Vogellisi 07: Endlich lachte die Sonne!
Text: Debi
Bilder:
musicbild.li
«Es regnet immer in Adelboden, but that’s okay»: William White hat mit seiner Voraussage am Freitagabend gründlich daneben gelegen. Aber alle werden es ihm nachsehen – gehörte der Regen in den letzten sieben Jahren zum Festival unter dem Birg so quasi dazu. Aber mit diesem Fakt hat das Wetter am Wochenende gebrochen; zum ersten Mal seit sieben Jahren schien die Sonne.
Ein gutes Omen für einen Neustart nach dem finanziellen Tiefschlag im letzten Jahr, sollte man meinen. Denn die Einschränkungen machen nicht bloss Sinn, sie haben sich auch bewährt: Ohne zweite Bühne kein Massenpilgern zwischen den Zelten, mehr Aufmerksamkeit für die einzelnen Musiker. Dass das Gelände selbst auch wenig kleiner war, wird kaum jemanden gestört haben. Dies umso mehr im Hinblick darauf, dass die Veranstalter mit wenigen 1500 Besucherinnen und Besuchern gerechnet haben. Diese Marke dürfte groben Schätzungen zufolge – wenn überhaupt – nur knapp erreicht worden sein, sagte gestern OK-Präsident Matthias Aellig.
Aber wer am «Vogellisi» war, hat eine der besten Ausgaben überhaupt erlebt. Nicht der Sonne wegen, nein. Die finanzielle Krise hat sich weder aufs Programm noch auf die Stimmung ausgewirkt. Das «Lisi» hat mit einem qualitativ guten und ansprechendem Musik-Mix bestochen; hat den Bogen zwischen Rock’n’Roll und Hiphop oder Ska und Irischen Volksweisen gespannt. Aufgefallen sind in erster Linie die Poser. Wurzel 5, Bligg und Stress haben ihre Präsenz jedoch völlig unterschiedlich ausgenutzt: Erstere, die Berner, fielen auf der Bühne mit schlüpfrigen Sprüchen und dahinter mit schlechtem Benehmen auf. Nicht so Marco Bliggensdorfer alias Bligg, der vor Energie nur so sprühte, sein Publikum unablässig anfeuerte und eine gute – von der Musik abgesehen recht farblose und unbescheidene – Show hinlegte. Ganz anders der welsche Rapper Stress, der die Bühne gekonnt für seine Statements nutzte. Was er immerzu tut. In Anspielung auf die Vergewaltigungen in Zürich etwa, «diese Leute haben keine Eier und kein Respekt». Daneben wirkt selbst das obligate «Fuck Blocher» schlicht abgenutzt.
Gäbe es am Vogellisi einen Preis für Musiker, die sich überaus ins Zeug legen, so wären die Thuner Alt-Punkrocker Tight Finks heisse Favoriten. Den Preis für das schnellste Mundwerk würde der Zürcher Mundart-Reggae-Sänger Dennis Furrer, genannt Phenomden, kriegen.
Ob dem «Lisi» im Hinblick auf nächstes Jahr die Sonne lacht? Die nächste Ausgabe wird geplant, sobald klar ist, ob das vergangene Wochenende im Milchbüchlein ein Plus hinterlässt. Ist es ein Minus, wenn auch ein kleines, könnte dies wiederum das Aus bedeuten. Es bleibt also auch diesmal teamintern beim innigen Wunsch, weiterzumachen. Selbst wenn es dann wieder regnen sollte.