Die überbordenden Pop-Querulanten von The bianca Story am Lakeside Festival
Text: DasSchaf
Bilder: The Bianca Story on Myspace
Eines sei hier gleich zu Beginn weg gesagt: nein, das bianca im Titel, das ist nicht fälschlicherweise klein geschrieben. Das schreibt man so. Das ist der Bandname. „Schwierig, sowas zu etablieren, aber wir arbeiten daran“, grinst Fabian. Nicht weiter verwunderlich, tanzt der unglaublich kreative musikalische Haufen um Frontmann Elia und Frontfrau Anna auch hier ein wenig aus der Reihe. Und wenn wir schon beim Namen sind: man könnte einiges mit den Worten „The bianca Story“ assoziieren. Die Geschichte von Bianca? Nicht direkt. „‘The bianca Story‘ steht ja für die Farbe weiss. Das weisse Blatt, das am Anfang jeder Geschichte, jedes Projekts steht. Wir erinnern uns so selber immer wieder daran, dass wir jedesmal bei Null anfangen können, dass wir die Freiheit haben, bei jeglicher künstlerischer Arbeit das weisse, leere Blatt als Grundstein zu benutzen. Das ist ein sehr befreiendes Gefühl“, erklärt mir Elia.
Als die bunte Truppe die Bühne des Lakeside Festival entert, zündet sie ihr Pop-Feuerwerk, und sogleich zuckt und ruckt und tanzt es im Publikum. Diese Band ist eine absolut fetzige Live-Truppe, da bleibt kein Bein still. Sehr charismatisch, sehr sympathisch, und die beiden Stimmen von Sängerin Anna und Sänger Elia harmonieren herrlich zu den poppig-elektronisch-rockigen Klängen. Ein musikalischer Stilmix wie eine Beerenbowle, querbeet, und es passt eben doch alles perfekt zusammen. Erfrischend anders und irgendwie verquer, und trotzdem sehr zugänglich. Herrlich, wie die Band über die Bühne fegt und die Energie so richtig fliessen lässt. Bunte Musik, in allen quietschenden Farben, erhellt den grau gewordenen Himmel über dem Vierwaldstättersee. Das ist Festivalfeeling!
Die sympathische Truppe macht aber nicht nur erquickend frische Musik, sie ist auch darum herum äusserst kreativ. Erinnern wir uns an die letzte Platte der Band, das „Unique Copy Album“: ein Multimediawürfel mit integrierter Stereoanlage und Videomonitoren. Ein Kunstprojekt als Album, und verkauft wurde die Einmaligkeit tatsächlich an Thomas Merian von Basel City Beach für 10‘000 Schweizer Franken. Die Fans können die Songs auf der Homepage downloaden. Eine spannende Sache, und welcher Wurf folgt als nächstes? Da schürt man doch Erwartungen. „Das ist das Ding mit ‚The bianca Story‘: ihr dürft eben nichts erwarten. Wir fangen immer wieder bei Null an. Ein spezieller Wurf als nächstes? Vielleicht gibt’s eine ganz unspektakuläre CD. Oder ein Weihnachtsalbum? Wer weiss“, schmunzelt Fabian und Elia ergänzt, „das ist eben die besagte künstlerische Freiheit. Wobei ich anmerken möchte, dass wir unser künstlerisches Schaffen sehr ernst nehmen. Ernsthaft, mit Freude, aber nicht verbissen.“ So erscheint mir die Band auch; äusserst geerdet, mit einer gewissen Portion Selbstironie, Humor, und mit ganz klaren Vorstellungen, was man will – und was man eben nicht will.
Das nächste Projekt der kreativen Köpfe Fabian und Elia steht schon an: eine Elektro-Oper, geschrieben von den zwei Musikern, inszeniert mit diversen Schauspielern. Hochexklusiv darf ich als erste aussenstehende Person überhaupt das offizielle Plakat zur Oper begutachten – und bin schon sehr gespannt, wie das wohl klingen mag. Spannend sieht das Projekt auf alle Fälle aus. Dreimal in Basel und dreimal in Zürich wird das ganze im September aufgeführt. Merkt euch das schon mal vor. Wahnsinn, wieviel Herzblut und Freude aus diesen Musikern sprudelt, wenn sie im Element sind. Diese positive Energie reisst richtig mit. Völlig ausgelassen tanzt die Band zu ihrem Sound, und Elia fordert die Menge auf, es ihnen gleich zu tun; alles ruckt und zuckt mit. Belohnt von tosendem Applaus und der Forderung nach Zugabe strahlt die Band von der Bühne herunter. „Überbordende Pop-Querulanten“, wie sie in der Biographie angepriesen werden, das sind sie. Im positivsten aller Sinne. Kreativität braucht die Musik! „Wir sind irgendwo im selben Fahrwasser wie Lady Gaga. Ich finde sie echt toll – sie ist auch so eine Pop-Querulantin“, meint Fabian. Und ich würde anfügen, The bianca Story bedienen sich dabei etlicher viel weniger plumper Massnahmen, um quer zu schlagen, als die erfolgreiche, platinblonde Pop-Lady. Grosses, buntes, tolles, fröhliches und vor allem stilvolles Pop-Kino.