Tomazobi: Mit Schnouz. Ohne Bart
Text: Ko:L
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„Schnouz ist ein schönes Wort.“ Das sagt Obi von Tomazobi, und beantwortet damit die zugegeben einfältige Frage, wie es dazu kommt, ein Album – in dem Fall das neue der Berner Hardcore-Troubadouren – mit „Schnouz“ zu betiteln. Denn: Einen Song mit dem Titel „Schnouz“ gibt’s auf dem Album nicht. Maze kramt dann aber doch noch eine etwas tiefer greifende Erklärung hervor. „Wir begegnen im Alltag immer wieder Schnöizen, Leuten, die sagen wir mal nicht die selbe Weltanschauung haben, wie wir.“ – „Schnöiz gibt es in allen Gesellschaftsschichten, in allen Berufsgattungen, Männer und Frauen, in jedem Alter“, doppelt Obi nach. Als Kritik an einer bestimmten Gruppe Menschen will aber keiner von den Dreien den Albumtitel verstanden haben. „Wir kritisieren niemanden“, sagt Maze mit fester Stimme. „Wir nehmen höchstens jemanden ein wenig auf die Schippe – aber auch das nur indirekt.“ Und Tobi weiss: „Wir brauchen möglichst viele Schnöiz an unseren Konzerten.“ Schliesslich will man ja von etwas anderem als Wasser und Brot leben.
Live, das ist ihr Ding. Auch wenn die drei Berner Kampf-Troubadoure betonen, wie sehr sie die Zeit im Studio genossen haben. „Wir haben alle Freiheiten, die wir hatten, ausgenutzt“, sagt Maze, „was dazu geführt, hat, dass wir uns mit Blick auf die neuen Gigs ernsthaft überlegen mussten, wie wir die Songs live umsetzen wollen.“ Tobi bringts auf den Punkt: „Wir mussten unsere eigenen Songs neu lernen.“ Denn: Spielen Tomazobi auf der CD mit viel Lust mit Effekten, Drums, Beats und anderen Gimmicks, setzen die drei Berner live auf den Bewährten Mix aus nackter musikalischer Performance primär mit akustischer Gitarre und Gesang – und theatralisch-komödiantischer Performance.
Tomazobi sind eine beliebte und bewährte Liveband. Das beweisen sie am Konzert im Thuner „Emmental“ einmal mehr eindrücklich. Das Publikum liebt die drei Hardcore-Troubadoure – und die Veranstalter auch. „Das ist mit ein Grund, dass es mit dem neuen Album etwas länger gedauert hat“, sagt Manager Nick. Etwas länger? Das Debut „Chue“ mit den Hits „Lulu“ und „Olive“ erschien vor mehr als vier Jahren. Im Frühling 07 gabs mit „Grand Prix“ „ein Gluschterli, um die Wartezeit zu überbrücken“, wie Nick weiter erklärt. „Wir hatten eigentlich im Sinn, nach dem Live-Album dann rasch ein Studio-Album nachzuliefern.“ Das hat aber nicht hingehauen – denn: Dank „Grand Prix“ konnte jeder in der guten Stube hören, was Tomazobi live alles zu bieten haben – und der Kurs der Berner bei Veranstaltern und Publikum stieg noch höher. Und: Die Jungs spielen nicht nur einfach gerne und haben grossen Spass daran; live spielen ist auch ein wirtschaftlicher Aspekt. „Wir leben alle zu einem guten Teil von Tomazobi und haben zum Teil Familien zu ernähren“, sagt Obi. „Da müssen wir zugreifen, wenn wir gute Angebote haben.“
Trotzdem: Irgendwann waren die Ideen soweit gediehen, dass es Zeit wurde fürs Studio. Und im Gegensatz zu „Chue“, ist „Schnouz“ nicht primär eine Ansammlung von Covers und Verulkungen. „Die meisten Songs auf dem Album sind von uns“, sagt Maze im Brustton der Überzeugung. Nun den – das zu beurteilen, sei Sache des Hörers. Fakt ist: Auch auf „Schnouz“ kriegen (fast) alle ihr Fett weg: Gölä genauso wie Mike Shiva oder Zürcher. Und live krachts noch viel mehr. Ausser gegen YB. Und wie geht’s jetzt weiter? Tomazobi haben sich über Interpretationen und humoristischen Adaptionen grosser Songs einen Namen gemacht, jetzt beweisen sie mit ihrem aktuellen Album und Live-Programm, dass sie auch eigene Ideen überzeugend umsetzen und das Publikum damit begeistern können. „Wir haben mit ‚Schnouz’ viele Ideen, die wir zum Teil schon lange mit uns herum getragen haben, umsetzen können. Aber da sind noch ganz viele andere Sachen, die wir noch nicht gemacht haben und die jetzt auf der Prioritätenliste nach oben rutschen“, sagt Obi. „Dazu entstehen schon wieder neue Ideen“, schickt Tobi nach. Doch Maze weiss: „Wir sind die Bauchmenschen. Wann ein nächstes Album realisiert wird, ist noch völlig offen…“ Langweilig wird’s (mit) Tomazobi bestimmt nicht. Und die Gefahr, dass den Bernern neben dem Schnouz auch noch der vielzitierte Bart, der sinnblidlich für ausgelutschte Gags steht, wächst, besteht ebenso wenig.