Urban Jr. - Music for the Masses?
Text/Bilder: Monthy
Wie ein bunter Hund sticht Urban Jr. mit seiner Baskenmütze am Freitagabend aus der Zuschauermenge heraus. Das Outfit ist eigentlich denkbar ungünstig für den Ex-HNO-Fronter, der sich ´inkognito´ das Monsters Konzert ansieht, sofern dies am Szene-Event B-Sides möglich ist. Das sich mir bietende Bild ist mehr als sinnbildlich. Schliesslich steckt dieser etwas gedrungene, drahtige Kerl hinter dem vielleicht grössten, sicher aber erstaunlichsten One-Hit-Wonder der Schweiz. "I don´t care, I don´t care, if you´re Madonna oder Cher...", hatten HNO einst gesäuselt und den Song einfach so an die Radiostationen verteilt, bei DRS3 eingeschlagen und nicht nur hierzulande auf und ab gespielt worden. Der Song, der die VIP-Namen zweier Ikonen ohne inhaltlichen Zusammenhang verbindet, hat schon damals den Zeitgeist voll getroffen und nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Man denke nur an Musicstar.
Dabei ist Urban Junior, wie er sich seit der Auflösung der Kult-Band Hösnöhr oder später kurz HNO, exklusiv nennt, das krasse Gegenteil eines Stars. Als Solo-Act ist Urban so etwas wie das Jahrmarktmännchen mit der Pauke auf dem Rücken und Steuerseilen an Armen und Beinen, damit er das gesamte Instrumentarium zum Klingen bringen kann. Natürlich ist seine Ausrüstung moderner, doch verzichtet der Anarchist bisher gänzlich auf die für andere Solo-Acts unverzichtbaren Loops. Ob die unfreiwillige Pop-Band HNO, die sich trotz vielversprechender Ansätze nie über ihren Smash-Hit hinweg setzen konnte, nun aber an Urban Juniors alternativem Ansatz zerbrochen ist oder ganz einfach an der Erwartungshaltung des Publikums, bleibt des Juniors Geheimnis, auch nach diesem Treffen.
Ich spreche Urban Jr. an, der mich dann doch erkennt, und wir fachsimpeln über die Monsters, die ich gar nicht kenne, er aber sehr wohl. Da ich nachher ein Interview mit ihnen führen will, kommt mir das sehr gelegen. Wir kommen ins Gespräch und es führt uns schliesslich zurück zu unserem letzten Zusammentreffen und Interview, das er mir im Wissen gab, dass sich HNO bald auflösen würden. Er durfte sich mir gegenüber aber nichts anmerken lassen. Normalerweise bin ich ziemlich sensibel, was solche Dinge angeht. "Für mich war es ein harter Moment, weil du auch noch richtig gute Fragen gestellt hast über HNO. Das passiert auch nicht jeden Tag", verrät UJ mir nun im Nachhinein zu meinem Erstaunen.
Am Samstag Abend erfahre ich dann auch noch, wie Urban Junior tönt. Denn bei uns ist es halt so, dass die Acts von einem Journi zum nächsten verschoben werden. Die CD von UJ ist aber bei Ko:L, der mir sie mal wieder nicht geschickt hat, und so höre ich Urban live auf dem Sonnenberg als exklusive Premiere. Der Sound ist toll, die Performance einzigartig. Beim Sprung vom Stuhl (siehe Foto) reisst er dann zwar alles um, verletzt sich aber nicht dabei. Auch ich schramme nur knapp am Blackout vorbei. Doch dass das Licht total rot ist, was einen Fotografen vor die ärgsten Probleme überhaupt stellt und dass später meine MiniDisc beim Radiointerview immer wieder streikt, ist eine ganz andere Geschichte. Die könnt ihr euch am 10.7. ab 20 Uhr auf Radio Emme zu Gemüte führen, angereichert von drei Urban Jr. Songs. Siehe in unserer Rubrik Radio (links oben)