The Monofones: Romantik, Punk und Synchronschwimmen
Text: Ko:L
Bilder:
greuterfoto.ch
Warnung: Im nachstehenden Text sind Fakten und Fiktion eng miteinander vermischt. Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung, wenn Leser das Eine mit dem Anderen verwechseln. Das Lesen des Artikel geschieht ebenso auf eigene Gefahr, wie das Glauben seiner Inhalte oder der Besuch eines Konzertes der Berner Wildstyle-Truppe The Monofones.
Wenn Tontechniker Gröppu mitten im Konzert hinter dem geschichtsträchtigen Mischpult des legendären Thuner Café Mokka selber zum Mikrofon greift, um ein weiteres unauslöschliches Kapitel im Geschichtsbuch dieses sagenumwobenen Arbeitsplatzes zu schreiben, dann ist das selbst für ein Konzert der Monofones nicht normal. Denn: Gröppu nutzte die Gelegenheit des zweiten Konzertes der Berner Chaos-Truppe im Thuner Kultlokal, um seiner Angebeteten einen Heiratsantrag zu singen – live und direkt und in einer Mischung aus künstlichem Rauch, Schweiss und anderen Ausdünstungen im viel zu engen Raum, der mit seinen Düften und viel zu lauter Musik ebenso schwanger war, wie Gröppus angebetete mit ihrem Nachwuchs. Romantik im Mokka ist gewiss nicht neu – Romantik an Monofones-Konzerten doch eher. Doch Fronterin Miss O.O. nutzte die Gelegenheit, und lobte die Veranstaltungen als „Ort wo man heiratet, Kinder macht – und von mir aus auch kriegt.“ Dann zählte sie die nächste Nummer an und weiter gings mit dem stürmischem Kosakenritt durchs wilde Kurdistan.
Dabei hat alles ganz harmlos angefangen, an diesem Abend in der kleinen Stadt am Rand der Alpen. Synchronschwimmen war das Thema, das den Einstieg in das Gespräch in dem Backstageraum, der möglicherweise die intensivste Geschichte von allen hat, dominierte. Sport und Musik war das einfältige Thema, das der Schreiberling ansprach, bloss weil er noch leicht euphorisiert vom Spiel der Gelbschwarzen gegen die Weissblauen kam. „Ich war lange Sumoringer“, berichtete Trommelgott El Miguel, „bevor ich dann aus gesundheitlichen Gründen aufs Synchronschwimmen umsteigen musste – da aber bald realisierte, dass dieser filigrane und ästhetisch anspruchsvolle Sport viele Gemeinsamkeiten mit meinem Trommelspiel hat.“ Diese Gemeinsamkeiten will er nun weiter ausbauen – und das Sumosynchronarschbombenspringenschwimmen, das er erfunden hat, weiter verfeinern.
Dass er trotz viel Hingabe und Enthusiasmus mit seinem sportlichen Engagement kaum je berühmt und schon gar nicht reich werden kann, ist dem jungen Musiker wohl bewusst – vielleicht aber auch nicht. So genau wollte er sich nicht in die Karten blicken lassen. Dafür gewährte die charmante Miss O.O. Einblicke in das Bandleben, fast so tief wie in ihr unvergleichbares Dekoltee. „Jetzt ist die zweite Platte da und wir wollen mit der dritten unbedingt noch mehr Gas geben“, ohne sich allerdings auf Gründe wie Sehnsucht nach Reichtum oder Ruhm als Antrieb festzulegen. „Aber wenn wir an die Töpfe der Kulturförderung wollen, können wir das nicht auf den letzten Drücker machen.“ Die Frau weiss ganz offensichtlich besser, was sie will, als ihre beiden männlichen Kollegen. Gitarrenmann Sir Hamesly etwa, spielt immer noch mit dem Gedanken, dass nach zwei dreckig analogen Alben nun endlich eine Gabbbbbbbber-Platte der Monofones angebracht wäre. „Dann könnten uns auch die DJs spielen.“
Dabei hätte das Trio, das mit seiner Show, die ebenso schweisstreibend wie knisternd erotisch, insbesondere aber hoch intellektuell ist, auch mit der aktuellen Platte „Deranged“ landauflandab für wahre Begeisterungsstürme sorgt, sie Unterstützung dieser unsäglichen Plattenkratzer gar nicht nötig. Deutschland und Griechenland hat das illustre Trio bereits bereist. „Jetzt wollen wir nach Lichtenstein!“, ist für Sir Hamesly klar, „und zwar mit einem Hitalbum im Rucksack.“ Sollte es mit „Deranged“ nicht klappen wäre diese Band von Weltformat derweil auch kein Problem, rasch einen Nachfolger aufzulegen. „Zwei Wochen vor der Plattentaufe fehlten uns noch fünf Songs“, gesteht Sir Hamesly – betont aber gewohnt selbstsicher: „Fünf Hits in zwei Wochen, das haben wir spielend geschafft. Eigentlich könnten wir im Mai schon mit der nächsten Platte kommen.“ Sofern sich das nicht mit den Tourplänen des Managers kreuzt. Der möchte seine Schützlinge nämlich unter anderem nach Tschechien bringen. Und an die Sommerstivals in der Schweiz.