The Fires - Die jüngsten sind schon alte Hasen
Text/Bilder: Piggy
Die Bieler Retro-Band Pegasus hat in den letzten Jahren Furore gemacht. Auch wegen ihres Teenie-Alters. Während sie nun langsam dem Jöö-Effekt entwachsen sind, steht schon die nächste Band bereit. Und The Fires toppen ihre Vorgänger gleich mehrfach. Der jüngste, Gitarrist Michael, ist gerade mal 12 Jahre alt. Der 60ies-Sound von Pegasus wird zum 50ies Rock'n'Roll der Fires. Die drei Jungs sind einmalig und aufsehenerregend. Die Songs werden erstaunlich authetisch gespielt und kreieren eine Ambiance wie anno dazumal bei Chuck Berry. Mir kommt es immer so vor wie die Ball-Szene in Back to the Future. Noch erstaunlicher mag aber für viele sein, dass Trespass und The Fires sich schon vor einem Jahr an selber Stelle zum Interview getroffen haben. The Fires sind also trotz ihres Alters eigentlich schon alte Hasen... Sänger Phil alias Philip zeigt sich meinem Kompliment gegenüber aufgeschlosssen: "Das ist lieb. Ja, wir sind noch relativ jung. Gerade auch für die Musik, die wir spielen."
Dankbar deshalb, weil momentan jeder, der mit den Fires plaudern will auf den Jöö-Effekt und Michael anspielt. Gerade den Band-Benjamin muss das doch mittlerweile ein bisschen nerven, oder? - Michael: "Es dürfte mittlerweile schon auch mal um die Musik gehen, stört aber auch nicht..." Gewöhnt haben sich die Jungs daran, dass sich, wo sie auftreten, bald die Köpfe drehen und sich ein Menschenauflauf bildet. Das geschah auch am Truckerfestival. Wie spielt man sich so ins Bewusstsein der Leute? Hängt das mehr mit dem Alter zusammen oder mit der Musik? - Phil: "Es ist beides, denke ich. Der Rock'n'Roll als Musik löst einfach positive Gefühle aus. Nicht so wie andere Stile, bei denen man vielleicht aggressiv oder aufgekratzt zurückbleibt. Und das Michael dazu herumhüpft trägt sicher auch seinen Teil dazu bei, dass die Leute stehen bleiben."
Michael ist nicht nur fürs "Härzige" und die Gitarre zuständig. Wenn's darum geht, einen währschaften Schrei abzulassen, ist ebenfalls der jüngste gefragt. Und der zieht ihn voll durch. - Keine Hemmungen? Michael: "Vor den Konzerten ist es schon so, wie du angetönt hast. Also Nervosität und alles. Aber wenn ich dann auf die Bühne hinaus gehe, befinde ich mich plötzlich wie in einer anderen Welt und das ist alles wie weggeblasen." Das müsse wohl so sein, kommentiere ich Michaels Aussage und bin dabei immer noch erstaunter, wie abgeklärt die Jungs schon sind.
Was Live super klappt, wird in Zukunft ganz etwas anderes. Denn momentan kann man zwar am Konzert Live-Mitschnitte der Fires kaufen, die erste wirkliche CD ist aber erst in der Pipeline. Und weil Leadsänger Phil mit seinen 15 Jahren tönt wie ein 25jähriger, wird man am Radio der Band ihr Alter nicht mehr anhören. Die Grundsätze der Fires für ihr Debut erläutert Bassist Andreas aka Andrew: "Die Songs müssen einfach möglichst perfekt eingespielt werden, mit voller Konzentration. Dabei muss man die Freude spüren, die wir selber empfinden. Das kommt schon gut. Zudem braucht man heutzutage sicher ein gutes Management." Phil meint zur kommenden CD und seiner tiefen Stimme: "Wir haben die CD übrigens jetzt aufgenommen, müssen sie als näschstes abmischen. Den Stimmbruch hatte ich einfach sehr früh und nehme auch noch profesionellen Gesangsunterricht." Michael schliesslich weiss, was die Jungs auf CD nicht mehr haben werden: "Es ist ja nicht nur, weil ich kleiner bin, sondern auch dass ich viel mache auf der Bühne. Das ist schon ein ziemlicher Showeffekt. Aber es wird schon irgendwie..." Und wie Phil richtigerweise bemerkt, ist: "Jeder Musikstil gut genug - man muss nur das richtige Publikum finden..."
Das Marketing der Fires ist beeindruckend konsequent. Sie tragen topmodische schwarz-orange gestreifte Shirts und sogar die Ventilatoren, die sie vor der Bühne aufstellen, tragen das Bandlogo. Am Merch-Stand gibt es Schlüsselanhänger und Feuerzeuge. Wie viel Hilfe kriegen die Fires dabei von Management oder Eltern? Phil: "Eigentlich keine... Die Ideen und Entscheidungen sind unsere eigenen. Die Ventilatoren haben wir beispielsweise an anderen Konzerten gesehen. Und es ist ja auch sehr heiss auf der Bühne unter den Scheinwerfern. Dass die Leute etwas kaufen können, bringt uns in der Hinsicht etwas, dass sie auch zuhause immer mal wieder unser Logo sehen. Quasi als Reminder..."
Leute, die den Sound der Fires selbst im Teeniealter erlebt haben, sind heute so um die 70 (!) Jahre alt. Ein tolles Potential hinsichtlich Publikum. Dasjenige der Fires ist denn auch schon sehr durchmischt. Phil: "Ältere Leute haben schon immer sehr gut auf uns angesprochen. Aber auch immer mehr sehr junge sind dabei. Die kennen teilweise die alten Hits zwar noch gar nicht, swingen aber trotzdem schon mit, weil die Musik einfach so postitiv wirkt. Wir können so eigentlich ein Familiy-Paket schnüren." Soundtechnisch sind die Fires auch mal in die 80er Jahre abgeschweift mit Songs wie "Smoke on the Water" oder "I love Rock'n'Roll". Wie sieht das für die Zukunft aus? Wird man durch die Geschichte wandern oder gehört man tatsächlich in die 50er? - Phil: "Wir gehören schon in den Rock'n'Roll. Die 80er Songs geben allerdings einen ganz anderen Groove her. Das ist als Abwechslung ganz nett."