Dada vor den Toren zum Ende der Welt
Text: Sly
Bilder: Eve
Es wird dramatisch! Die Rocktante überlässt ihre Geranien dem Schicksal und bewegt sich unaufhaltsam dem Ende zu. Über Berg und Tal gehts ab Richtung Vogellisi-Festival in Adelboden - das einzige Festival am Ende der Welt. En Route treffe ich mich mit Eve; schwer bewaffnet mit Kamera, Minidisc und Mikrofon nehmen wir die letzte Etappe unserer Reise in Angriff und harren der Dinge. Eingebettet in imposanter Berglandschaft, umgeben von überhängenden Felsen und einem tosenden Wasserfall, der sich ewig über die Felswand ergiesst, präsentiert sich uns das Vogellisi. Rocksteady, sozusagen. Wir haben jedoch nicht viel Zeit zum Staunen. Dada Ante Portas stehen schon auf der Bühne und lassen das letzte Tal vor Heaven’s Gate mit erdigem Rock erschallen... Es wird gehüpft, mitgesungen und bei "She Cries For Someone Else" erleuchten die obligaten Feuerzeuge das mit 2500 Personen vollbesetzte Riesenzelt. Nach der letzten Zugabe des Konzertes wage ich mich Backstage. Die Rocktante will es wissen. Genau gesagt von Pee, Frontmann der Dadas...
Pee sitzt mit Rückenschmerzen da, (Berufsrisiko, diese akrobatischen Einlagen) ist aber sonst zufrieden mit sich und der Welt. Der Luzerner ist mit seiner Band seit Mitte März wieder auf Tour und hat schon einige Konzerte hinter sich. Pee verrät, dass er sich speziell auf den Herbst freut, dann ist nämlich eine Tour mit Die Happy in Deutschland angesagt. Das grosse Ziel, sogar ein Traum wäre es, im grossen deutschen Markt Fuss zu fassen. Bereits liebäugeln die Dadas mit der Möglichkeit, ihre nächste Platte in Deutschland zu produzieren... Zurück zur aktuellen CD. Viel wurde geschrieben über die Gründe der eher melancholischen Töne auf "Seasons Change". Pee meint dazu, dass er vor der Produktion der Platte durch eine Krise ging. «Eine Weile lang ging alles bachab , ich hatte auf nichts Bock bis es dann konkret mit "Seasons Change" losging. Da konnte ich viel verarbeiten, hatte auch textlich viel Material, aber erleben möchte ich es nicht unbedingt noch einmal». Lächelnd versichert er, dass er jetzt wieder ganz oben ist.
Der Dada-Sound steht eigentlich für klassischen Rock. Pee gibt mit einem Lachen zu, dass sie Puristen sind, aber auch ab und zu mit Elektronik experimentieren. Die Texte werden von Pee selber geschrieben; er holt sich aber immer eine zweite Meinung von einem gebürtigen Amerikaner, damit auch alles stimmt.
Pee passt es ganz gut, in der gegenwärtigen Mundartwelle die Exotenrolle zu spielen. «Es gibt genug Leute, welche auch gerne englische Songs hören wollen, aber es ist cool, dass so viele CH-Bands jetzt mit Mundart abräumen.» Pee findet es seltsam, dass CH-Bands hier nicht dieselbe Unterstützung finden wie z.B. schwedische Bands in ihrer Heimat. «Bei den CD-Aufnahmen in Schweden ist uns aufgefallen, wie die Schweden ein ganz anderes Verhältnis zu ihren Bands haben und diese auch mehr unterstützen», erklärt er. «Dies scheint jetzt auch hier mehr zu passieren; ein guter Trend», sagt Pee und verrät im gleichen Atemzug, dass es bei den Anfängen von den Dadas relativ hart war und es sehr lange brauchte, um akzeptiert zu werden. Pee mag CH-Sound und steht besonders auf Lunik, Lovebugs (gute Freunde) und Vivian.
Stichwort Warner. Der Entschluss des Majorlabels keine CH-Acts mehr zu veröffentlichen, sandte vor nicht zu langer Zeit eine Schockwelle durch die CH-Musikszene. Dies kam auch für Dada Ante Portas überraschend, aber glücklicherweise nicht zu einem ungelegenen Zeitpunkt. «Der 3-Alben-Deal mit Warner war erfüllt und der Wechsel zu einem neuen Label war daher absehbar. Mann muss zwar schlanker fahren, aber ein kleineres Label hat mehr Flexibilität», sagt Pee zuversichtlich. Was bedeutet eigentlich der Name Pee? «Ich heisse eigentlich Pirmin», bekennt Pee schmunzelnd. ER mag den Namen Pirmin, aber schon als Knirps nannten ihn alle einfach kurz Pi. Als Schüler fand er es später cool, den Namen mit zwei "ee" zu schreiben. Natürlich bietet der Name für englisch Sprechende auch Grund zum Grinsen, heisst er übersetzt etwa soviel wie "pinkeln". Auch der Grund für die Auszeichnung "Beau" für Gitarrist Luc muss erfragt werden, sind doch alle in der Band nicht gerade hässlich. Pee lacht, «dass muss seine frankophone Seite sein... er hat sich eigentlich zuerst als Scherz so genannt, aber wir fanden es cool und er wurde es nicht mehr los».
Macht es nach so vielen Gigs eigentlich immer noch Spass auf der Bühne zu sein? Pee denkt ein Momentchen nach und erklärt, dass es nicht immer gleich einfach ist. «Auf der letzten Tour spielten wir 73 Konzerte in einem Jahr. Ab dem Sechzigsten wollten wir einfach nur einen Samstag abend vor dem Fernseher verbringen und "Wetten Dass" schauen. Für uns wäre dies das absolut Coolste gewesen... da mussten wir uns schon ein wenig ´in den Arsch klemmen´ um den Leuten noch etwas bieten zu können... Nach einem Jahr Tourpause waren wir aber wieder voll ´geladen´ für diese Tour, und dass hat sich bis jetzt hingezogen». Wir hoffen, dass sie "geladen" bleiben und uns weiterhin mit ihrem guten Sound beglücken.
Der famose Steckbrief
Name: Pee (gutbürgerlich Pirmin Wirz)
Schuhgrösse: 43
Haarfarbe: Hat Originalfarbe schon lange nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich ein "hässliches" aschgrau
Augenfarbe: Braun
Lieblingsort: Hat zwei, Luzern und Korsika
Lieblingsgetränk: muss nachdenken «...ou Gopf... Bier!!!»
Klamotten: Jeans und Tischi
Welche 3 CD’s nimmst Du auf eine einsame Insel mit?
" August And Everything After" der Counting Crows, die beste Platte auf Erden – dann die zweitbeste Platte, "Live" von Throwing Copper und drittens Sarah McLachlan‘s "Fumbling towards Ecstasy".
Du reist in einer Zeitmaschine, vorwärts oder zurück?
Zurück in die Swinging Sixties um eine Band zu gründen.
Du kannst einen Tag als jemand anders verbringen. Wen darfs sein?
« Peter Reber» (betroffene Stille der Rocktante), «nein, der wohnt ja nicht mehr auf den Bahamas», meint Pee lachend. «In diesem Falle Lenny Kravitz, der wohnt immer noch dort»!
Mission erfüllt, Interviews und Föteli im Kasten frage ich Eve nach dem Fazit des Tages. «Genau drü am morge», sagt sie mit einem Grinsen. Spass muss sein. Aktuelle Tourdaten auf