Unhold's Finest Alpine Distortion
Text: Eve
Bilder:
ursarnold.ch
Als Death-Metal Band haben sie vor gut zehn Jahren angefangen und heute, am B-Sides Festival in Kriens auf dem Sonnenberg, beglückten Unhold das Publikum mit ihrem ganz eigenen, 'finest alpine distortion-Sound'. Bis auf wenige, technische Schwierigkeiten ist Chippie, Gitarrist und Sänger der Gruppe, mit dem Auftritt zufrieden. „Uns ist beim einladen der Verstärker auf den Boden gefallen und ich hätte das alles noch einmal überprüfen sollen, was ich nicht gemacht habe. So hat es dann eben etwas gerumpelt und gekracht. Sonst war alles gut.“ Dass während des Auftritts die Gitarren neu gestimmt werden mussten, liege an der Kälte, der Luftfeuchtigkeit und dem Draußen spielen überhaupt. Sigurd, die nächste Band, hatte scheinbar ähnliche Probleme.
Das Gefühl auf der Bühne zu stehen, beschreibt der Musiker als ziemlich verwirrend: „Das variiert von euphorisch bis deplatziert. Lustig oder eben überhaupt nicht lustig, es gibt alles, die ganze Palette an Gefühlen.“ Der kleine Platz vom B-Sides platzte nicht gerade aus den Nähten, als Unhold die ersten Töne von der Bühne herunter schmetterten und das Wetter machte dem Namen des Sonnenberges keine Ehre. Aber den Mut ließen sich die Metal-Noiserocker nicht nehmen. „An einem Freitag um sieben Uhr muss man auch nicht zu hohe Erwartungen haben.“ zuckt Chippie die Schultern „Eigentlich ist mir das auch egal. Wir spielen einfach für die, die da sind. Schon als ich hier oben ankam, fand ich, dass eine gute Atmosphäre herrscht und es nichts zu verlieren gibt. Einfach frei drauflos.“
Irgendwann während des Konzertes zwischen zwei Songs forderte Tom, zweiter Sänger und Gitarrist, das Volk auf, die Bäume zu umarmen. Bei diesem wummernden Bass, den zwei verzerrten Gitarren, dem wutentbrannten Gesang, den rasenden Rhythmen und der ganzen, entfesselten Wut des Hardcores kommt allerdings nur bedingt das Verlangen nach Kuscheln auf und sei es nur mit einem Baum. Chippie versucht, das näher zu erklären. Das Titelstück ihres aktuellen Albums ist für Unhold's Verhältnisse eine Ballade. Trotzdem konnten sie natürlich keinen Liebessong ansagen und im Publikum waren sowieso fast nur Männer. So entschieden sie sich spontan, den Leuten die Botanik näher zubringen.
„Reto, Dani, Tom und ich kennen uns schon von der Schule her. Und wir sind so eine Band die ohne Instrumente angefangen hat. Wir haben gesagt: 'Du kaufst ein Schlagzeug, ich eine Gitarre und dann sehen wir, was passiert.'“ Passiert ist erst Mausoleum, so nannten sie sich in den Anfängen, dann die Rondelle "Walking Blackwards" später "Finest Himalayan Distortion - Everest Rapes Unhold" und zuletzt "Loess" das aktuelle Album der Berner Oberländer. Dies wurde produziert von Serge Morattel und ist bereits drei Jahre alt. Es hat vom Titelstück, das eben etwas balladesk ist, über langsamere, bis zu härteren, schnelleren Stücken von allem etwas drauf. „Aber für uns kommt jetzt die nächste Phase. Wir haben viel neues Material für unser nächstes Album an dem wir arbeiten. Dies soll nächstes Jahr herauskommen. Wir sind etwas verschwenderischer geworden mit dem Material das wir verbrauchen zum Songs schreiben. Wir erlauben uns einfach diese Entwicklung. Ich denke aber schon, das man immer noch hört das das wir sind.“
"Die geballte Faust und die nie heilende Wunde", ist auf ihrer Homepage zu lesen. Das soll aussagen, worum es inhaltlich geht in ihren Texten. Der innere Zwist, den alle irgendwie haben, die Wut über gewisse Sachen, Sachen die nie wirklich vergessen gehen und die niemals wirklich heilen. Schlagworte sind Verzweiflung, Unsicherheit, Wut und Widerstand. „Wir greifen Themen auf, die nicht sehr alltäglich sind. Im Prinzip sind es einfach Beobachtungen der Umwelt, vom unmittelbaren Umfeld oder inneren Zuständen. Einer der neueren Songs geht konkret um den Krieg, der leider nach wie vor die Realität ist. Manchmal ärgert es mich, dass nicht mehr Bands sich zu dem äußern, weil es doch ein wichtiges Thema ist. Natürlich soll die Musik auch ablenken und unterhalten aber es gibt immer noch viel zu erzählen das tagtäglich passiert. Ich will aber auch keine Parolen machen, dass finde ich platt und langweilig.“