Undergod - Killove (N-Gage)
Text: Monthy
Bilder: Undergod
Industrial ist eine Mischform von elektronischer Musik und Hardrock bis Metal. Wegen der grossen Unterschiede im Verständnis vor allem der elektronischen Musik tummeln sich Bands verschiedenster Färbungen in einem Topf, der seinen Namen manchmal fast zu unrecht den harten, metallischen Klängen seiner Beats und Effekte verdankt. Eher konservativ verstehen das viele Metall-basierte Bands, deren Sound dann auch vor allem von Metall bestimmt wird und die Elektronik fast mehr als Spielzeug gebraucht. Marilyn Manson machte sich mit seinem Mechanical Animals Album in dieser Genre unsterblich, im Schatten des Kommerz´ haben es die Krupps, Rob Zombie oder KMFDM zu gewissen Erfolgen gebracht, dazu spriessen seit Manson viele solcher Bands - vor allem in den Staaten - aus dem Boden. Ein gegenteiliges Verständnis der Aufgabenstellung zeigen die global bekannteren Bands wie Kraftwerk, Young Gods oder The Chemical Brothers, die es zu wahrem Kultstatus gebracht haben. Vorbild dieser Musik, die oft mehr die Folgen der Industrialisierung auf den Menschen zeigt, ist denn auch ein Kult-Film, nämlich "A Clockwork Orange". Die Young Gods verstehen sich dabei selbst als Beispiel nichtmal als Industrial-Act, sondern sie machen Sampler-basierte Musik. Dass diese verschiedenen Sichtweisen von Industrial-Sound durchaus zu kongruenten Resultaten führen kann, ist das Schöne an der Musik. Es scheint also jetzt nur logisch, dass es auch Acts geben muss, die die Waage zwischen Metall und Sampling ausgeglichen halten. Dazu gehören Undergod. Der Sound der Basler ist genauso Elektro- und Sampling-basiert, wie auch von harten Riffs geprägt und vermittelt dieses postnukleare Feeling, das einem guten solchen Mix eben eigen ist. Undergods blutrot getünchte CD Killove steht gewissermassen unter dem Motto "You can buy love but you can´t sell hate - du kannst Liebe kaufen, aber keinen Hass verkaufen". Und der archaische Gegensatz zwischen Liebe und Hass passt hervorragend zum musikalischen Kleidchen, welches Undergod sich verpasst haben. Zwischen verzweifelt einsam und euphorisch überdreht wirkt das kleine Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel auf einen ein, lässt Hals über Kopf verlieben oder leidenschaftlich Aufbegehren. Vom ersten Takt an mitreissend und verführerisch arrangiert, pumpt Killove seinem Hörer bald alles Blut aus dem Gehirn ab in tiefere Etagen. Eine helle, klare Stimme sorgt dafür, dass trotz aller Emotionen und zänkischer Liebe der kühle Kopf einigermassen bewahrt wird. Mit Songtiteln wie "Black is dead", "Nothing Karma" oder "Bad temper" finden Songwriter, Sänger, Gitarrist und Programmer Tommy Baumgartner und seine Untergötter Patrick Aelig (Bass), Maja Schwarz (Guitar) und Christian Specker (Drums) zudem auch die richtigen Worte, ihre musikalische Schizophrenie auszudrücken. Unterstützt wurden sie in der Produktion ihrer nunmehr vierten CD durch Programmer André Champaloux und im Single-Release "Shangrila" - einem Titel der dann irgendwie doch nicht so ganz zu ihnen passt, aber bei Undergod eine mächtige Gitarren-Hymne versteckt - von Steffi Klär am Mic. Alles in allem Herzflattern der etwas intensiveren Gangart!