Trouble - Simple mind condition (Escapi/Edel)
Text: Monthy
Bild: Cover
Mit "Simple mind condition" meinen die Chicagoer Rocker wohl nicht, dass man ihr Werk auch mit geringem IQ verstehen kann. Obwohl das wahrscheinlich der Fall ist. Viel weniger erstaunlich wäre, dass Trouble damit ausdrücken wollten, dass sie sich nach Erstellen des Werks so richtig ausgelaugt fühlten. In der Tat haben sich die kultigen Herren, deren Debut 1984 als "Psalm 9" in die Metal-Geschichte einging, nochmals selbst übertroffen und legten Anfang Jahr ihr neuestes Studioalbum vor. Leadsänger Eric Wagner, seine Gitarristen Bruce Franklin und Rick Wartell, Bassist Chuck Robinson und der drummende Piano-Spieler Jeff Olson erscheinen dabei inhaltlich geläutert, thematisieren sie doch heute vordergründig belangloses wie "Arthur Brown's Whiskey Bar" oder "Pictures of Life", also Bilder aus dem Leben. Wer sich einen Review ihres Debuts zu Gemüte führt, wird dort hingegen fast nur Sakrales vorfinden. Diese kirchliche Fixierung, bei vielen Metal-Bands aus den Staaten vorhanden, weil die Gesellschaft dort - wie wollen wir sagen - in dieser Hinsicht leicht schizophren geartet ist, haben Trouble auf ihre alten Tage und zum Wohl des glaubensverdrossenen Europas hinter sich gelassen. Und noch etwas ur-amerikanisches ist bei Trouble nicht gegeben. Wo sonst nämlich die Gesangsstimme im Sound richtiggehend vergraben wird, zeigen sich Trouble von Song zu Song variabel und tönen mal erdig mit Stimme darüber, mal sphärisch mit leidenschaftlich eingebettetem Gesang. Besonders der Opener "Goin' Home" dokumentiert die Epik der eigentlich sehr klassischen Rockband, die keine Probleme mit dem modernen Ton bekundet, sondern vielschichtig und richtiggehend zeitlos musiziert. Eingelassene Gitarren-Intermezzi oder Bass-Breakdowns umrahmen die musikalischen Erzählungen einer Band, die vor allem des Sängers wegen irgendwie an Henry Rollins und seine legendäre Rollins Band erinnert, auch wenn die ungestüme Macht der zum Vergleich heran gezogenen wohl absichtlich nie erreicht wird. Und wem das nichts sagt, dem kann ich eigentlich nur noch eins bieten. In gewissen Passagen kratzt Wagner die Kurve so eng, wie dies bisher nur ein Axl Rose in "Sweet child of mine" hingekriegt hat. Wer sich mit dem Act allerdings ein bisschen auseinander setzt, dürfte herausfinden, dass Trouble viel faszinierender sind als G'n'R. Dies können sie nicht mal durch ihr unscheinbares Werk vertuschen - abgemischt soll's gemäss Booklet nämlich in der Küche worden sein und das Cover schoss ein gewisser "Anonymous"...