Adi Weyermann, back to the Future
Text&Bilder: Eve
Eigentlich wollte ich ja nur das Konzert von Adi Weyermann im Mokka Thun geniessen. Warum ich dann doch mit Mikrofon und Kamera dort auftauche, ist eine lange Geschichte, mit der ich euch nicht langweilen will. Jedenfalls sitze ich ihm nun gegenüber und weiss nicht so recht, was ich den Musiker noch fragen soll. Hat Monthy doch schon so vieles von ihm zu Papier, beziehungsweise zu Computer gebracht, den armen Adi regelrecht ausgequetscht wie eine Zitrone... Zur aktuellen CD „Pool“, zu vergangenen Werken und sogar schon zu „Wood“, der Scheibe die noch nicht einmal erhältlich ist. Also fange ich noch weiter hinten in der Vergangenheit an, nämlich bei seiner Kindheit.
Schon sehr früh hat er begonnen Musik zu machen. Die Frage, ob Adi ein Wunderkind ist, liegt nahe: „Wow... Ich weis nicht. Ich habe mit vier Jahren angefangen Gitarre zu spielen, weil ich mit zwei schon Musiker werden wollte.“ Er hat sehr schnell bemerkt, dass den Leuten gefällt, was er macht. Als Weyermann gerade mal sieben war, kündigte er ein Konzert im Singsaal seiner Schule an und stand plötzlich ziemlich überrascht und unvorbereitet vor vollem Haus. „Also habe ich einfach eine halbe Stunde improvisiert und das ist doch recht gut angekommen. Das waren alles so Sachen bei denen ich gemerkt habe, DAS muss ich machen. Ob ich deswegen ein Wunderkind bin...? Ich glaube es ist wirklich einfach speziell, dass man so früh schon genau weiss, was man will.“
Das finde ich schon recht mutig, als Kind so vor Publikum aufzutreten. Ich weiss nicht, ob ich mich das getraut hätte. „Es braucht schon Mut. Aber es ist ein komischer Mix. In dem Alter ist man noch nicht so nervös. Man nimmt diese Situation noch gar nicht so wahr, wie man sie dann später, wenn der Teil des Selbstvertrauens etwas zerstört ist, wahrnimmt. Am Anfang ist es noch sehr pur.“ Erst später sei das Lampenfieber richtig schlimm geworden, gesteht Adi. „Das war dann auch der Grund wieso ich die El Lokal-Montags-Konzerte angefangen habe. Ich dachte, 'was könnte mich noch nervöser machen?' Am aller nervösesten könnte mich machen, nicht zu wissen, was ich spiele. Also wieder so, wie damals mit sieben. Das war der Anfang vom Ende dieses Nervös-Werdens. Jetzt läuft es sehr gut aus dem Handgelenk, vor allem mit diesen Musikern.“
Singen oder auch Songs schreiben sei für ihn oft einfacher, als reden. „Es ist halt eine ganz andere Ebene. Ich kann viel klarer sein. Wenn ich ganz für mich alleine bin, kann ich alles sehr pur und direkt darbringen. Es kann verunsichern, wenn jemand gegenüber sitzt - oder man versucht, zu gefallen und ist plötzlich nicht mehr sich selbst", ist Adi überzeugt. Und gerade sich selbst sein ist ihm in seiner Musik besonders wichtig. Sich selbst sein, ehrlich und frei. „Für mich ist vieles überwunden wie eben immer allen gefallen zu wollen. Oder wahnsinnig clever sein wollen, um vielleicht einen Hit zu landen. Das ist alles bewältigt. Und das ist schon das, was ich mit Freiheit anspreche. Die Freiheit haben, ehrlich zu sein. Und doch gibt es Grenzen. Aber anfangen muss man ohne diese Freiheit. Die Ideen sollen bei mir aus einem Ursprung herauskommen, wo sie eben nicht von irgendwelchen Überlegungen gestört werden - ob kommerzieller oder künstlerischer Art. Als erstes versuche ich, mich wie ein Kind zu benehmen.“ Beginnen wie ein Kind klingt wunderschön, passt aber für mich nicht zur fertigen CD, die so makellos und ohne Fehler klingt. „„Perfektionist zu sein ist auch etwas, das ich mir mehr und mehr abgewöhne“, verteidigt er sich lachend.
Und da wären wir also wieder. Zurück in der Zukunft und doch wieder am Anfang, beim Kind. Phantasievoll, ehrlich, ohne Angst und ohne Bremsen, einfach frei. Freiheit ist auch der rote Faden, der sich durch die Texte, die Musik und das Empfinden seiner aktuellen CD "Pool" zieht. „Die Idee dabei ist schon, die Gefühlswelt in allen Facetten wiederzugeben. Nicht etwas zu machen, das klar in ein Format passt, sondern alle Gefühle abzudecken. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Es braucht auch etwas Zeit, um sich darauf einzulassen. Das ist die Message. Nicht: `nimm und friss` sondern 'nimm, riech mal daran und lass dir Zeit.'“ Diese Botschaft gilt auch für „Wood“ die im Januar 2008 herauskommen soll und ruhiger, leiser klingt, als der grosse Bruder „Pool“. „Das leise Album ist als Idee am Anfang gestanden. Aber das Laute musste genauso dringend sein“, erklärt Adi zum Schluss. Und ich kann jetzt doch noch das tun, wozu ich eigentlich gekommen bin. Nämlich das Konzert geniessen.