The Vibes - 45 Minutes to go (Lux Noise/NonStopMusic)
5.1.2012; Text: Monthy, Bild: Cover
Die Aargauer "Vibrationen" veröffentlichten Ende 2011 ihren nunmehr dritten Longplayer "45 Minutes to go", dessen Titel nicht einfach nur einen Hinweis auf die Spieldauer gibt. Vielmehr ist er ein Synonym dafür, dass man jeden Tag leben sollte, als ob er der letzte wäre. Man weiss ja nie... Ausser vielleicht bei den Vibes, deren drittes Album wohl kaum das letzte bleiben wird. Ansonsten wäre es schade. Denn kaum eine Band hierzulande strapaziert die Mundharmonika oder die Hammond betreffend Tempo so arg wie die Brüder Flückiger (Daniel alias MoJo - Vox/Git, Matthias aka Matlock - Vox/Bass/Organ) und Drummer Grüter, besser bekannt als Stuntman Jack. Da sich heute sowieso jeder eine eigene Einteilung ausdenken darf, nenne ich den Stil jetzt einfach mal Southern Punk'n'Roll. Das "Southern" verdankt das wilde Trio nicht nur den oben erwähnten Instrumenten sondern auch klangvollen Gitarren. Punk ist eine normale Attitüde von Bands, die eigentlich Rock'n'Roll spielen - nur schneller. Ausserdem erinnert die dunkle Stimme MoJos in einigen Passagen an den kultigen Reverend Beatman, der mit seinen Monsters ja auch nicht soooo weit weg ist. Verankert sind The Vibes aber schon im Rock'n'Roll. Das Lebensgefühl ihres Sounds lässt sich vielleicht am besten mit dem Job eines Lokführers auf einer alten Dampflock vergleichen, die schnaufend und pfeifend den Berg hinab rast. Bekannt geworden sind die aus Aarau und Umgebung stammenden Jungs vor allem dank eines Support-Auftritts von Motörhead im Hallenstadion. Unter den sonstigen Referenzen finden sich etwa die Stoner-Rocker von Zamarro, nicht aber die Band, die ideologisch vielleicht am nächsten bei The Vibes liegen - den Berner Chocolate Rockers nämlich, um die es seit ihrem zweiten Album etwas ruhiger geworden ist. Speziell an Flückiger/Flückiger/Grüter ist auch, dass sie beim Basler Label Lux Noise sind, wo sich die Bands noch gegenseitig helfen. Lux Noise ermöglicht als Kollektivlabel, dass The Vibes hinsichtlich Marketing, Vertrieb, Booking und Networking auch von der Arbeit der anderen Mitglieder profitieren und umgekehrt. Fucking Beautiful, Dogs Bollock und Bitch Queens stehen den Vibes dehalb ganz besonders nahe. Grund für die Wahl von Lux Noise ist insbesondere, dass sich The Vibes gar nicht dreinreden lassen wollen. Konsequenz daraus, dass jeder Musiker auch noch so ungeliebte Dossiers wie Finanzen, Merchandise oder die Betreuung des Internetportals abzuarbeiten hat. Den Preis für ihre Unabhängigkeit zahlen The Vibes aber gerne. Und auch wenn ihre Entwicklung noch nicht so rasant ist wie ihr Sound - nachhaltig scheint sie mir allemal zu sein...