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Cousin Leonard - Ich adoptier mir nen Cousin...

Text: Eve
Bilder: Debi, Sandy
Marthy mit Bass am singen
...oder zwei. Habe ich mich doch am 05.April 06 im Bistrot-Morillon in Bern glatt verliebt in die beiden natürlichen, sympathischen Musiker aus Australien. Cousin Leonard nennen sie sich und sind gegenwärtig auf Tournee durch die ganze Schweiz. Elf Konzerte geben sie in unserem kleinen Ländchen, und bringen uns heisse Rhythmen, sanfte und auch etwas wildere Klänge und ein Improvisationskönnen wie ich es noch nie gesehen habe. Zu beschreiben, wie das Duo auf der Bühne auftrat, während der Songs Instrumente wechselte, Saiten zupfte, Hörner blies, trommelte und mit viel Spontanität das Publikum vollkommen mühelos fesselte, ist schlichtweg nicht möglich. Das muss man Live gesehen haben. Emotionsgeladene, temperamentvolle und impulsive Musik erfüllte den Raum und die Herzen des Publikums und hinterliess wohl nicht nur bei mir einen bleibenden Eindruck.
Cousin Leonard auf der Bühne
Nach ihrem Auftritt den beiden ein paar Fragen zu stellen, erwies sich als knifflige Angelegenheit, spreche ich doch kaum englisch und die Brüder Marty und Tom bis auf „merci viumau“ kein Wort deutsch... Aber mit Händen und Füssen, Debi als Übersetzerin, viel Gelächter und fantasievollen Umschreibungen konnten wir doch so etwas wie ein Gespräch führen. Wie sie sich gefunden haben, fragte ich in bröckligen Englisch und Marty erklärte: „´This is my brother Tom´. Aufgewachsen sind wir auf den Fidschis, und da, am pazifischen Ozean, sassen wir so rum, tranken und haben einfach so drauflosgespielt, zum Sound des Ozeans. Und das ist es, was wir heute, einundzwanzig Jahre später, immer noch machen.“
Tom in Aktion
Während des Konzertes erwähnten sie auch ihre Schwester, die mit ihnen gesungen hat. Ich wollte wissen, wieso sie nicht mehr mit dabei ist. „Sie ist Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne. Auch ist sie jetzt in New York und nicht mehr in Melbourne, wo wir leben. In der ersten Zeit, so für sieben Jahre, da lebten wir noch in der selben Stadt und da musizierten wir auch zusammen. Aber sie ist nun mal Schauspielerin und das ist ihr wichtiger. Aber für die Aufnahmen im Studio kam sie und sang mit uns und immer, wenn wir zur selben Zeit in der selben Stadt sind, oder für ganz spezielle Anlässe, da ist sie natürlich mit dabei. Sie ist eine grossartige Performerin, macht Witze auf der Bühne und sie sieht halt einfach besser aus als wir... smile." Natürlich interessierte mich, woher ihre Inspiration kommt. Tom: „Good question…“ (diese Antwort funktioniert also auch auf englisch) „Eigentlich aus dem Alltag, dem Leben um uns herum. Auch sind wir beide Väter und wenn zum Beispiel mein Kind zu mir kommt, wird irgendwie alles klar. Dann sehe ich mich um und weiss plötzlich, wer wir sind, wo und warum wir sind. Kinder helfen dir, das Wahre zu sehen.
Gedämpftes Licht, gehobene Stimmung
Nur zwei Typen und doch so ein Riesen-Chaos auf der Bühne, so scheint es jedenfalls. „Ja, für zwei Leute steht schon recht viel Zeugs herum. Aber wir wechseln von Song zu Song, oft sogar während eines Songs die Instrumente. Da sind mal die ganzen Rhythmussachen, Kabel und Mikrophone, zwei Gitarren, Bass, Horn und wir brauchen alles gleichzeitig. Für eine grosse Band wäre es schwer, für all dass Platz zu finden, aber da wir nur zu zweit sind, können wir eben so viel machen.“ Wer`s nicht glaubt, tatsächlich wechseln sie mitten im Stück von Horn zu Gitarre, zu Trommel und so weiter und singen parallel dazu. Für die beiden ist es auch das erste mal, dass sie Loops einbauen und mit technischen Hilfsmitteln arbeiten. In Melbourne, da spielen sie mit vielen verschiedenen Musikern zusammen. Da ist auch mal ein Didgeridoo, ein Keyboard, eine Beatbox oder ein Schlagzeug mit dabei. Cousin Leonard haben schon alles probiert. Von Folk zu Rock`n`Roll, Heavy Metal, Funk, Big Band, Brass, Jazz, sogar Orchester und Musicals. “Wir spielten auch in verschiedenen Bands. Aber grosse Bands haben es viel schwerer, Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Zu Zweit ist es auch einfacher, auf Europatournee zu gehen. Nur die Instrumente, die richtigen Songs – und hier sind wir."
Sprachen treffen aufeinander, eine chaotische Runde
„Ich denke, Licht und Atmosphäre sind bei unserer Musik sehr wichtig. Das liegt am Geist, am Spirit unserer Musik. Wir machen auf der Bühne Atmosphäre und die Leute im Raum haben Kerzen auf den Tischen und gedämpftes Licht. Ich mag keine grellen Scheinwerfer im Gesicht, also weiches Licht und etwas von unten.“ Das ergibt genau das richtige Feeling für den positiven, lebensbejahenden Sound des Duos. Hätten wir das Wort Lebenskünstler auf englisch gewusst, hätte ich sie noch darauf angesprochen... tolle Übersetzerin! Nein, ich kann wirklich nicht klagen, denn ansonsten hat Debi ihre Hausaufgaben gemacht und ihren nicht ganz einfachen Job als Dolmetscherin hervorragend gemeistert.
ein Bierchen zum Interview
Zum Schluss ein kleines Erlebnis der Australier hier in der Schweiz: „Nach unserem Auftritt auf der First haben wir die letzte Gondel für runter verpasst. So haben wir einfach einen Tisch umgedreht und sind damit ins Tal geritten – really!“

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5/25/2012 8:39:28 AM Administrator
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