Vivian flirtet lieber mit der Musik
Text: Monthy
Bilder: Cover/Monthy
Ein neues Album lässt sich – besonders im Zeitalter von Dateshows… - ein bisschen mit einer Brautschau vergleichen. Rockmusik ist ja prinzipiell sexy und gutaussehend… Also wollte ich von Roger Vivian erstmal wissen, was denn sein neues Album "Vivianism" attraktiver macht als andere - Roger: "Das habe ich jetzt nicht gesagt, dass es das ist… Es ist unser viertes Album in zehn Jahren und das beste, das wir je gemacht haben. Nicht primär, weil ich es selbst produziert habe. Wir sind sehr viel reifer geworden, auch durch die Konzerte, die wir im Ausland spielen durften. Diese Erfahrungen, aber auch die Impressionen, die ich auf langen Reisen gesammelt habe, sind nebst unserer ganzen Power ins Album mit eingeflossen. Nicht nur musikalisch sondern auch lyrisch. Das Album bringt nicht einfach nur happy Sounds. Es ist aktuell auf der Höhe unserer Gesellschaft, was vielleicht hier manchmal etwas untergeht, weil wir halt einfach nicht englisch reden." Angestachelt zur Fragestellung hatte mich eigentlich die "Vivianism"-Promo, die das Werk als unwiderstehlich charmant anpreist. "Schlussendlich bleibt es ja Geschmackssache… Wenn du gerne Gitarrenrock und Melodien magst, ist es vielleicht das richtige für dich", relativiert Roger die hauseigene Werbung. Ich wiederum rechtfertige meine Herangehensweise auch mit dem unfreiwillig zweideutigen Bandnamen. Roger: "Viele wissen das immer noch nicht – es ist mein Nachname… Dazumal stimmte das, weil ich halt die Songs schreibe. Heute kommt es immerhin kaum mehr vor, dass die Leute eine Frontfrau erwarten."
Nach den Auftritten an der Seite von Status Quo, die Vivian unter anderem ins Wembley führte, stehen die Innerschweizer selbst an der Schwelle, zum Hauptact zu avancieren. Dass sie publikumstechnisch nun wieder kleinere Brötchen backen müssen, ist für die vier Jungs überhaupt kein Problem. – "Mit dem Release des Albums am 4. Mai geht auch das Touren in der Schweiz und in Deutschland wieder los. Das werden vor allem kleinere und mittlere Festivals sein und dann im Herbst die Clubs. Ob du vor hundert oder vor zehntausend Leuten spielst, ist genau das gleiche. Du spielst die selben Songs und gibst dir auch gleich viel Mühe. Ich schätze sogar die intime Atmosphäre etwas mehr. Dass die Leute wegen Vivian an ein Konzert kommen, macht mich gleich noch viel glücklicher." Und bei Avril Lavigne im Vorprogramm, stelle ich mir vor, wars vielleicht ein bisschen wie mit der grossen Schwester im Ausgang…? "Wie mit der kleinen Schwester…", reagiert Roger amüsiert. Ich korrigiere und mache in dem Fall Status Quo zum grossen Bruder. Vivian: "Es ist schon ein Unterschied vorhanden. Als StatusQuo-Support kannst du auch mit ihnen reden und diskutieren. Das ist ganz normal, sehr menschlich. Avril Lavigne war dagegen schon sehr abgeschottet, was ich schade fand. Für mich ist es natürlich besonders interessant, mich mit solchen Leuten auszutauschen."
"Vivianism" ist nicht das erste Album, das praktisch den Namen seines Schöpfers trägt. Das war schon bei "V" so. Ist das eine Masche, sozusagen eine Corporate Identity? – "Eigentlich nicht. Werbetechnisch bringen solche Wortspiele auch nichts. Wir waren schon immer eine Band, die gemacht hat, was sie wollte. Wir haben uns dabei auch verändert und sind reifer geworden. Der Titel fasst die Eigenschaften der Band und ihrer Mitglieder kurz und bündig zusammen. Und er bezieht sich auch darauf, dass es meine Sicht der Dinge ist. Der Titel passt nun besonders gut, weil ich wirklich viel Input gesammelt habe. Es sollte keine inhaltslose Hülle werden." Wenn man die Musik von Vivian etwas näher studiert, kommt man an einer Referenz nicht vorbei – U2… "Danke! Das nehme ich als Kompliment", meint Roger erfreut. Die Parallelen sehe ich in der Anlage der Musik von Vivian. Die Grösse und Weite, die Bono Vox und The Edge mit einem simplen Popsong schaffen können, ist ansatzweise auch bei Vivian zu hören. Rolf: "Ich kenne ihre Hits zwar vom Radio her, war aber nie spezieller Fan von U2. Obwohl sie teilweise sensationell sind, hat es mich nie richtig gepackt. Vielleicht kommt es ja daher, dass wir die Gitarrenverstärker für dieses Album gewechselt haben. Das gibt dem Sound oft einen ganz neuen Charakter. 'Vivianism' tönt tatsächlich anders als unsere anderen Alben. Wenn du Elemente von U2 heraus hörst, dann nicht, weil wir das beabsichtigt haben." Und wenn's bei Vivian doch nicht ganz so hoch hinaus gehen sollte wie bei den irischen Role-Models, ist das auch kein Weltuntergang. "Da wir eigenständig sind und nebenbei alle noch arbeiten, besteht die Gefahr kaum, dass wir aufgeben und uns trennen. Wir haben gute Arbeitgeber, die uns für Konzerte und Promotage frei stellen. Nur so können wir überhaupt funktionieren. Und das wichtigste überhaupt ist für mich die Freude an der Musik."