AnnA und der kleine grosse Unterschied
Text: Monthy
Bilder: Monthy /
www.tillate.ch
Als ich den Namen AnnA im Tufertschwiler Programm sah, nahm ich an, es handle sich um unsere Schweizer Anna, welche diesen Frühling ein vielbeachtetes HipHop-Album mit Greis produziert hatte. Weiter nachzuforschen hielt ich nicht für nötig. Als ich keine Antwort auf meine Anfrage für ein Interview erhielt, war ich nicht weiter beunruhigt. Das kommt vor. Ich traf die Managerin kurz, sie hatte kein Mail erhalten, war aber gerne bereit, ein Interview zu arrangieren. Erst als AnnA auf die Bühne kam und deutschen Direktpop vortrug, bemerkte ich meinen Irrtum. Das war nicht meine Anna...
Da ich aber schon angefragt hatte und wir ja auch einen Ordner für Nicht-Schweizer-Acts führen, beschlossen wir, das Interview zu machen. AnnA, Hanna, Stefan und Olli setzten sich zu mir und ich erklärte ihnen, dass sie zu diesem Interview gekommen sind wie die Jungfrau zum Kind. Das fanden sie genauso lustig wie ich. Aufgefallen war mir, dass AnnA, als sie die Bühne betraten, ein pantomimisches Schauspiel aufführten. Also wollte ich zuerst wissen, was das genau war. Olli klärt mich auf: "Für uns Bandmitglieder ist halt irgendwie wichtig, dass AnnA die Bandleaderin ist, die Diva. Also haben wir erstmal den Platz gekehrt und alles hergerichtet, dass sie dann auf die Bühne kommen kann und richtig loslegen kann."
Dem Tufertschwiler Programm entnahm ich, dass AnnA eine EP, "Poser", am Start haben. Die Frage, ob denn AnnA dieser Poser sei, liegt auf der Hand. AnnA verneint: "Nein, nein, nein - Der Poser ist der Olli. Er ist der grösste Poser, den man sich überhaupt vorstellen kann und einfach nur eifersüchtig, dass die Band nicht Olli heisst sondern AnnA..." Die Selbstdarstellung scheint bei den jungen Deutschen also Programm zu sein. OIli kombiniert die neue mit der alten Frage: "AnnA, die auch die Texte schreibt, nimmt hauptsächlich Alltagsphänomene auf. Ihr ist eben aufgefallen, dass ich ein kleiner Poser bin und da hat sie gedacht: 'ich schreibe mal einen Song drüber...' Ansonsten sind es ganz verschiedene Dinge im Alltag, die AnnA verarbeitet." Und auch Stefan musste durfte schon als Objekt für AnnAs Songwriting herhalten - "Hinter 'Freunde bleiben' steckt so eine Geschichte. Eine Ex-Freundin hatte mich verlassen und da hat AnnA gleich einen Song drüber geschrieben."
Die Inspiration AnnAs, schlussfolgere ich, liegt also im Umfeld der Band und der Welt darum herum. Keyboarderin Hanna bestätigt: "Alltagsphänomene und was so alles auf der Welt passiert, sind jedenfalls viel eher Thema als das übliche Liebesgeschwafel." Als deutsch singende, junge Band im Bereich Pop schwimmt man heute sowieso im Fahrwasser von Juli, Silbermond und Wir sind Helden. Versuchen sich AnnA mit ihren Texten von diesen Bands abzuheben? - AnnA: "Wir erinnern die Leute offenbar schon ein wenig an Juli oder Zweiraumwohnung. Wir bauen ja sogar Samples ein, die ein wenig in diese Richtung gehen und spielen damit. Mit solchen Bands verglichen zu werden, ist für uns eine Ehre, weil die schon viel weiter sind als wir." Und wenn wir gerade dabei sind, interessiere ich mich natürlich für diese Szene in Deutschland - gibt es sie überhaupt? Kennt man sich? - Olli: "Wir kennen bisher keinen einzigen Musiker von Juli oder Wir sind Helden persönlich. Wir würden sie natürlich gerne kennen lernen und auch mit ihnen Konzerte spielen."
Vielleicht ergibt sich das ja, wenn die Single und das kommende Album draussen sind und der Name AnnA auch bekannter ist? - Stefan: "Die Single 'Schneller Propeller' ist am 11. August erschienen. Man kann es bei uns im Shop kaufen (Link unten). Das Album folgt am 25. August und heisst 'Wir gehen schon mal vor'." Und mit dem Albumtitel liegt auch meine nächste Frage auf der Hand. "Wir gehen schon mal vor" - wohin denn? Hanna assoziiert frei: "Einfach raus, in die Musikmachwelt..." und AnnA erklärt: "Mit diesem Titel wollen wir auch sagen: Wir sind nicht gecastet, wir sind echt und jetzt legen wir los!" Ich frage Olli, ob es denn heute besonders wichtig sei, eben kein Produkt zu sein sondern vielleicht aus Freundschaft entstanden zu sein? Olli revidiert: "Bei uns war es weniger aus Freundschaft, denn aus der Liebe zur Musik. Wir haben alle schon vorher in Bands gespielt und uns zufällig getroffen, weil AnnA eine Band gesucht hatte. Sie hatte schon Lieder geschrieben und als wir uns trafen, mutierten wir eigentlich alle bald von Fans zu einer Band. Das macht's nicht einfacher als wenn wir Freunde wären, aber auch nicht komplizierter. Bis auf ein paar Ausnahmen können wir uns mittlerweile auch schon ganz gut leiden..."
AnnA machen Direktpop. Ich hake nach, ob man denn Pop überhaupt noch direkter machen muss, als er eh schon ist? AnnA: "In einer Welt von Castingsbands und Superstars, die ja alle Pop machen, wollen wir uns halt doch ein bisschen absetzen. Aber auch wir machen Pop. Wir wollen's nur nicht so direkt sagen, deshalb sagen wir, wir machen Direktpop..." Sagt's und lächelt mich an. Und weil ich mir eigentlich meine Anna-CD ("Still young") von der Zürcher Hiphopperin signieren lassen wollte, ziehe ich sie nun hervor und bitte die Band um Unterschriften. Schliesslich hatte ich mich ja auf dieses Interview vorbereitet. Oder auf ein anderes. Wie auch immer....