiten
Text/Bilder: Eve
Der Sound von Tasteless ist verworren und pendelt zwischen Rebellion und Resignation. Melodisch, satt und kraftvoll, wenn auch ein wenig trostlos und niederschmetternd. Unterstrichen wurde ihr Auftritt mit einer guten Lichtshow, viel Rauch und dem kalten, nebligen Wetter dieses Abends. Sami und Sacha hauten kräftig in die Saiten ihrer Instrumente, Stephane ebenso auf die Kübel und Camille gab mit ihrem Cello dem Ganzen eine düstere, ernste Note voller Melancholie und Hoffnungslosigkeit. Dazu sang Mario Weiss mal schreiend, verzweifelt, dann wieder gedämpft und doch voller Kraft. Eine Mischung aus Rock, Metal, Grunge und etwas Gothic, mit interessanten elektrischen Einlagen und dem Flair zum Experimentieren. Also ganz nach meinem Geschmack.
Der Freitagabend des Stonehill Festivals gehörte den Bands von Saiko Records. Unter anderem spielten die melodischen Post-Rocker To The Vanishing Point, die düster, melancholischen Beautiful Leopard, Rumpelstitchkin aus Belgien, Underschool Element mit ihrem Funk-Punk und natürlich Tasteless. Mario, Sänger und Gitarrist von Tasteless, versuchte mir zu erklären warum seine Band "Geschmacklos" heisst. "Da musst du nur sehen, wie sich unser Bassist anzieht, dann verstehst du, wieso dieser Name. Nein, er kommt eigentlich von mir, aber das ist schon einige Jahre her, und so viel zu bedeuten hat er nicht."
Beim Label Saiko Records sind nebst Schweizer Bands auch die französische Gruppe Psykup und die belgischen Rumpelstitchkin, öffnet das Türen ins Ausland? "Was es sicher ermöglicht, ist einen Vertrieb in Frankreich zu haben und dort demnächst auch einige Konzerte zu spielen." Das ist doch schon mal was. Aber die fünfköpfige Band würde gerne auch mehr in der Deutschschweiz spielen, doch so einfach scheint das nicht zu sein. "Da bemerkt man halt schon den Röstigraben..." Mario, der auch die Texte für Tasteless schreibt, lebte bis sechsjährig in Basel, erst dann kam er in die Gegend von Fribourg. Ich wollte wissen, ob er nicht, nebst englischen und französischen Songs, auch mal was in Mundart machen wolle. "Mir gefällt diese Sprache überhaupt nicht, für die Musik, die wir machen, aber dass ist natürlich Geschmacksache..."
Geschmacksache ist auch das eher spezielle Cover der ersten CD von Tasteless. In Schwarz, Hellblau und Rosa gehalten, mit einer am Boden liegenden Frau und einem Mann auf den Knien, der den Kopf nach unten und die Hände am Boden hat. Welche Bedeutung hat den dieses eigentlich? +Ich finde es sehr ästhetisch. Das Bild ist interessant und wir machen ja auch ziemlich düstere Musik, sie springt zwischen kräftig und ganz sanft, so auch das Bild. Aber was genau daraus zu interpretieren ist, ist natürlich Jedermann/Frau selbst überlassen."
Welche Instrumente würden in den Sound von Tasteless noch hineinpassen? Die Truppe ist an einem neuen Album und da wollen sie, nebst dem Cello unter Umständen noch mehr Streicher hinzunehmen. Momentan haben sie vierzehn Tracks für die neue Scheibe, und einiges, zum Beispiel Schlagzeug und Gitarre, sind schon aufgenommen. "Jetzt fahren wir dann weiter mit der Stimme und dem Cello." Da bin ich ja gespannt, wie das klingen wird. "Es wird ziemlich anders sein. Der Sound wird viel wärmer. Auf dem ersten Album ist er ziemlich kalt und synthetisch und das wird sich jetzt ändern, es wird genau das Gegenteil." Woran wird noch gefeilt und verbessert bei Tasteless? "Es gibt immer Sachen, die man noch besser machen kann. Etwas präziser live spielen vielleicht..." Ist ja auch ne schwierige Frage.