Atomic Brother - See me comin' (Home in the Sky/AGCruxansata Music)
Text: Monthy
Bild: Cover
Hinter dem knalligen Namen Atomic Brother stecken die New Yorker James Melillo und S.A. Sebastian Gnolfo. "See me comin'" kommt entgegen seinem eigenen Namen visuell sehr bescheiden daher und versteckt auch sonst so einiges. Es ist kein einfaches Album und verlangt mehrmaliges Anhören, bis man die Bandbreite der Atomic Brothers ganz abschätzen kann. Die zieht sich vor allem authentisch durch die Hardrockgeschichte. Der namensgebende Opener mit gesprochenen Strophen zeigt die Amerikaner, die nur zu genau wissen, was sie ihrem Publikum schulden. Der darum gewobene an- und abschwellende Song erreicht in Spitzenpassagen schon fast die Intensität von Disturbed. Umso erstaunlicher, dass man im dritten Track "Take me away" einen Punkrockklassiker erster Güte vorfindet, so frisch wie einst Dog Eat Dog's "Rocky". Mit "Employee of the Month" schieben Atomic Brother dann gleich noch einen Skapunk nach, der sich gewaschen hat, bevor "Home in the Sky" einen mit heller Gitarre und Stimme in die späten 70er zurück versetzt. Die noch im vorherigen Song nonchalante "Oy"-Stimmung schwenkt - auf Platte - in Sekunden in ein träumerisches Schwärmen um. Das ist als Hörer, zudem noch als Rockliebhaber, nur schwer hinzunehmen und führt beim ersten Mal ganz einfach zu Vorbehalten. Im Wissen um den Stilbruch gewöhnt man sich dann widerwillig daran - und beginnt zu geniessen. Ob und vor allem wie Atomic Brother diese Songs live auch in dieser Kombination spielen, bleibt vorerst spekulativ. Und das wars dann eben noch lange nicht. "Never Home" - natürlich der nächste Track - ist ein Latino-Rock, bei dem man glaubt, Badguy und Sänger Melillo's Zwiespalt zwischen der häuslichen Schönheit seiner Senorita und dem geilen Leben auf der Strasse richtiggehend fühlen zu können. Pink Floyd, Led Zeppelin, Santana - sie schweben alle mit im Sound von Atomic Brother. Haben ich einen vergessen? Hendrix konnte ich bisher nicht raushören... Dafür treten Atomic Brother mit lautstarker Stimme das Erbe der Ramones an - wir sind mittlerweile bei Track 6 angekommen. Besonderes Highlight von "Up in you" ist das abschliessende Gitarrenriff! In "Everything and Less" präsentieren Melillo/Gnolfo, die "See me comin'" übrigens mit einem Drummer names Patrick Aeby - einem Schweizer? - eingespielt haben, ihre Version von Postrock. Das Biest in Melillo musste wohl kurz Gassi gehen... Gegen Ende der Scherbe merkt man immer mehr, dass sich die nuklearen Brüder wohl doch im Punk am heimischsten fühlen - so sehr dass sie ganz zum Schluss mit "Allah told me to" gar noch politisch werden. Wegen fehlendem Songtext lässt sich aber leider nicht bestimmen, ob sie dabei tatsächlich eine regimetreue Linie einnehmen. - Selbst das würde aber irgendwie passen zur: Band der unbegrenzten Möglichkeiten!
Umgehende Reaktion von Atomic Brother per Mail:
Thank you for your awesome review! And, yes, Aeby is Swiss. That is Patrick Aeby of the Swiss bands Genocide, Sideburn and Krokus that played drums for us. Pat is a great friend of ours, whom we played in a band with in Switzerland in 1994.
(Danke für deinen wundervollen Review! Und ja, Aeby ist Schweizer. Es ist Patrick Aeby von den Bands Genocide, Sideburn und Krokus, der für uns drumt. Pat ist ein enger Freund von uns, mit dem wir erstmals 1994 in einer Band in der Schweiz zusammen gespielt haben. Übersetzung des Redaktors)