Unfold - Aeon Aony
Text: MonthyChristo
Bild: Cover
Genug der Infos - zurück zu den Wurzeln, sprich der brachialen Kraft, mit der das Fünf-Mann-LineUp die Kellergewölbe zwischen Yverdon und Paris heimsucht. Unfolds Soundkostüm kommt wie erwähnt nicht gerade vom Laufsteg, ist aber trotz textlichen Anbandelungen auch nur selten wirklich gothisch. Die Band selbst regt in der Promo an, das Ganze als "bösen Post-Hardcore" oder - gelobt sei "Baron Rouge" - ganz einfach als Metal anzusehen. Eine melodiöse (Sorry, Guys...) und eine effektvolle Gitarre strukturieren die Songs, die Drums bringen das Tempo rein und trotz Vorschlaghammer-Methodik beweisen Unfold immer wieder ein feines Gespür für Dissonanzen und Melodien. Letztere eher relativ gesehen... Wer sich mit Daneks Stimme anfreunden kann, also Leute wie Mister Monthy, wird seine wahre Freude am Power-Sound vom Neuenburgersee haben. Versprochen!
Welcome to the Freakshow! "Definitiv laut, dunkel und lebendig", besagt die Promo und mein erster Eindruck geht in eine ähnliche Richtung. Der Schreihals nimmt´s übrigens mit mancher Ikone aus der Blütezeit von Speed- und Death-Metal auf, selbst wenn der Mix ihn, zum Wohle des Allgemein-Ohrs, gnädigst etwas in den Hintergrund stellt. Die Wut kommt auch so rüber! Unfold ist seit bald acht Jahren und über hundert Shows vielleicht DER Hardcore-Geheimtip westlich der Kartoffelsenke - nur, was wissen wir Deutschschweizer schon vom welschen Untergrund? Die Romandie ist ja bei uns nur Thema, wenns um die Weigerung von ExLibris geht, Verkaufszahlen anzugeben und deshalb die Hitparadenschale Richtung Genf kippt. Mit den Charts aber haben diese Jungs nicht viel am Hut - oder sie können es gut verstecken... Aeon Aony ist nach mehreren EPs und dem Debut Pure Unfolds zweiter Longplayer und fällt erstmal mit fantasievoller Namensgebung auf: Ein "Aeon" ist zB die "grösste messbare Zeiteinheit" und bei "Aony" streikt sogar mein Englisch-Englisch-Dictionnaire. Der Opener heisst "Medusa - Euryale - Sthenyo", andere Songs schmücken sich mit dunklen Namensgebilden wie "Superman diabolico", "Phantom structures", "Rhythm, Slayer, Olé" oder "The Templars Lamina". Wie abgrundtief müssen diese - entgegen dem Sprichwort - sehr unstillen Wasser doch sein! Ein Fest für MonthyChristo, es ist angerichtet... Die von Pelle Henricsson (Refused, Breach) abgemischte Scheibe, in "zwanzig schmerzvollen Monaten" eingespielt, ist nicht nur "ein Schritt nach vorn in der Entwicklung Unfolds". Aeon Aony bringt harte Arbeit und noch härteren Sound in ehrlichen Einklang. Schliesslich zeugt es durchaus von Mut und Selbstvertrauen, mit dem Breach-Mixer zu arbeiten und diese Band auch noch als Inspiration im Booklet zu nennen. Was nicht heissen soll, dass Unfold keine eigene Identität besitzt.