Vanessa macht weiter – ohne Edita
Text: Ko:L
Bilder: Schibä,
Multimediazentrale.ch
„Gefühle sind alles“, war der Titel über den letzten grossen Artikel über Vanessaedita, vor knapp einem Jahr auf trespass.ch. Die beiden Bernerinnen hatten gerade angefangen, die Schweizer Szene aufzumischen, waren gestartet mit einem sexy Mundartalbum im Gepäck, in Begleitung dreier geiler Jungs, die's auf den Bühnen so richtig krachen liessen. Alles schien bereit, dass die kleine Schweizer Musikwelt um einen wunderbaren Stern reicher werden sollte. Umso grösser dann das Erstaunen, als plötzlich im Herbst da und dort zu vernehmen war: „Vanessaedita gibt’s nicht mehr.“
„Edita hat sich seit jeher im Bereich Musical/Theater heimischer gefühlt, für mich gibt’s einfach Pop-Rock, auf der Bühne stehen und Gas geben“, erklärt Vanessa im Gespräch am Ufer des Thunersees. Deshalb hätten sie sich „im Guten getrennt“ und verfolgen – zumindest musikalisch – andere Wege. Die Folge: Vanessa arbeitet jetzt nicht komplett, aber trotzdem allein an neuen Songs – nachdem sie acht Jahre lange mit Edita praktisch alles geteilt hatte – vor allem aber Hochs und Tiefs und Lust und Frust, die sich schliesslich in Form von Songs materialisierten welche wiederum Tausende in der Schweiz verzückten. „Die Arbeit an den Songs ist heute völlig anders“, sagt Vanessa, „früher waren wir zu zweit, zwei, drei Jahre jünger und sahen vieles ganz anders an, als heute.“ Die Folge: „Die Songs werden reifer, alles ist gewachsen.“ Doch Schwermut will Vanessa nicht zulassen; im Gegenteil: „Es macht eben schon Spass, sich ganz allein entfalten zu können.“
So ganz alleine, ist die feurige Bernerin mit italienischen Wurzeln dann aber doch nicht. Vanessa – oder wie immer das neue Projekt auch heissen wird – besteht neben der Frontfrau aus der selben Band, die schon mit Vanessa und Edita auf Tour war. „Wir verstanden uns vom ersten Gig an grossartig“, erinnert sich Vanessa, „und haben gemeinsam extrem viel Erfahrungen sammeln können.“ Viele der Songs entstehen zusammen mit Gitarrist Hugi, aber auch mit den beiden Produzenten Beni Mühlethaler und Tom Fessler. Dabei gibt es bei der Enstehung der Songs nicht ein fixes Schema: „Manchmal gehe ich mit einer Melodie zu den Jungs – oder es passiert, dass ich einen Hammer-Text habe und eine Melodie dazu brauche – oder ich habe beides und sie müssen es für mich umsetzen.“ Sagts, schenkt nach, lacht und gesteht: „Mein Problem ist, dass ich kein Instrument spiele. Bei mir passiert alles im Kopf.“
So muss es bisweilen ziemlich brettern in Vanessas Kopf. Denn: Gefragt nach einer stilistischen Einordnung ihres künftigen musikalischen Schaffens kommt wie aus der Kanone geschossen: „Das wird eine rockige Angelegenheit!“ Die soulige, R'n'B-lastige Seite, die Vanessaedita oft zugesprochen wurde, sei halt vor allem Editas Part gewesen. Jetzt gehe es voll in Richtung Rock-Pop. Und natürlich wäre es in einer Rockformation schick, wenn die Frontfrau auch ein Instrument beherrschen würde. Dessen ist sich Vanessa wohl bewusst, gesteht aber: „Ich habe zu wenig Disziplin! Ich habe als Kind Keyboardunterricht besucht, spielte später Schlagzeug – was mich irgendwann auch nervte – dann schrummte ich noch ein wenig auf einer Gitarre rum. Aber da hätte es nicht einmal für eine Punkband gereicht!“
Was wann wie und wo konkret weitergehen soll, ist laut Vanessa noch offen – bis auf das grosse Ziel: „Das Album soll noch dieses Jahr rauskommen!“. Allerdings sind weder genaue Daten fix, noch ist die Plattenfirma klar – und auch von den bereits bestehenden Songs ist noch keiner gesetzt. „Das ist halt die Kehrseite, wenn man mit so vielen Leuten zusammenarbeitet. Da haben alle ihre Termine und es geht manchmal nicht so schnell voran, wie man eigentlich möchte.“ - „Aber es geht voran.“, fügt Vanessa noch an – und gibt zu versehen: „Ich werde meinen Weg weiter gehen, auch wenn er hart und steinig werden sollte.“