Slädus Rückkehr ins Unisono
Text: MonthyChristo
Bilder: MonthyChristo / Unisono
Die Rückkehr von Gitarren-Koryphäe Slädu Perica an alte Wirkungsstätte hat sich dank Blick, Thuner Tagblatt - und Trespass.ch herumgesprochen, also sind Ko:L und ich nicht allzu überrascht, dass die kleine Musikschule und Instrumentenwerkstatt Unisono in Steffisburg am Samstag Mittag stark frequentiert wird. Zäppu lotst uns an Bigmäc und Chiggennöggez vorbei ins schalldichte Kabäuschen, wo ich so frei bin und einige Fragen an den verlorenen Sohn richten will. Den Vorwurf, Grund für diesen Tumult zu sein, akzeptiert Slädu lachend. "Es scheint fast so... Zäppu hat das alles aber wirklich toll im Griff. Wir haben Vertreter von Hughes & Kettner und Ibanez hier und für die Leute gibts auch noch etwas zu gewinnen", führt der nationale Gitarrengott aus.
Vor allem aber konnten die Leute nach fast sieben Jahren endlich wieder Unterricht bei Slädu live nehmen. Dieser meint: "Das coole daran ist ertmal: ich muss nicht, ich will! Ich habe das Zäppu angeboten und ich wollte endlich wieder einmal unterrichten. Jetzt bin ich vier Tage lang hier, heute zum Beispiel von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Es ist faszinierend, nach so langer Zeit wieder in dieser Kammer zu sein." Slädus Gesichtsausdruck macht klar, dass es auch für ihn etwas Besonderes ist. Ob sich das denn auch irgendwie auszahle, will ich wissen. - "Viele haben noch gar nichts von meiner Gitarrenschule im Internet gehört, dahingehend ist das hier auch gute Werbung für mich. Für Zäppu und für den Laden finde ich es genial, weil die Leute von Zürich her kommen, von Basel, St.Gallen... eben von überall her." Kontakte aus den Zeiten, als Slädu noch im Unisono als Lehrer jobbte, hat er kaum mehr: "Da meine Handy-Nummer in der ganzen Zeit nie geändert hat, habe ich hie und da ein SMS erhalten, wenn mich jemand im Fernsehen gesehen hatte..." Und dass sich jetzt einige seiner ehemaligen Schüler zum Unterricht angemeldet haben, beunruhigt ihn nicht? - "Ich bin einfach darauf gespannt, was sie von mir wollen."
Slädu zeigt mit der Rückkehr ins Unisono, mit dem Online-Gitarrenkurs oder auch mit der Trespass-Radioserie "biggest Rock´n´Roll-Riffs ever", dass es ihm wirklich ein grosses Anliegen ist, anderen zu helfen, besser Gitarre zu spielen. "Die Leute brauchen jemanden, brauchen Input", erklärt er mit sanfter Stimme, "Sie gehen zwar zum Unterricht, aber verlieren sich oft trotzdem. Fundamente fehlen oder werden falsch gelegt.. Ich werde oft mit dem Mythos konfrontiert, dass die Leute glauben, ich sei supergut. Ich versuche dagegen immer, den Leute zu zeigen: In der Musik ist alles lernbar!" Und dann sagt Slädu etwas wirklich Bemerkenswertes: "Musik war für mich immer ein Mysterium, bis ich gemerkt habe, wie man übern muss, um seine Ziele erreichen zu können." Die vier Tage im Unisono nutzt der re-aktivierte Gitarrenlehrer also, um den Leuten zu sagen, was sie "in dem was sie mitbringen" falsch machen und ihnen zu zeigen, wie es einfacher geht. "Am Schluss sagt fast jeder sinngemäss: ´Was, so eifach isch das? isch ja huere geil...´" erklärt Slädu mit Leuchten in den Augen, worum es bei der Aktion wirklich geht.
Und schliesslich ist es auch für den Meister selbst wieder einmal eine gute Möglichkeit zu üben. "Wenn du professionell arbeitest, beschränkst du dich oft auf das gerade aktuelle Repertoire und vernachlässigst den Rest. Dabei tut es jedem und jederzeit gut, frei zu üben", entlässt mich der Herr Lehrer freundlich aber mit erhobenem Zeigefinger. Derweil freut sich Ladeninhaber Zäppu: "Ich habe gestern ´zur Sändle´ gesagt: Für mich ist es wie früher... Herrlich!" Der Aufwand im Vorfeld, vor allem das Finden der Termine, sei zwar anstrengend gewesen, aber es sei die Sache wert, meint Zäppu zufrieden und plaudert dann noch aus dem Nähkästchen: "Was wir übrigens noch gemerkt haben: Je grösser der Star, desto stärker die Ohnmacht und die Angst nicht gut genug zu sein. Slädu war also schon fast wieder ein Handicap weil die Leute sich manchmal nicht so recht trauten." Wer die (Hemm-)Schwelle aber dennoch überschritt, soll nach 45 Minuten mit seligem Lächeln wieder erschienen sein, liessen wir uns sagen. "Weil Slädu eben lange nicht so böse ist, wie er aussieht..." orakelt Zäppu.