Vera Kaa - engagiert sich mit dem Blues
4.9.2011; Text: Monthy, Bilder: Vera Kaa
"Du siehst gut aus...", eröffne ich das Interview mit Vera als ob wir etwas Smalltalk betreiben würden. Dabei hat der kleine Satz ja durchaus Hintergrund an diesem Abend, an dem Vera Kaa ihr Video "Blues ain't for the Sissies" mit einem kleinen Event in der Zürcher Vollmond-Taverne offiziell releast. Im Song geht es um Schönheitsideale, weshalb die Künstlerin meine subtile Andeutung natürlich sofort versteht. "Mir geht es auch gut", antwortet sie und fasst den Abend kurz zusammen, "Es war ein schöner, runder Abend ohne grössere Pannen. Und meine Freundin aus Griechenland ist mit ihren 13-Zentimeter-Absätzen nicht von der Bühne gefallen..."
Heidi Klum war dann aber doch nicht erschienen, wie Vera zuvor augenzwinkernd angedeutet hatte. Wer nun erwartete, dass auch das Video zu Veras Antwort auf den Schlankheitswahn so etwas wie eine Parodie auf "Germany's next Topmodel" werden würde, sah sich getäuscht. Das spielt nämlich auf den Strassen New Yorks, wo die Zürcherin viel Spass hatte und mit Spongebob, den Teletubbies oder der Freiheitsstatue um die Wette strahlt. "Das sind alles kostümierte Figuren, die wir dort zufällig trafen", verrät Vera und sagt ansonsten zum Inhalt, "Wir sind einfach einen Tag lang dort herum gelaufen und haben 'e chli Seich' gmacht. Und das meine ich durchwegs positiv. Ich war sehr gespannt darauf, ob man das überhaupt so machen kann und New York ist wirkich eine Superstadt für so etwas. Ich denke in Zürich wäre das Video ein ganz anderes geworden..."
Videos entstammen ja eigentlich der Jugendkultur und werden - Stichwort MTV - von jeher für ein junges Publikum gemacht. Auch da passt Vera nicht ganz ins Schema. Ich frage deshalb nach, für wen sie ihr Video denn gemacht habe? - Vera: "Es ist eigentlich für mich und meine Freunde - es ist ein Zeitdokument über mein Schaffen. Und es ist auch eine Ode an alle Frauen, die durchhalten und das sicher über den einen oder anderen Kanal sehen können. Der Song ist eine Ode ans Leben und ein anderer Umgang mit einem schwierigen Thema." Und wenn wir gerade dabei sind - was ist denn an einem Mensch schön für Vera? - "Schön sind seine Augen, sein Feuer - das Leben, das er in sich trägt. Egal wie alt er oder sie ist. Meine älteste Freundin war 93 und wunderschön. Das ist für mich wahre Schönheit."
Dass wir als Gesellschaft ein falsches Ideal von Schönheit haben, ist ja wahrlich nichts Neues. Vera nimmt sich davon aber auch im ganz Alltäglichen nicht aus: "Ich verstecke meine Cellulitis auch unter einem Schal. Ich bin noch nicht ganz soweit, dass ich mich selbst trotzdem ganz selbstbewusst präsentieren kann. Und ich arbeite ständig daran, mich nicht in einen Raster pressen zu lassen. Dass ich mit 50 nicht mehr sexy sein darf. Oder ganz allgemein dass ältere Leute keinen Sex mehr hätten. Diese Vorurteile stimmen nicht!" Vera gibt sich kämpferisch für etwas, das traditionell vor allem Frauen betrifft. "Männer sind zwar eigentlich genauso betroffen, haben es aber auf eine Art schon einfacher.", meint Vera und weiss auch ein praktisches Besipiel, "Wieviele Männer haben keine Probleme damit, eine junge Freundin zu haben. Sie sind schon weniger hormongesteuert als wir Frauen..."
Zurück zum Song, wo Vera den Begriff "Sissies" ziemlich generell verwendet. Ich lasse sie präzisieren: "Mit Sissies meine ich nicht sensible Frauen. Sondern die Prinzessinnen auf der Erbse, die nichts an sich heranlassen. Die typischen Tussies eben, die zwar aussen schön sind, aber nicht viel im Kopf haben." Und warum ist der Blues nichts für die? - Vera: "Weil sie ihn nicht spüren können. Blues ist wie ein schönes Kleid, das nicht ganz passt..." Und damit lasse ich Vera auch schon wieder springen und finde es irgendwie bezeichnet, dass sie gerade jetzt ein Video veröffentlicht - man ist ja immer so jung, wie man sich fühlt...