Vincent Vegas – Fast Food
Text: Bäumli
Bild: Cover
Ich weiss nicht, ob ihr’s wisst, aber die Westschweiz lässt sich in Sachen Hip Hop und Rap nicht auf Stress und Nega (ehemals Double Pact) reduzieren. Acts wie Citer Sous Terre, Chief und Kronos (Beatschmiede erster Güteklasse) oder Gambi, um nur ein paar Namen zu nennen, haben mit ihren Indie-Produktionen bereits für hohe Standards gesorgt. Vincent Vegas ist auch einer jener Namen, die in der Deutschschweiz kaum jemand kennt. Dies mag daran liegen, dass einerseits die Sprache eine Barriere ist, andererseits vertreibt Vincent sein Album selber, was nichts anderes bedeutet, als dass er kein Budget für die Promo hat. Für sein Album „Fast Food“ hätte Vincent Vegas ein wenig mehr Anerkennung und Interesse verdient. Denn diese Produktion vermag in vielerlei Hinsicht zu überzeugen. Die Vielseitigkeit der Produktion – Beats wie auch der Raps – ist als die grösste Stärke von Vincent Vegas’ Album „Fast Food“ herauszuheben. Hier funky, da rockig, dort soulig, hier ein Touch Reagge, da clubig, dort experimentell-sphärisch. Mal mitten in die Fresse, mal ruhig und nachdenklich. Schon der Intro-Track „Prologue“ verspricht Grosses. Treffen dort doch einzigartige Wortspiele auf einen Beat, der durch Funkdelic-eske Soundspielereien besticht. Mit clubigem Drumset auf futuristischen Klangbildern und Battlerap geht es auf dem darauf folgenden Track „Parce Que C’est“ zur Sache. Auf „La Monde Est Bon“ bringt uns Vincent dann mit einem Augenzwinkern auf einem oldschooligen Drumloop, funky Bläsersatz, Zerstörer-Bass näher, weshalb die Welt aus seiner Sichtweise ach so „gut“ ist. Gesellschaftskritisch geht es auf dem von Reagge-Vibes getragenen Track „Rien A Changé“ und dem basslastigen „Poupée Russe“ weiter. Auf dem Track „Le 6éme Sens“ geht es mit der Unterstützung von Neka und Lance Carvell energiegeladen weiter. Das Fundament für die französischen Raps von Vincent und Neka sowie die deutschen Verse von Lance Carvell bilden futuristische Synthi-Klänge, folkloristische Akkordeonklänge und ein trockenes Drumset. Ruhigere Töne werden auf dem philosophischen „40 Ans“ angeschlagen, bevor es auf „Entre Les Lignes“ wieder mit futuristisch-verzerrten Rhodes-Klängen und Stakkato-Raps zur Sache geht. „J’aime Pas Cette Chansons“ besticht mit Funk-Gitarrenriff und der Track „Herbe Ou Shit“ ist beattechnisch Hip Hop-typischer als alle andern Songs auf „Fast Food“, was aber auf keinen Fall negativ ins Gewicht fällt. Am Mic bekommt Vincent auf diesem Beat Unterstützung von Sadik Asken. Und der Kopf nickt mit. Auf „Jeu Video“ lässt Vincent Vegas seinen Gedanken zum Kriegtreiben rund um den Globus freien Lauf und der Track „Clown“ besticht dank sphärischen Gitarrenklängen, wie sie Rockbands Ende der Sechziger Jahre zelebriert haben. „Ou-Sont-ils“ – der letzte Song auf „Fast Food“ – lebt von den mit Perkussion angereicherten Drums und den Synthesizer-Klängen und geht wieder in die Richtung Clubbanger. Abgerundet wird das Album von einem jazziger Outro. Für die Beats haben Nakil und Casual gesorgt. Und sie haben wirklich gute Arbeit geleistet, denn Fast Food hat eine einzigartige Klangfarbe und lässt sich dementsprechend mit keinem anderen Release der Schweizer Hip Hop-Guilde vergleichen. Wer sich nun ein selber ein Bild von Vincent Vegas’ Fast Food machen will, der öffnet am besten jetzt gleich den Explorer und surft los.