Bunte Hunde: Tawara Shen Kool
Regen – für das Openair im Tal des Lichts alles andere als gewohnt. Doch am Samstag Nachmittag öffnete sich die Wolkendecke über Degen und das Openair Lumnezia wurde seinem Namen heuer doch noch gerecht – wenigstens für eine Stunde lang. „Logisch“, flachste Perkussionist Rodrigo nach seinem Gig mit Tawara Shen Kool, „ich bin gebürtiger Brasilianer und habe eine Deal mit Petrus. Wo wir spielen, scheint die Sonne!“ Mittlerweile sind die Bündner zu siebt unterwegs; Geigerin ... stiess als dienstjünstes Mitglied zur Truppe. „Ein Punk-Bassist, ein HipHop Drummer, Rodrigo als Basilianischer Clown – wir sind ein ziemlich bunter Haufen“, versucht Frontmann Flo Tewara Shen Kool zu erklären.
Bunt ist auch die Geschichte der Band, die eigentlich mehr ein Kollektiv ist, als eine klassische Band. „Sonne, Wärme, gute Laune – Spass – das steht bei uns im Vordergrund“, erklärt Flo. Will heissen: Tawara Shen Kool vertrauen nicht allein auf die Mechanismen des Business mit Management, Booking, CD-Promotion und Tourneeplan an Festivals oder in Clubs. Oft sind die Bündner auch einfach auf der Stasse unterwegs. Dafür kommen sie im Gegensatz zu anderen jungen Schweizer Bands mächtig in der Welt herum. Basilien sowieso, aber auch Deutschland, Frankreich oder die USA sind Destinationen, welche sie schon mit ihrem vielschichtigen Mix aus Reggae, Pop und Musique Tsigane beglückt haben. „Das ist doch die Essenz des Musizierens“, erklärt Rodrigo, „mit den Leuten Spass zu haben.“ In dem Fall das alte Lied von der Musik als universelle Sprache? „In gewissem Sinn, Ja“, sagt Flo, „wenn ich mich daran erinnere, wie wir in San Francisco Lieder von Mani Matter geträllert haben und die Leute mitgesummt und sogar -gesungen haben, dann definitiv!“
Wer jetzt jedoch glaubt, Tawara Shen Kool sei eine Hurra-Truppe, die konzept- und planlos durch die Welt tingelt, liegt falsch. Im Oktober erscheint das dritte Album der Bündner - „Yes“ ist der Titel und die Antwort auf die letzte Platte „Doing fine?“ - und das Ziel, das die Truppe hat, ist klar. „Wir wollen Erfolg haben!“, sagt Rodrigo wie aus der Kanone geschossen. „Ich meine: Musik zu machen, ist der schönste Beruf, den man sich wünschen kann. Der Job, den ich jetzt machen muss, um mich und meine Familie zu ernähren, gefällt mir nicht wirklich. Ich will einmal von der Musik leben können.“ Ein hoch gestecktes Ziel – aber ohne Selbstbewusstsein gibts heute nicht einmal mehr ein Butterbrot geschenkt.
Offensichtlich sind die Bündner denn auch bereit, hart an zu arbeiten, um ihr Ziel zu erreichen. „Die Produktion der neuen Platte war gewiss kein Zuckerschlecken“, sagt Flo. „In unserer Band kommen sehr viele Einflüsse kommen zusammen – und die müssen unter einen Hut gebracht werden.“ Gleichzeitig wollen sich Tawara Shen Kool aber auch die Freiheit nicht nehmen lassen, tun und lassen zu können, was sie wollen. Wenn sie das Gefühl haben, gewisse Songs bräuchten noch eine Geige, holen sie sich eben eine Geigerin in die Band. „Für uns sind Freude und Vielfalt sehr wichtig“, sagt Flo, „oder die Freude an der Vielfalt.“
Wenn dann das Publikum noch so positiv reagiert, wie am Openair Lumnezia, sei das umso mehr Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. „Es war nicht leicht, am Nachmittag, gleich nach einer grossartigen Band wie den Baseballs zu spielen“, erklärt Fronter Flo. „Aber die Leute haben mitgemacht und ganz offensichtlich Spass gehabt!“ - „Und wenn Du auf einer Bühne stehen kannst, eine gute Zeit hast und dann noch immer wieder ein bekanntes Gesicht siehst und ins Publikum winken kannst, dann kommts sowieso gut“, sagt Rodrigo, „vor allem, wenn man weiss und bedenkt, dass die Bündner halt manchmal... na ja, ... eben wie Bündner sind.“ Sagt's, lächelt, und macht sich auf, das Festival mit seinen Freunden und seiner Familie zu Ende zu geniessen!