We - Smugglers (Phonag/monkey)
Dass Skandinavien nebst England Europas stärkste Trumpfkarte um den musikalischen Weltmarkt ist, dürfte nach jahrelanger Chart-Präsenz von Acts wie Roxette, Him oder The Rasmus auffällig geworden sein. Diese Eisbergspitzen zeugen von einer in vielen Hinsichten beispielhaften Szene. In der Tat bevorzugen Skandinavier oft aus Prinzip einheimisches Schaffen und ermöglichen ihren Acts regelmässig, den Schritt von Skandinavien nach Europa und weiter zu tun. Dies gilt auch für Musik härterer Gangart. Neben den schwedischen Crossover-Ikonen Clawfinger haben es immer wieder Bands aus dem Norden an die Spitze geschafft. Besonders Finnland reiht Kultband an Kultband, angefangen in den frühen 90ern bei Waltari über die Cello-Heavys von Apokalyptica bis hin zu Stratovarius. We stammen zwar aus Norwegen, scheinen aber auch über dieses skandinavische Gipfelstürmer-Gen zu verfügen. Prinzipiell ist We Rock und definiert sich über die Gitarre, wie es schon der Opener "Cosmic Biker Rock´n´Roll" besagt. Für die Dauer eines Songs hingegen kann We alles sein. Gothic, Punk, Post- oder eben Hardrock, wie man ihn seit dem Niedergang des Genres Ende der 90er nicht mehr gehört hat. Wäre da nicht die wenig markante Stimme, würde man sich manchmal im Geiste an Acts wie Aerosmith oder die frühen Guns´n´Roses erinnert fühlen. Genau diese nicht auf- und nicht abfallende Stimme erlaubt We aber überhaupt erst, so abwechslungsreich aufzuspielen. Im monumentalen Titelsong "Smuggler" wird ein markantes, einfaches Riff von der Sorte "Kann sich gar nicht oft genug wiederholen" zelebriert. Die Geschichte eines Drogenschmugglers von 1965 gilt als das Meisterwerk der norwegischen "Nr. 1 Rocksensation" und demonstriert mit knapp 10 Minuten Länge die Experimentierfreude und unbeschwerte Herangehenweise der Band. Dies gilt im Besonderen für die Samples. Kein Wunder, wurde Smugglers doch vom "Guru of Modern Rock", Chris Goss (Queens of the Stone Age, Kyuss) produziert. Objekt der Effekt-Begierde ist dabei auch oft die Gitarre. In "Wroom" wurde sie beispielsweise via Keyboard in ein apokalyptisches Getöse, eben "Wroom", verwandelt - ein Effekt wie er ansatzweise auf Marilyn Mansons Golden Age of Grotesque, genauer in "Tainted Love", zu hören ist. Mal kratzt die langhalsige Schönheit, dann wieder ertönt sie hell und klar, knackig oder schlampig, mächtig oder hysterisch. Dabei lässt Gitarrist Don aber eigentlich nie Rhythmus und Tempo vermissen. Ausser in "Sassy Zazie", wo die beiden sich in hellen Soli zwischen Schäfchenwolken tummeln und vergnügen, und im abschliessend relaxenden "On the verge to go". Besonders gelungen finde ich das punkige "Catch electrique", bei dem höchstens noch kurzgeschorene Köpfe stillhalten können. Im Rahmen der MonsterMagnet-Europatournee beehren We auch die Schweiz, und zwar am 11. April im Zürcher Xtra. Smugglers erscheint am 21.4.
Text: Monthy
Bild: Cover