UnderClassMen – UnderClassic (Muve)
Text: Ko:L
Bild: Cover/UCM
Die fünf UnderClassMen sind die anderen im Schweizer HipHop. Sie sind die, die auf Englisch machen, keine Mundart, und damit mehr und mehr für Aufsehen sorgen. Denn UnderClassMen bieten Rap von Weltformat – auch mit ihrem neusten Werk „UnderClassic“, das am 9. Februar 2007 in die Läden kommt. „Kaotic und Trig (die MC’s) haben zufälligerweise beide ihre Wurzeln in Boston, Massachusetts (USA). Trig’s halbe Familie kommt von dort und Kaotic kam erst mit 17 Jahren in die Schweiz“, schreibt Trig im Mail auf eine entsprechende Frage und fügt an: „Aufgrund der musikalischen Einflüsse aus den USA und Englisch als Muttersprache war es eine logische Konsequenz, die Texte auf Englisch zu verfassen.“ Die Folge: In heimischen Landen kaum bekannt, sorgen UnderClassMen seit jeher rund um den Globus für Fourore: „Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl, wenn man seine Platte in einem japanischen Onlineladen wiederfindet oder hört, dass sie in Australien am Radio lief“, schreibt Trig.
Konsequenz aus der weltweiten Präsenz: „Es sind viele Zusammenarbeiten und gute Beziehungen hierdurch entstanden“, wie Trig es ausdrück. Die erste Platte (1999, Weak Ideas), verschickten UCM auf gut Glück an diverse Adressen in den USA. Daraus entstand die „sehr wichtige“ Zusammenarbeit DJ Next, auch aus Boston. Plötzlich waren die Basler Rapper zusammen mit vielen anderen bekannten US-Acts auf seiner Mixed-CD vertreten und konnten einen Song mit Promoe (Looptroop) aufnehmen. Durch ihn kamen UCM in Kontakt mit Landspeed Records (jetzt Traffic Entertainment und ebenfalls aus Boston!), damals der renommierteste Hip-Hop-Vertrieb und Label. Es war Landspeed, die die nächsten zwei Platten (365 Live, Timte to Build) vertrieben, was wiederum neue Connections emöglichte, wie etwa die zum Südkoreanischen Produzenten Loptimist, welche jetzt vier Beats auf „UnderClassic“ produziert hat und der ca. im März in Südkorea ein Album herausgibt, auf welchem UCM mit zwei Stücken vertreten sind. Und nicht zuletzt waren die Basler oft als Vorgruppe von diversen US-Acts unterwegs. Diese Faktoren führten zu den anderen Zusammenarbeiten mit K-otix, Donte, Celph Titled, Pumpkinhead, R.A. the Rugged Man, Wordsworth etc etc.
Auch wenn der Oldschoolsound der UnderClassMen beim ersten Hinhören nicht wahnsinnig spannend tönt – beim zweiten und dritten Durchgang wird plötzlich die unglaubliche Kreativität der Truppe spürbar. 24 Tracks umfasst „UnderClassic“, 24 gradlinige Tracks, die jedoch mit äusserst viel Liebe zum Detail umgesetzt sind. „Wir sind eine kreative Truppe“, ist Trig überzeugt und begründet die Anzahl Tracks „mit dem Entstehungsprozess des Albums und der musikalischen Reifung der Gruppe. Einige Tracks waren schon länger fertig, dann kamen neue dazu, alte wurden verändert bzw. mit einem neuen Beat oder Texten versehen, die Feature-Gäste kamen dazu und so weiter… Am Ende ergab sich dann das Gesamtpaket, von dem wir aber auch nicht wirklich etwas streichen wollten. Denn es widerspiegelt unsere musikalische Vielfalt, da wir dem Hörer eine Vielzahl unterschiedlicher Tracks und Stile bieten möchten.“ Und dann liefert er gleich seine eigene Einschätzung des Albums: „Von harten Songs mit Battle-Texten (z.B. Deckin’Em, Hold Fort), Konzeptstücke (z.B. Epic, in dem sich alles um die Kraft der Naturgewalten dreht), bis zu sehr persönlichen Stücken (z.B. Life, Those Dedicated, Girls). Anderseits repräsentiert gerade dieses Gesamtpaket die UnderClassMen am besten und rechtfertig auch den Titel UnderClassic.“ Und wer jetzt das Gefühl hat, das sei wahnsinnig viel und wahnsinnig vielseitig, den bruhigt Trig mit dem Satz: „Unsere Kreatvität war also damit nicht ausgeschöpft.“
Zu recht haben die UnderClassMen mit ihrem neusten Album auch gewisse Ambitionen – auch wenn Tirg sie vorsichtig bescheiden umschreibt: „Wir möchten dass UnderClassic in der Schweiz und International den bestmöglichen Erfolg hat, dass es den Hörern gefällt und dass sich hierdurch viele weitere Türen öffnen bzw. Connections für uns ergeben. Wir hoffen, dass die Leute die Qualität erkennen und würdigen, egal woher sie sind. Nach all den Jahren in denen wir seit 1995 an unserer Musik arbeiten, ist dies bisher das grösste Ereignis für uns und wir sind unglaublich froh und dankbar, dass es endlich soweit ist!“ Und natürlich planen auch die Basler HipHopper den bevorstehenden Festivalsommer: „Das Festival Booking startet und wir hoffen sehr, dass sich viele Sachen für uns ergeben werden. Auf der Bühne zu stehen ist grossartig und wir freuen uns auf die Auftritte“, schreibt Trig und macht damit klar, dass es dem Fünfer in erster Linie um Sound geht – und nicht nur Attitüde: „Ja, ursprünglich entstand Hip-Hip in den Ghettos… Das ist aber 30 Jahre her“, schreibt Trig und fragt: „Muss man in einem Ghetto leben um zu Rappen? Diese Vorstellung ist einfach völlig überaltert. Auch viele der Rapper in den USA stammen aus eher 'normalen' Verhältnissen. Jeder kann Hip-Hop machen, vom Secondo bis zum Akademiker, seine jeweiligen Aussagen müssen einfach überzeugend sein und sollten keine falschen Tatsachen repräsentieren“, versucht er die Entwicklung der Szene auf einen Nenner zu bringen. Und Trig ist überzeugt, dass HipHop in der Schweiz sehr wohl sehr überzeugend und authentisch gemacht werden kann: „Dass es in der Schweiz allen gut – und vor allem allen gleich gut – geht, ist eine völlig wirklichkeitsfremde Vorstellung. Jeder der das behauptet lebt in einem Glashaus und sollte sich einmal gewisse Statistiken zu Gemüte führen. Viele der Old School Hip-Hopper stammten aus sehr armen Schichten oder waren Ausländer. Dazu kamen aber auch 'normal' gestellte Schweizer. Diese Mischung war einzigartig, denn es zählte nur das eigene Können, nicht die Herkunft.“ Trespass sagt: Word! - und nicht vergessen: Plattentaufe ist am 03. März in der Kaserne Basel!