Unused Pawnshop... sind eben doch anders
Text: Ko:L
Bilder: Mänu Zingg,
mzingg.ch
„Wir sind nicht anders, als andere Bands“, sagt Curdin nach der Show. „Wow“, denke ich, „wo ist denn da die geballte Power dieser vor Selbstsicherheit strotzenden Band, die ich eben auf der Bühne gesehen habe?“, und hake nach. „Doch. Ich mag einfach grad nicht irgendwas erzählnen von wegen wie anders wir sind. Das wäre wie ein Typ, der eine Frauanbaggert und ihr erzählt: ´Weisst du, aller Männer sind gleich. Die wollen bloss mit dir ins Bett. Ich bin da anders.“ Ok. Eben doch unverfroren. Und ein Händchen für gute Bilder.
Sie boten auch ein gutes Bild, die sieben Jungs aus dem Bündnerland, bei ihrem Quasi-Heimspiel am Samstag Mittag am Val Lumnezia. Auf 32 Grad mochte Curdin die Temperatur schätzen, „wobei´s auf der Bühne wesentlich kühler war.“ Trotzdem: Ein paar Tricks brauchten auch UP, um der Hitze ein Schnippchen zu schlagen: „Wir haben das bei Floyd Landis´ unglaublicher Aufholjagd an der Tour de France abgeschaut. Der hat sich alle fünf Minuten eine Flasche Wasser über den Kopf geleert hat. Haben wir vor dem Auftritt auch gemacht und das hilft wirklich!“ Nun – kühl wirkten die Bündner Rocker nichtsdesto trotz gar nicht. Heftiger Rock, ein Mix aus Modernem Metal, Ska-Punk und Crossover ist das Ding von UP. Vielleicht etwas gar heftig für den einen oder die andere Verkaterte, aber offensichtlich mit viel Freude weckten sie das Festivalpublikum am zweiten Lumnezia Tag. Und schrieben damit auch ein kleines Kaptiel in der Festival-Geschichte: Unused Pawnshop sind die erste Band, die am neuen Lumnezia-Standort in Degen den zweiten Festivalpart eröffnet haben. „Es war super: Die Location ist super aufgemacht, die Bühne ist sehr geil, wir konnten kurzfristig einen flotten Mischer engagieren – eine ganz professionelle Sache hier!“
Natürlich haben es sich auch UP nicht entgehen lassen, schon am Freitag Abend nach Degen zu reisen und das Val Lumnezia zu geniessen – auch wenn die meisten Bandmitglieder mittlerweile in der halben Schweiz verzettelt leben. „Die Kollegen von der Band haben campiert und ich durfte bei Breitbild einen Gastauftritt machen und zwei Gitarrenparts machen“, erzählt Curdin. Zumindest für ihn habe das „Vorspiel“ am Freitag keine Auswirkungen gehabt auf die Show vom Samstag. „Von den anderen weiss ichs nicht – aber die sind zum Teil auch gewohnt, am Abend zu feiern und trotzdem zu rocken. Ich glaube wir haben das gut über die Runden gebracht.“ Es sei halt auch so, dass man sich bei einem Heimspiel „es Bitz meh dehei“ fühle und mit einem anderen Selbstversändnis an die Sache gehe, als in im Unterland. Denn „das Unterland“ - für Bündner alles westlich von Chur – ist für UP spätestens seit diesem Frühjahr auch eine Art heimisches Territorium. Zum einen, wohnen die Jungs wie gesagt in der halben Schweiz verstreut, zum anderen haben sie ein halbes Jahr lang auf der Etnies Fast Forward Tour in der ganzen Schweiz gespielt – unter anderem mit den Nutcutters und Slimboy. „Mit den Bands wars wirklich supergeil“, erinnert sich Curdin, „Wir konnten eine wirklich gute Freundschaft aufbauen.“ Unterschiedlich sei´s mit den Zuschauerzahlen gewesen. „Wir haben ein paar wirklich geile Locations spielen können, wie Bierhübeli Bern, Kammgarn Schaffhausen oder Sommercasino Basel.“
Ein anderer Aspekt der Etnies-FF Tour sei auch, dass sie einmal die Gelegenheit hatten, so viele Gigs in kurzer Zeit zu spielen. Insgesamt hätten UP im letzten halben Jahr rund 30 Konzerte gespielt, sagt Curdin. Folge: „Wir mussten während der Etnies-Tour etwas weniger proben, als sonst.“ Ihren Proberaum haben UP nämlich immer noch in Chur. Das habe mit dem „Heimweh-Bündner-Syndrom“ zu tun, erklärt der Gitarrist. „Jetzt wollen wir aber wieder neue Ziele ins Auge fassen und treffen uns wieder regelmässig im Proberaum.“ Ein neues Album ist zum Beispiel eines dieser neuen Ziele. „Aber wir wollen uns auch musikalisch weiterentwickeln – aber auch in Bezug auf das ganze Drumherum. Wir möchten das Ganze noch grösser aufziehen.“ Unused Pawnshop soll auch künftig „interessant tönen“, wünscht sich Curdin. Denn nicht zuletzt möchten die Jungs auch den Schritt ins Ausland anvisieren.