Toni Vescoli ist ein Dauerbrenner. Kein Hype.
Es war der Abschluss der 2008er-Edition des Openair Hochybrig und gleichzeitig das letzte grosse Highlight eines gelungenen Festivals: Der Auftritt von Toni Vescoli – zuerst mit seiner aktuellen Band und Songs ab seinen Solo-Alben, dann mit den legendären Sauterelles; den Schweizer Beatles. In diesen zwei Sessions bewiesen Vescoli und seine Musiker, dass sie wie guter Wein mit jedem Jahr besser werden. Sei es mit seinen Solo-Songs in Mundart oder den guten alten Rock-Nummern der Sauterelles. Eingängig und mit viel Gefühl für gute Grooves begeisterten die beiden Bands das verbleibende Publikum und belohnten es mit warmen Texmex-Rhythmen, heissem Blues und melodiösem Rock fürs lange Ausharren.
„Es ist lustig“, sagt Vescoli und lacht, angesprochen auf die luxuriöse Situation, gleich zwei Bands mit auf die Bühne nehmen zu können. „Ich fand, wir könnten das mal machen, quasi als vorzeitiges Geschenk zu meinem 66. Geburtstag.“ Eine Option wäre durchaus gewesen, nur eine Band mitzubringen, dafür auch noch etwas Sonne. Wieder lacht Toni: „Das konnten wir ja nicht wissen – aber meine Musiker sind alle Sonnenscheine!“ Auch wenn er am Morgen nach dem Aufstehen zuerst mal keine Freude am Wetter hatte, lässt sich der Rock-Routinier durch etwas Wolken, Nieselregen und Kälte nicht aus der Ruhe bringen. „Zuerst dachte ich heute Morgen 'Scheisse!', aber dann sagte ich mir, 'Was solls?!'. Wer am Sonntag Abend bei diesem Wetter noch da oben ist, der ist ein echter Fan von uns. Wenn die trotz dem Regen so lange bleiben, haben sie Freude an uns und für die spiele ich gerne.“
Vescolis Auftritt am Hochybrig war sein erster überhaupt am Best of Swiss Music-Festival. Eigentlich ein Skandal für einen Musiker mit seinem Status...? „Ich bin nicht der Typ, der sich aufdrängt“, sagt Toni bescheiden. „Ich mach alles selber, habe keinen Manager, der alle Veranstalter anruft und sagt 'Bucht den Vescoli', wie andere.“ So komme es vor, dass er in der Masse all jener, die auf die Festivalbühnen drängen, untergeht. „Aber ich habe so viele Konzerte, dass ich voll ausgelastet bin. Wenn ich mal nach Teneriffa in unsere zweite Wohnung reisen will, muss ich schauen, wo überhaupt ein freies Wochenende ist, dass ich eine ganze Woche fahren kann.“ Dass er kein Management hat, hänge aber nicht mit misstrauen der Gilde gegenüber zusammen, betont Vescoli: „Ich bin ein Dauerbrenner, kein Hype, auf den sich alle stürzen. Da werden meiner Meinung nach teilweise unanständige Gagen verlangt. Und da verdient ein Manager auch genug. Bei mir kann man nicht so viel verdienen, weil sich alles über all die Jahre verteilt.“
Er sei kein Ellbogen-Typ, sagt Toni Vescoli von sich selber. Deshalb habe er in all den Jahrzehnten, in denen er sich nun im Musik-Business bewegt, auch wenig von den negativen Auswüchsen des Geschäfts mitgekriegt. „Ich gehe meinen Weg. Wer mich engagieren will, ruft mich an. So komme ich zu genügend Konzerten.“ Einzig, wenn er die Band für eine gewisse Zeit gebucht habe, suche er selber aktiv Gigs. Kein Wunder: Gerade mit seinem aktuellen Album „66“ beweist Toni Vescoli, dass er mehr denn je zu den besten Musikern und Songschreibern der Schweiz zählt. Entsprechend positiv wurde der Silberling vom Publikum auch aufgenommen. „Ich kriege immer wieder Komplimente von wildfremden Leuten.“ Etwa, als er letzthin die Motorsense in die Reparatur bringen musste. „Das war bei einem Landmaschinenmechaniker draussen auf dem Land und der schwärmte, wie sehr ihm die neue CD gefalle; sie habe einen tollen Groove und er habe sie unbedingt haben müssen. Solche Sachen sind schön.“
„Schön“, empfindet Toni Vescoli derartige Rückmeldungen zweifellos auch, weil „66“ alles andere, als ein simples „I feel good“-Album ist, sondern sehr persönlich. Es sei denn auch überhaupt nicht das Selbe, einen Song im Studio einzusingen oder ihn auf der Bühne vor Publikum zu präsentieren. „'Du bisch gfange' spiele ich nicht, das will ich den Leuten nicht zumuten und sie von oben runter holen.“ Eher versucht Toni Vescoli, seinem Publikum gute Vibes mit auf den Weg zu geben. „Es darf durchaus auch mal ernst werden“, sagt er zwar, „aber zuerst muss man eine genügend positive Basis schaffen, dass die Leute es auch ertragen.“