Zäppus Gitarrenschule - Crashkurs II
Text/Bilder: MonthyChristo
Mitarbeit: Eve
Das Crash-Kurs-Team:
Zäppu Gitarrenlehrer
Eve Schülerin
Monthy Dokumentation
Situation:
Eve hat nach der ersten Probelektion zuhause fleissig geübt. ´Lady in Black´ ist bald nur noch eine Erdnuss für sie und sie ist zu neuen Schandtaten bereit. Noch weiss sie aber nicht, dass es Zäppus zweite Lektion wirklich in sich hat...
Eve und Zäppu - die weitere Songauswahl gestaltet sich alles andere als einfach. Favoriten sind alsbald ´Hotel California´, ´Hey Joe´ und ´Born to be wild´. Die beiden entscheiden sich trotz fehlenden Songblättern für die obskure Geschichte mit den tanzenden Männern im Hinterzimmer. Zäppu zeichnet die Akkorde und Griffe für ´Hotel California´ in die bereitliegenden Notenblätter ein und spielt sich mittels CD in den alten Eagles-Song ein. Um Euch das Prozedere zu ersparen, bilden wir unten die Blätter mit den Akkorden und den Griffen ab:
Erst Zäppu, dann Eve und nochmal von vorn und "macht nichts - 1 - 2 - 3 - 4 - immer weiterspielen und gleich nochmals!" Es würde zu weit führen, hier die tatsächlichen 45 Minuten zu protokollieren. Eve jedenfalls wurde geschlaucht - nix Viertelstunde, der zweite Teil ging über die volle Distanz. Was es genützt hat, erfahrt ihr im dritten und abschliessenden Teil sowohl am Radio als auch Backstage.
Zäppu: "So liebe Schülerin - wie ist es dir ergangen seit...? Es ist ein bisschen länger her seit dem letzten Mal für uns... Beim Gitarre spielen sollte man übrigens - wie beim Skifahren - eher kürzere Uebungen machen, dafür häufiger. Also: Weniger ist mehr - lieber 5 Minuten täglich als am Sonntag Abend eine ganze Stunde lang bis einen die Finger schmerzen. Jetzt haben wir letztes Mal diese Griffe geübt. Zeig mal..."
Eve: "Also, das wäre E-moll..."
Zäppu: "Jetzt hast du noch zuwenig Dampf, also drehen wir dich mal auf. Lautstärke ist aber nicht alles; Du kannst mit deiner Gitarre Stimmungen ausdrücken, also zum Beispiel, wenn du wütend bist und fluchst. (Er intoniert ´Enter Sandman´) Mit den Pickups und den Klangreglern (die runden Knöpfe und die Saitenaufhängungen am Gitarrenbauch) kannst du den Ton zwischen grell und dumpf variieren. Also - Lautstärke mit dem Volumenpedal, Klang mit den Klangreglern und wenn du jetzt sozusagen noch auf den Tisch hauen willst, dann machst du das mit dem Plektrum und rechten Hand beim Saitenanschlag."
Das nun folgende "luschtige Gschichtli" in Form einer Pentathonik erkläre ich von aussen, um Euch nicht demselben Zustand der Verwirrung auszusetzen, den ich beim Abhören der MD durchlebte. Zäppu spielt zwei Töne; Zeigefinger dritter Bund, Ringfinger fünfter Bund; beide Male Anschlag der obersten, der E-Saite: DUM DUM - "Das ist der Vater." Dann oktaviert er die selben Töne auf dem fünften, respektive siebten Bund der D- Saite (DAM DAM - Die Mutter) und auf dem siebten, respektive neunten Bund der B-Saite - DIM DIM, das Kiddy. Mit diesen beiden Tönen, zweimal oktaviert, entfaltet der Unisono-"Aushilfs"-lehrer nun die sogenannte Musiksprache, die Basis des Solospiels:
Der Vater brummelt: DUM - DUM - DUM -DUM ("Jetzt räum gopfridstutz dein zimmer auf!")
Das Kiddy motzt: DIDIDIDIM - DIM ("Ich hab doch gesagt, ich machs gleich...")
Die Mutter aus dem anderen Zimmer: DAM - DADAM - DADAM ("Wir wollen es sehen, nicht hören.")
Zäppu: "Wenn wir einen Song als Bild sehen, dann sind die begleitenden Akkorde der Rahmen, der Hintergrund und das Solospiel ist das Sujet. Darauf basiert Musik und die kann man relativ einfach machen - wie zum Beispiel Gölä: 3, 4 Akkorde, Strophe, Refrain, Strophe, mal eine Bridge, Refrain, Outro. Oder dann gibt es natürlich die komplizierteren Sachen wie diesen da: (Zäppu intoniert ´Stairway to Heaven´) - Kensch dä? - Für mich ist das einer der wunderschönsten Songs, der je auf einer Gitarre passiert ist. Das hat dann eben nicht nur 2 Akkorde, sondern verschiedene Stufen. Es fängt sehr zart an, extrem fein und nachher gegen Schluss - Masch di vilech bsinne... - Ich sage immer, dass jeder Gitarrist den Song einmal gespielt haben sollte, weil da drin so viel Leben passiert wie in kaum einem anderen. Es fängt wie ein Regentropf an, der eine Quelle findet, diese fliesst in einen Bach, in einen Fluss, hier stürtzt ein Wasserfall hinein, dann beruhigt es sich wie in einem See..."
Eve: "Wofür ist dieser Hebel?"
Zäppu: "Ah ja - den kennst du: (Er intoniert ´Smoke on the Water´ und lässt die Gitarre zum Schluss absterben) oder Jimmy Hendrix hat noch ganz andere Sachen gemacht (Zäppu lässt den Worten eine Demonstration von Heulen bis Knarzen folgen) Der ist eigentlich zum ´souhunge´ gemacht... Ich selbst habe den Hebel meist dann gebraucht, wenn ich nicht recht wusste, was tun. Sieht gut aus und keiner kann sagen, die Töne wären falsch. Ein bisschen wie Jazz, ich sage immer, wenns artig tönt ists für mich Jazz.."