Trummer kommt „Dr ganz Wäg zrügg“
Wenn im Pressetext zu Trummers neuer CD „Dr ganz Wäg zrügg“ vom „blauen Album“ die Rede ist, will Trummer das auch wortwörtlich verstanden haben. „Ich wusste, diese Platte findet in der Nacht statt. Als Gefe das Bild fürs Cover in diesem Blauton malte war klar; da passt alles zusammen. Der Blues, die Melancholie ziehen sich durch das ganze Album“, sagt der Berner Oberländer über sein jüngstes Werk; das vierte aus seiner Feder, das zweite in Mundart. „Das Gefühl, das bei Bluesern bewirkt, den Blues zu spielen, löst bei mir meinen Folk aus.“ Wobei Folk, das wird auf „Dr ganz Wäg zrügg“ eindrücklich klar, höchstens noch eine Etikette ist, die zwar für Trummers Musik ab Konserve Gültigkeit haben mag - aber am Konzert zum Tourstart in der Alten Taverne Adelboden präsentierte sich Trummer druckvoller denn je und gefühlvoller denn je. Geschickt lotet er live die Grenzen zwischen Stadionrock vom Schlage Coldplay und simpler Liedermacherei aus. Wenn der Folk – oder Indie-Folk, wie der Protagonist selber gerne zu sagen pflegt – in der Mitte dieses Spannungsfelds steht, soll das Etikett seine Gültigkeit behalten.
Keine anderthalb Jahre sind vergangen, seit Trummer mit „Im Schatte vo däm Bärg“ sein viel gerühmtes, aber wenig beachtetes Mundart-Debut gab. „Ich habe ein hohes Schaffenstempo“, sagt der Berner mit schlichter Unbekümmertheit – ein Wesenszug, der ihm im Gegensatz zum Interview in seinen Songs scheinbar völlig abgeht. Vielmehr betrachtet er das Leben um sich herum mit bisweilen schier erdrückender Schwermut; immerhin ohne sich in Pessimismus zu verheddern. „Ich mag das Leben“, erklärt Trummer, „und wer wach durchs Leben geht, der findet überall Geschichten, die es wert sind, einem Song erzählt zu werden.“ Ob selber erlebt oder bei anderen gesehen, spielt da keine Rolle. Jenä, um die sich die Single „Chunnt scho guet“ dreht, die Parisienne rauchende Frau, die jede Woche Trummer ihr Herz ausschüttet, gebe es so als Person nicht, beteuert Trummer. „Aber es gibt viele, die sich für Jenä halten...“
Mehr als zwei Jahre nachdem Trummer die ersten Gehversuche im Schreiben von Songs in Berndeutsch unternommen hat, sagt er: „Es geht immer besser“. Nachdem er die ersten Songs völlig ins Blaue hinaus geschrieben hatte, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, ob und wie sie ankommen würden, habe er extrem viele positive Reaktionen gekriegt. „Deshalb steht alles andere, als Songs in Mundart, für mich derzeit ausser Frage.“ Mit dem Singen in Berndeutsch habe er nicht nur einen „Filter“ zum Publikum eliminieren können, sagt Trummer. Er habe auch besser zu seiner Stimme gefunden. „Ich weiss heute von jedem einzelnen Wort, das ich singe, ganz genau, was da mitschwingt, wie es sich anfühlt, was es alles beinhaltet und wie es betont und ausgesprochen werden muss. In Englisch konnte ich da viel weniger präzis sein.“
Mittlerweile – gut fünf Jahre nach der Veröffentlichung seines allerersten Albums – ist Trummer aber mehr, als Singer Songwriter. Mit „The Bridge“ hat er in den letzten anderthalb Jahren in Bern eine Plattform für Musiker aufgebaut, die in der Bundeshauptstadt in ihrer Art bis dato schlicht fehlte. „Ich sagte mir immer, wenn ich jemandem die Türe aufhalten kann, werde ich das tun“, begründet Trummer sein Engagement der wöchentlichen Singer Songwriter-Abende im „Kairo“. Es sei ihm immer ein Bedürfnis gewesen, etwas, das er für sich selber erschliessen könne, auch mit anderen zu teilen. Und heute ist er soweit, dass er die Marke „The Bridge“ sogar als Label zum Release von „Dr ganz Wäg zrügg“ benutzt hat.
So hat sich der Berner Oberländer in den letzten Jahren vom Musiker hin zu Ein-Mann-Unternehmen entwickelt – und zu einem Mann, der seinen Platz in der Szene ebenso gefunden zu haben scheint, wie er seinen Stellenwert für die selbe einordnen zu können scheint. „Natürlich ist der Ehrgeiz da“, antwortet er gefragt nach den Ambitionen, die er mit seinem vierten Album hege. Dann fügt Trummer an: „Ich glaube, ich bin in einer dankbaren Situation: Ich habe ein gewisses Publikum – kein riesiges, aber es ist eines – und das freut sich, wenn ich wieder was rausbringe und spielen gehe.“ Und hinsichtlich des neuen Albums glaubt Trummer mehr denn je eine Erwartungshaltung zu verspüren. „Ob sich dass dann auch in guten Verkaufszahlen niederschlägt, wird sich zeigen.“ Und zwar ab dem 13. Februar. Dann ist „Dr ganz Wäg zrügg“ in den Läden.