Vision 2006 – Dancing in the Rain
Text: Ko:L
Bilder:
Dekadance.ch/Home of Rock'n'Roll, Schmid
Ja, der Titel ist billig, abgedroschen und ausgelutscht. Aber dieses Mal halt treffend wie selten. Dabei hat alles so gut angefangen: „Sonnenschein auf der Marbachegg! Samstag 10 Uhr Morgen: prächtiger blauer Himmel über dem Entlebuch“, hiess es vier Stunden vor Partybeginn noch auf der Homepage des Organisators Deka-Dance. Tatsächlich liess sich die Sause auch am Nachmittag noch gut an. Zwei Schweizer Vertreter, Kalabrese und Bell P., eröffneten das „Electronic Music Festival“ hoch über dem Entlebuch – unter freiem Himmel und inmitten der imposanten Kulisse der Marbachegg. Im Spannungsfeld von Techno, Detroit, Tech-House oder House, Elektro und sogar Reaggae pflegten DJs und Tausende von Besuchern die einmalige Atmospähre der diesjährigen Vision.
Irgendwann verdrängten Wolken und Regen die sommerlich-sonnige Atmosphäre. Doch das Wetter spielt eigentlich keine Rolle – denn der feine Sound und die gepflegte Ambiance sind die Gründe für einen Besuch an der Vision; der Versuch in einer völlig verkommerzialisierten Musikwelt einen Schluck musikalischer Reinheit zu finden. Anstatt Werbebanner, Alkohol- Schnapps- und Bierzelten gestalten durchdachte und fein designte Dekos das Festivalgelände – anstatt Feuerwerk gibt’s eine eindrückliche Pyro-Show. Bei soviel Ursprünglichkeit kann es schon vorkommen, dass man aus Mannheim mit dem Zug via Basel nach Bern reist und von dort via Emmental und Entlebuch weitertrampt – alles bloss um Elektronische Musik in ihrem eigentlichen Sinn zu erleben: Um gemeinsam zu geniessen, zu tanzen und sich zu freuen.
Andere unverwüstliche Vision-Besucher liessen sich auch von den immer misslicher werdenden Wetterbedingungen nicht aus der Ruhe bringen – hunderte von Zelten deuteten an, dass die Vision in der Szene ein Event ist, den man sich nicht entgehen lassen darf – egal was Petrus dazu meint. „Tanzen, tanzen, tanzen“ lautet die Devise – auch wenn sich die Alpenwiese nach und nach in ein währschaftes Morastloch verwandelt. Getanzt wird die Nacht hindurch und bis am Sonntag nach dem Mittag. Denn Zeit und Grenzen kennt elektronische Musik eigentlich nicht: Das gilt für Sounds, Tracks oder Parties. Doch auch wenn es jetzt wieder ein Jahr geht – es wird bis dahin noch manche Möglichkeit geben, elektronische Musik in Wäldern und Wiesen zu geniessen. Im kleinen und dort wo sie hin gehört: Im Untergrund!