The Chocolate Rockets sind nicht The Hives
Text: Ko:L
The Chocolate Rockets lassen sich ihre Party nicht vermiesen. Sie gehen ihren Weg zielstrebig nach vorne und nach oben, wie sie´s von Beginn weg gemacht haben. "Es gibt Leute, die glauben unser einheitlicher Look mit den Anzügen und den gleichen Instrumenten hätten wir uns auf Druck unseres Labels hin zulegen müssen - alles Bullshit", amüsiert sich Drummer Ürsu. "Wir spielen seit unserem ersten Gig in diesem Outfit", macht Gitarrit Wolf klar. Dieser Gig war 1998. Seither gings wacker vorwärts - nicht in riesigen Schritten, aber immer vorwärts - bis im letzten Sommer Reality Entertainment anklopfte und den Jungs einen Deal und drei Wochen L.A. zum einspielen eines Albums anbot. "L.A. war geil", sind sich die Jungs einig. "Drei Wochen gabs nichts anderes, als unsere Musik. Am Morgen beim Aufstehen diskutierten wir über den Sound und am Abend vor dem Einschlafen immer noch", erinnert sich Denis "die Rampensau". Rampensau, nennt sich der Sänger übrigens nicht selber - diesen Stempel drücke ich ihm kraft meines Amtes als wüster Schreiberling auf. Ausser einem Besuch bei den Universal Studios und ein wenig Sunset Blvd. haben die Schoggi-Rageeten übrigens nicht viel von L.A. gesehen. "Uns ging die Kohle aus...", erzählt Fabio. "Aber erlebt haben wir einiges", schiebt Adi nach und die Band bricht in vielsagendes Gelächter aus...
"Du bist wahrscheinlich der erste Journalist, der uns nicht auf The Hives angesprochen hat - danke!" Das sagte Gitarrist Adi am Woodrock erst nach dem Interview. Nun - warum hätte ich sie auch auf die Nordländer mit den schwarz-weissen Anzügen ansprechen sollen - nur weil The Chocolate Rockets auch in Uniformen antreten? Sein wir ehrlich - wenn The Chocolate Rockets The Hives heissen würden und nicht aus Hinterkappelen, sondern aus dem hohen Norden oder aus England kommen würden, würden sich die Kritiker in der Schweiz um sie reissen und sich mit Komplimenten und Ernennungen in den Rock-Olymp gegenseitig überbieten. Aber eben - keine Sau interessiert sich für den Fünfer mit Eiern - The Chocolate Rockets kommen nur aus Hinterkappelen und sind nach einer Titelstory im schlechtesten Schweizer Musikmagazin auch dort abgerutscht und zur Band mit dem zweitschlechtesten Bandnamen gewählt worden. Eigentlich eine Affenschande, diese ganze Situation - aber die Jungs nehmens mit Humor: "Wir überlegen ernsthaft, uns einen noch dämlicheren Bandnamen zuzulegen - damit wir wenigstens auf dieser Liste Top werden. Und den grösseren Pokal als Huckedicht (die Band mit dem schlechtesten Namen, d.Red.) hätten wir eh", sagt Bässler Fabio und grinst breit.
Mit einem Longplayer, der sich gewaschen hat, kehrten die fünf Hinterkappeler schliesslich in die Schweiz zurück und sind seitdem dabei, mit Konzerten Werbung in eigener Sache zu machen. Wer jetzt aber glaubt, mit einem Album made in USA ginge alles von selber, sieht sich getäuscht. "Wir müssen genau den selben Weg gehen, wie alle anderen Newcomerbands auch, wir sind ein Niemand", meint Adi bescheiden. Und doch gibt es einen Unterschied zu vielen Schweizer Newcomern: The Chocolate Rockets rackern, sie reissen sich den Arsch auf, um vorwärts zu kommen. "Wir geben alles was wir haben, sei das im Studio, oder sei das vor allem live. Wer uns live sieht, soll alles von uns abkriegen", erklärt Fabio die Power, mit der er und seine vier Mannen auftreten. "Und wir wollen als eine Band, eine Einheit, ein kompaktes Ganzes wahrgenommen werden, das volle Brett!"
Das volle Brett haben The Chocolate Rockets dem Publikum am Woodrock denn auch geboten. Energiegeladen sind die fünf wie die Berseker über die Bühne gebrettert, angeführt von einem Denis, der sich schier die Lunge aus dem Leib geschrien hat und gejagt von einem Ürsu, der getrommelt hat, als müsste er den Leibhaftigen mit seinen Drumsticks zu Tode prügeln. Und jetzt gehts ab nach Deutschland, wo The Chocolate Rockets ab nächstem Samstag zusammen mit Silbermond und Extrabreit eine Tour unter dem Motto "Laut gegen Nazis" antreten und dadurch acht Gigs auf ganz grossen Deutschen Bühnen spielen können. "Wir wollen genau nach diesem Motto auftreten und vor allem Laut sein", verspricht Ürsu, "und einfach rocken wie die Wilden." Grosse und laute Worte werden von den Chocolate Rockets allerdings kaum fallen. "Wir sind nicht die Redner", fährt Ürsu weiter, "aber laut sein können wir!" Infos und Daten gibts wie immer im Netz...